Icon Navigation öffnen

Missstände bei kieferorthopädischen Behandlungen von Kindern und Jugendlichen?

von Marzena Sicking

Kind zeigt seine Schneidezähne
Foto: Peakstock - stock.adobe.com

Bei kieferorthopädischen Behandlungen von Kindern und Jugendlichen soll es zahlreiche Missstände geben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der hkk Krankenkasse. So sollen zahlreiche diagnostische Untersuchungen und therapeutische Maßnahmen ohne Notwendigkeit routinemäßig erbracht werden.

Laut der Studie unter der Leitung von Dr. Bernard Braun vom Bremer Institut für Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung (BIAG) und Dr. Alexander Spassov, Fachzahnarzt für Kieferorthopädie, werden zum Beispiel fast alle Versicherten mit Röntgenstrahlen untersucht. Und zwar unabhängig vom Alter und ohne Prüfung der kieferorthopädischen Erfordernis. Dr. Braun: „Ein klarer Verstoß gegen die nationalen und internationalen Röntgenverordnungen zum Schutz der Gesundheit junger Menschen.“

Lose Spangen wirtschaftlich und gesundheitlich nicht sinnvoll

Weiterer Kritikpunkt ist die Behandlung mit sogenannten losen Spangen: Zwei Drittel der Versicherten erhalten vor einer festen Spange eine herausnehmbare Apparatur. In den meisten Fällen sei jedoch nur die Behandlung mit einer festsitzenden Spange zweckmäßig und wirtschaftlich. Eine feste Spange komme zudem dem Wunsch der meisten Kinder und Jugendlichen nach einer möglichst kurzen Behandlung entgegen. Das wirke sich positiv auf Lebensqualität und Behandlungstreue aus, sagt Dr. Spassov.

Behandlungsdauer mit 3 Jahren zu lang

Auch die Behandlungsdauer sei mit bis zu drei Jahren zu lang und in den meisten Fällen nicht gesundheitliche begründbar. Dr. Braun: „Gründe für die unnötige Ausdehnung der Behandlungszeit sind die formale Vergütungsdauer von zwölf Quartalen und die systematische Aneinanderreihung der Behandlung mit losen und festen Spangen.“

Der Bundesrechnungshof hat die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für kieferorthopädische (kurz: KFO-) Behandlungen in Höhe von jährlich 1,1 Milliarden Euro (zuzüglich zu den Kosten privatärztlicher Behandlungen) schon 2018 kritisiert. Je Patient haben sich diese Ausgaben zwischen 2008 und 2016 verdoppelt, während zugleich gesicherte Erkenntnisse über den Nutzen der KFO-Behandlungen fehlen.

Die komplette Studie „Kieferorthopädische Versorgung von Kindern und Jugendlichen im Spiegel von Routinedaten (2012-2017)“ist zu finden unter: www.hkk.de/gesundheitsreport

Login erfolgreich

Sie haben Sich erfolgreich bei arzt-wirtschaft.de angemeldet!

×