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Vom Brausekopf zum Implantat: Hans Grohe steigt ins Implantant-Geschäft ein

von Judith Meister

Zahnarztstuhl
Foto: stockSnap - pixabay

Produkte von Hans Grohe fanden sich bislang primär in Küchen und Bädern. Nun wagt sich der Schwarzwälder Hersteller für Sanitärtechnik an ein anderes Geschäftsgebiet heran – und investiert in modernde Zahnimplantate.

Seit Jahrzehnten ist Titan als Implantat-Material bewährt. Inzwischen aber gibt es gute Alternativen, wie etwa Keramik. Mit diesem Werkstoff hat die deutsche Unternehmerfamilie Hans Grohe als Sanitärtechnik-Hersteller vielfältige Erfahrungen. Nun steigt das Unternehmen bei der Schweizer Zircon Medical AG ein – einer Firma, die mit dem „Patent (TM)-Implantatsystem“ Zahnimplantate aus Keramik herstellt.

Ihnen schreiben Branchenkenner mit Blick auf Bruchfestigkeit und Biointegration Vorteile gegenüber herkömmlichen Implantaten zu. Zircon Medical produziert auch an zwei Standorten in Deutschland. Das Unternehmen will sich in den kommenden Jahren den europäischen und den US-amerikanischen Markt für sein Implantatsystem erschließen.

Zirkonoxid-Implantate als Hoffnungsträger

Mit seinem System adressiert das Unternehmen zwei aktuelle Herausforderungen in der Dental-Implantologie: Titanimplantate sind zwar als Zahnersatz seit Langem etabliert, Material und Systemdesign begünstigen aber Komplikationen wie Entzündungen und in deren Folge Gewebeverlust im Zahnbett. Zudem haben manche Patienten Vorbehalte, sich metallische Gegenstände in den Körper einsetzen zu lassen.
Keramikimplantate bieten demgegenüber Vorteile nicht nur in Sachen Verträglichkeit, sondern auch bei der Ästhetik.

Je nach Anwendungsbereich ging dies allerdings bislang zulasten der Integration in den Knochen und der Bruchfestigkeit. Das innovative Patent (TM)-Implantatsystem von Zircon Medical will nun die Vorteile beider Materialien vereinen: Aufgrund der gegenüber anderen Zirkonimplantaten deutlich raueren, vollständig hydrophilen und größeren Oberfläche erreichen das System nach Angabe des Herstellers eine vorhersagbare Hartgewebsintegration auf dem Niveau von Titanimplantaten und eine klinisch belegbar bessere Weichgewebsintegration.

Auch die Überlebensrate der Implantate sei vergleichbar, während gleichzeitig das Risiko in Bezug auf Allergien oder Empfindlichkeiten nachweislich reduziert sei.

Patent aus Deutschland

Entwickelt und patentiert wurde das proprietäre Herstellungsverfahren und das biomimetische Design des Patent (TM)-Implantatsystems von der Zircon Vision GmbH im bayerischen Wolfratshausen. Im Jahr 2019 erwarb die Zircon Medical AG alle Rechte an dem Verfahren.

Wissenschaftliche Referenzen:
Becker J, John G, Becker K, Mainusch S, Diedrichs G, Schwarz F. – Klinische Leistungen von zweitigligen Zirkonoxidimplantaten im hinteren Unter- und Oberkiefer: eine prospektive Kohortenstudie über zwei Jahre. Clin. Oral Impl. Res. 28, 2017, 29-35 doi: 10.1111/clr 12610
Brüll F, van Winkelhoff AJ, Cune MS. Zahnimplantate aus Zirkonoxid: eine klinische, röntgenologische und mikrobiologische Bewertung bis zu drei Jahren. Int J Oral Maxillofac Implantate. 2014 Jul-Aug; (4) :914-20. Doi:10.11607/jomi.3293

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