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Corona-Impfpflicht: Ist die zahnärztliche Versorgung gefährdet?

von Judith Meister

weibliches Geischt hinter Viren
Foto: peterschreiber.media - stock.adobe.com

Sachsens Zahnärzte haben sich mit einem Brandbrief an die Politik gewandt: Viele Praxen müssten schließen, wenn ab Mitte März die Corona-Impfpflicht für Gesundheitsberufe gilt. Auch aus anderen Bundesländern kommen zum Teil beunruhigende Meldungen.

Die Impfpflicht war und ist ein Politikum. Lange Zeit kategorisch ausgeschlossen, ist sie inzwischen zumindest für medizinisches Personal und Pflegepersonal beschlossene Sache. Auch in Zahnarztpraxen gilt daher ab Mitte März: Wer nicht geimpft ist, muss mit negativen Konsequenzen rechnen.

Wie genau diese Konsequenzen aussehen, ist allerdings noch unklar. Die Gesundheitsämter haben bereits signalisiert, dass sie mit der Kontrolle überfordert sind. Und bis das Gesundheitsamt die Entscheidung über ein Betretungs- bzw. Tätigkeitsverbot getroffen hat, dürfen die betroffenen Mitarbeitenden grundsätzlich weiterbeschäftigt werden.

Verstöße gegen die einrichtungsbezogene Impfpflicht scheinen daher bis auf Weiteres keine spürbaren Folgen nach sich zu ziehen. Dennoch zeigen sich zahnärztliche Standesvertreter besorgt. Die Kassenzahnärztliche Vereinigung Sachsen und die Landeszahnärztekammer Sachsen haben sogar einen Brandbrief an den Ministerpräsidenten ihres Bundeslandes geschickt.

Mit brennender Sorge

Das Schreiben nimmt Bezug auf eine Umfrage unter den rund 2600 Zahnarztpraxen in Sachsen. Sie hat ergeben, dass rund 25 Prozent der Zahnärztinnen und Zahnärzte bislang nicht geimpft seien. Bei den nichtzahnärztlichen Mitarbeitern seien es sogar 40 Prozent.

Die Frage: „Bei der Umsetzung der gesetzlich verankerten Impfpflicht ab 16.03.2022 rechne ich mit:

  • einer Kündigung von Mitarbeitern oder
  • einer deutlich eingeschränkten Tätigkeit“

haben jeweils mehr als die Hälfte der Teilnehmer bejaht.

Zwar sind die Ergebnisse nicht repräsentativ. Zudem haben nur rund 490 Praxen an der Umfrage teilgenommen. Dennoch warnen die Standesvertreter vor gravierenden Auswirkungen der Impfpflicht auf die Versorgung in Sachsen: „Die Impfpflicht führt nach den Rückmeldungen, die wir aus der Zahnärzteschaft erhalten, eben in der Regel nicht dazu, sich umgehend impfen zu lassen, sondern eher dazu, den Beruf zu wechseln beziehungsweise die Praxen zu schließen.“

Viele Praxen seien durch neue Verwaltungsauflagen ohnehin schon überfordert, in vielen Regionen seien die Ärzte 60 Jahre oder älter und oft am Ende mit ihrer Kraft. „Wenn nun zusätzlich eine verstärkte Abwanderung des Personals zu erwarten ist, beziehungsweise der Praxis-Inhaber selbst eine ablehnende Haltung zur Impfpflicht hat, besteht die Gefahr, dass diese Praxen schließen.“

Nicht nur in Sachsen ist die Stimmung angespannt

Aus anderen Bundesländern kommen mit Blick auf den Impfstatus des (zahn)-medizinischen Personals ebenfalls besorgniserregende Berichte.  In Sachsen-Anhalt zum Beispiel schließt man Praxisschließungen inzwischen nicht mehr aus und warnt vor einer Verschärfung des ohnehin schon grassierenden Nachwuchsmangels. In Thüringen machte ein ungeimpfter Zahnarzt Schlagzeilen, weil er wegen der Impfpflicht seine gesamte Belegschaft vor die Tür setzte.

Versorgungsengpässe sind nach Meinung der Landeszahnärztekammer aber vorerst nicht zu befürchten: Sollte eine Praxis wegen der Corona-Impfpflicht schließen, steht nach Angaben der hiesigen Zahnärztekammer unter anderem der Notdienst für akute Fälle bereit.

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