Wirtschaftsnachrichten für Zahnärzte | DENTAL & WIRTSCHAFT
Patienteninformation

„Guten Tag, warum sind Sie heute bei uns? Wie kann ich Ihnen helfen?“„Knick-Knirsch-Ziep-Knack! Knick-Knack!“ So oder so ähnlich lautet oft die Beschreibung der Symptome, die wir als Zahnärzte von Patienten zu hören bekommen. Ich schaue also in den Terminkalender und sehe: Der Patient hat Kiefergelenksbeschwerden als Grund für seinen Besuch angegeben. Merkwürdigerweise wird die Terminkette vom Kalender automatisch in Rot dargestellt. Die Alarmfarbe ist hier durchaus passend.

Das Kiefergelenk ist lebensnotwendig

Das Kiefergelenk ist anatomisch eins der komplexesten Gelenke unseres Körpers, da es uns ermöglicht zu kauen, abzubeißen und zu sprechen. Das Kiefergelenk ist also lebensnotwendig! Diese bewegliche Verbindung zwischen dem Unterkiefer und dem Schläfenbein ist paarig am Kopf und daher ist auch die Schmerzgrenze relativ niedrig, wenn man hier Probleme hat. Kiefergelenksbeschwerden kann man zusammenfassen unter dem Begriff CMD (Craniomandibuläre Dysfunktion). Diese CMD Beschwerden können induziert sein durch Stress, muskulär oder orthopädisch.

Immer mehr Patienten kommen mit der Problematik einer CMD in unsere Praxen. Sie beklagen sich über Schmerzen im Nackenbereich, Kopfschmerzen und Geräusche im Ohr. Bei vielen Krankheitssymptomen liegt eine Funktionsstörung des Kiefers vor.

Bei Beschwerden wie diesen ist es am wichtigsten, dem Patienten zuzuhören und herauszufinden, was hinter all dem stecken kann. Meistens haben Sie schon eine Odyssee von Arzt zu Arzt ohne Hoffnung auf Verbesserung hinter sich.

Wie kann man dem Patienten helfen? Durch eine zahnärztliche Funktionstherapie mit Aufbisschienen oder Kieferorthopädie und am Ende noch eine Bisskorrektur mit Bisserhöhung?

Ist die Bisshöhe ein wichtiger Faktor?

Meist ist es so, dass Patienten Jahre, nach dem Sie Zahnersatz erhalten haben oder auch durch nicht behandeltes Knirschen einen starken Verlust der Bisshöhe vorweisen. Die Kontaktsituation im Mund verändert sich und eine Kompensation durch die Muskulatur tritt ein.

Wenn man diesen Zustand über Jahre hinweg kompensiert und den Muskel adaptieren lässt, gibt es einen Tag X an dem das System kollabiert.

Gibt es dann noch Abhilfe?

Ja, diese gibt es mit etwas Geduld. Das Anfertigen einer speziellen Schiene in entsprechender Bisslage mit anschließenden Einschleifterminen ist der erste Schritt.

Weiterhin gibt es die Möglichkeit, mit einer TENS Therapie begleitend zu arbeiten. Die Muskulatur muss entspannt und eine Reizweiterleitung des Schmerzes unterbrochen werden. Somit entkoppelt sich das Kauorgan mit seinen Beschwerden vom Hirn.

Ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit wichtig?

Auf jeden Fall ist es von entscheidender Bedeutung, dass man als Zahnarzt nicht denkt, derartige Problemfälle allein lösen zu können. In Zusammenarbeit mit Kieferorthopäden, Physiotherapeuten und Osteopathen, sowie manchmal auch Psychologen, kann man ganzheitlich helfen.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass CMD durch vieles ausgelöst werden und plötzlich zum Knall und zu massiven Schmerzen führen kann. Daher unsere Empfehlung: Regelmäßig zum Zahnarzt gehen, Sport treiben, einen Ausgleich im alltäglichen stressigen Leben finden und immer die Ruhe und Gelassenheit bewahren.

*Unsere Kolumnistinnen: Dr. Juliane Becker ist Zahnärztin und hat 2018 eine Bestandspraxis in Dießen am Ammersee übernommen. Dr. Schamiem Stumpfe ist Kieferorthopädin und hat seit Dezember 2019 ihre kieferorthopädische Praxis in Starnberg.