Zum Drucken hier klicken!

- DENTAL & WIRTSCHAFT - https://www.dental-wirtschaft.de -

Plastikverbrauch in der Zahnarzt- und kieferorthopädischen-Praxis


Schmetterling auf einem Miniturbaum, der auf einer Hand steht

In ihrer Kolumne „Bitte lächeln“ sprechen die niedergelassenen Zahnärztinnen Dr. med. dent. Juliane Becker und Dr. med. dent. Schamiem Stumpfe über Erfahrungen aus ihrem Praxisalltag. In dieser Folge geht es um die (fehlende) Nachhaltigkeit in der Zahnarztpraxis.

Waren Sie schon mal im Brandhorst Museum in München? Der kulturell geneigte und im Umfeld wohnende Zahnmediziner und Mediziner wird sicherlich von dieser privaten und der öffentlich zur Verfügung gestellten Sammlung gehört haben.

Wer die Gelegenheit hat, sollte sich hier unbedingt das Kunstwerk „Waste“ von Damien Hirst ansehen. Die Masse des medizinischen Plastikabfalls, der hier in 2 Vitrinen dargestellt wird, ist erschreckend. Das Werk ist von 1994. Der Künstler hat also schon vor mehr als 20 Jahren auf den massiven Plastikverbrauch in medizinischen Einrichtungen hingewiesen.

Hat sich seither in puncto Nachhaltigkeit in der Zahnarztpraxis etwas verändert? Leider nein.

Das Problem ist, dass beim Zahnarzt oder beim Kieferorthopäden vielfach Einwegprodukte genutzt werden müssen, eine große Menge an Verpackungsmaterial anfällt und viele Medizinprodukte aus Plastik sind und nicht durch nachhaltige Alternativen ersetzt werden können. Denn das würde bedeuten, dass man auf der Seite der Hygiene sparen muss. Und das sind Abstriche, die man als Zahnarzt nicht machen möchte und darf.

Mittlerweile gibt es zwar nachhaltige Alternativen so wie Speichelzieher aus Zuckerrohr, nachhaltige Handschuhe aus Naturkautschuklatex, Zahnseide aus Maisstärke, Bambus Zahnbürsten, Pappbecher ohne Plastikfolie, aber bei all den Alternativen muss man natürlich auch immer auf den Preis schauen. Diese nachhaltigen Alternativen sind leider sehr, sehr teuer.

Wie können wir also in unseren Praxen Plastikmüll reduzieren und so die Voraussetzung für eine nachhaltige Praxis gewährleisten, Schamiem?

Bei Praxiseröffnung dachte ich mir, ich möchte so wenig Plastikmüll wie möglich generieren. Dann sah ich mir die Möglichkeiten an, die es gab, um eine möglichst umweltfreundlich-plastikfreie Praxis zu haben. Und ich und musste feststellen, dass die Möglichkeiten bei einer Neugründung, bei der man jeden Cent mehrmals umdrehen sollte, wirklich mau waren.

Was junge Praxischefs für die Umwelt tun können

Die Patienten, die in unsere Praxis kommen, müssen sich oftmals noch die Zähne putzen, also haben wir einen großen Bedarf an Bechern. Wir benutzen keine Einwegbecher mehr in unserer Zahnputzecke, sondern Becher, die man nach der Aufbereitung wiederverwenden kann. Erst gab es bei den großen Dentalfirmen nur Einwegzahnbürsten, die alle einzeln in Plastiktüten verpackt sind, also haben wir Bambuszahnbürsten von einem jungen deutschen Start-up-Unternehmen gekauft und sind damit hochzufrieden! Auch von den Patienten bekommen wir hier ein super Feedback und viele fragen, ob sie Ihre Zahnbürsten mit nach Hause nehmen dürfen. Das ist doch mal nachhaltig: statt im Mülleimer landen unsere Zahnbürsten im heimischen Zahnputzbecher!

Wie ist es bei dir, Juliane?

Seit wir an einem Wettbewerb zum Thema Nachhaltigkeit in Zahnarztpraxen erfolgreich teilgenommen haben, hat sich unser Auge weiter und weiter für diese Thematik geschärft.

Auch wir nutzen Bambuszahnbürsten in der Prophylaxe und geben diese den Patienten mit. Kinder haben sogar die Möglichkeit, die Zahnbürste zu gestalten oder mit ihrem Namen zu versehen, da es sich auf Holz gut malen lässt. Nicht nur das Einsparen des Mülls macht dann Spaß, sondern auch das Putzen. Uns ist aufgefallen, dass wir in der Prophylaxe sehr viele Kunststoffartikel haben und sind deswegen auf ein Pulver zum Reinigen umgestiegen, dass in wiederverwendbaren Thermosflaschen geliefert wird. Diese kann dann, wenn sie geleert ist, gereinigt und in der Freizeit weiter verwendet werden.

Unsere Becher haben wir auf Pappbecher umgestellt und nutzen diese nur, wenn unbedingt nötig. Nicht nur das aktive Austauschen von Materialien ist meiner Meinung nach wichtig, sondern auch der Ressourcen schonende Umgang mit ihnen. Eine gute Struktur in der Patientenbetreuung und Planung der Behandlung kann auch Müll vermeiden.

Unser Fazit: Wichtig ist es am Ende das Bewusstsein der Mitarbeiter zu schärfen und auch Patienten zu sensibilisieren. Wenn alle an einem Strang ziehen, haben wir schon ein kleines Stück mehr für unsere Umwelt getan.

Unsere Kolumnistinnen: Dr. Juliane Becker ist Zahnärztin und hat 2018 eine Bestandspraxis in Dießen am Ammersee übernommen. Dr. Schamiem Stumpfe ist Kieferorthopädin und hat seit Dezember 2019 ihre kieferorthopädische Praxis in Starnberg.

Weitere Folgen der Kolumne finden Sie hier.