Wirtschaftsnachrichten für Zahnärzte | DENTAL & WIRTSCHAFT
Vorsorge & Finanzen

Wichtig ist: Je besser Sie sich an den Plan halten, desto größer sind Ihre Erfolgschancen. Das Gleiche gilt, wenn Sie sich strikt an einen Ernährungs- und Trainingsplan halten, den Ihnen ein Fitnesstrainer erstellt
hat. Auch hier erhöhen Sie mit Konsequenz Ihre Chancen, die gesteckten Ziele zu erreichen.

Schritt 1: Ihre Risikobereitschaft entscheidet über Gewinn und Verlust

Konservativ oder risikobereit? Um diese Frage zu beantworten, sollte man die eigene Lebensplanung einbeziehen: Was ist das konkrete Ziel einer Investition? Ist es die Versorgung im Alter? Oder soll mit dem
Geld in wenigen Jahren eine Investition oder etwa die Ausbildung der Kinder finanziert werden? Vom geplanten Einsatz der finanziellen Mittel hängt es ab, wie lange man das Geld nicht braucht und die Investition laufen kann.

Dazu kommt der Faktor, welchen maximalen Verlust man zwischenzeitlich emotional verkraften kann. Daraus ergibt sich die konkrete Risikotoleranz, welche das Anlageergebnis mitbestimmen wird. Die Höhe
des Risikos eines Portfolios ergibt sich aus dem Verhältnis von risikobehafteten Anlageklassen (Aktien/Rohstoffe), zu risikoarmen Anlageklassen (Anleihen/Geldmarkt).

Mehr Risiko, mehr Rendite in der Geldanlage

Je mehr Risikoanteil man wählt, umso höher kann die langfristige Rendite ausfallen. In der Tabelle unten sehen Sie, in welchem Verhältnis Risiko und Chance erfahrungsgemäß zueinanderstehen. Die Tabelle ist natürlich nur ein Anhaltspunkt, es handelt sich um eine statistische Vergangenheitsbetrachtung, die zeigt, wie unter Berücksichtigung des maximalen geschätzten jährlichen Verlustes und des Anlagehorizonts das Mischverhältnis aus weltweiten Aktien und sicheren, risikoarmen Staatsanleihen aussehen könnte.

Darstellung, wie Risiko und Chance einer Geldanlage erfahrungsgemäß im Verhältnis zueinanderstehen. Grafik: D. Horvat

Schritt 2: Legen Sie Ihre gewünschten Anlageklassen und die Struktur fest

Nehmen wir an, die Hälfte des Geldes soll in risikobehaftete Anlageklassen investiert werden. In der Umsetzung muss man sich entscheiden, wie das Portfolio geographisch gewichtet werden soll. Zu
empfehlen ist ein weltweiter Aufbau des Portfolios. Zu berücksichtigen sind in dieser Streuung Nordamerika und Kanada, die Schwellenländer Südamerikas, China, Indien, Europa, Japan und die Pazifik-Region mit Australien, Neuseeland, Hongkong und Singapur.

Länderwahl

Die Gewichtung der einzelnen Länder erfolgt entweder auf Basis der Marktkapitalisierung [1] (Börsenkapitalisierung) oder auf Basis des Bruttoinlandsproduktes der Länder (Produktivität). Ist die Länderallokation [2] gewichtet, müssen im nächsten Schritt die Risikofaktoren bestimmt werden, die für die langfristige Rendite verantwortlich sind.

Große und kleine Unternehmen

Kleine Aktienunternehmen (Small Cap) haben eine höhe zu erwartende Rendite als große Unternehmen
(Large Cap) und preiswerte Unternehmen (Value) haben eine höhere Rendite als Wachstumswerte (Growth). Solche langfristigen Renditetreiber sollten anteilig im Portfolio erfasst werden.

Die anderen 50 % des Kapitals sollten so investiert werden, dass das Portfolio gegen hohe Verluste abgesichert ist, d. h. in kurzlaufende Staats- und Unternehmensanleihen mit hoher Bonität. Im Ergebnis hat man ein breitgestreutes „Weltportfolio“ als Grundgerüst geschaffen.

Schritt 3: So wählen Sie die richtigen Marktindizes aus

Statt dieses Weltportfolio mit einer Vielzahl von Einzelaktien und Anleihen auszustatten, bietet es sich an, in Indizes (= Wertpapierkorb) zu investieren, die einen ganzen Markt repräsentieren. So basiert beispielsweise der S&P 500 auf den 500 größten Unternehmen der USA. Der Index bildet die
Wertentwicklung dieses Marktes nach und dient Anlegern oder Fondsmanagern als Vergleichsmaßstab.

Indizes auf Länder und auf unterschiedliche Firmengrößen

Solche Indizes gibt es auf Aktien, Anleihen, Rohstoffe und spezielle Sektoren, Branchen etc. In unserem Beispiel würde sich z. B. neben dem USA-Index, ein Index auf Schwellenländer-, Europa-, Japan- und Pazifik-Aktien sowie auf Small-Cap- und Value-Aktien anbieten.

Für den risikoarmen Teil sind Anleihen-Indizes auf europäische Staats- und Unternehmensanleihen ratsam.

Schritt 4: Wählen Sie das richtige Finanzinstrument

Im nächsten Schritt wählt der Anleger die passenden Produkte (Instrumente), um das Weltportfolio umzusetzen. Aktiv gemanagte Fondslösungen auf diverse Länder, Sektoren etc. sind eine vermeintlich
einfache Lösung. Mischfonds nehmen eine Streuung auf einzelne Länder und eine Aufteilung zwischen Aktien und Anleihen vor.

Allerdings verursachen Fondsmanager durch ihre hohen Aktivitäten enorme Kosten und bleiben am Ende in der Regel deutlich unter der Rendite des Vergleichsmarktes (Index).

Über ETFs in Indexfonds investieren

In den Index selbst kann man sein Geld nicht anlegen, aber in einen börsengehandelten Indexfonds (ETF), der sich an diesem Index orientiert. Der Vorteil dabei ist, dass der ETF keine Kosten durch Fondsmanager erzeugt und dem Anleger somit einen günstigen Zugang zum Kapitalmarkt gewährt. Ein ETF auf den
amerikanischen S&P 500 Index kostet z. B. 0,07 % pro Jahr, was bei 10.000 Euro Anlagesumme 7 Euro Kosten pro Jahr verursacht.

Dem Anleger stehen in Deutschland aktuell weit über 2.000 ETFs zur Verfügung. Um ein Weltportfolio perfekt konstruieren zu können, braucht man ca. 6 bis 10 ETFs, jeweils für die gewählten Länder und Sektoren.

Bei der Auswahl der ETFs müssen Anleger allerdings auf diverse Kriterien achten: Neben
den Kosten sind auf die Größe, die Replikationsmethode, Währung, Ausschüttung etc. zu achten. Wie ein Weltportfolio aussehen könnte, zeigt die Tabelle auf der nächsten Seite. Im Ergebnis erzielt der Anleger
eine maximale Streuung seines Vermögens bei geringen Verwaltungsgebühren. Diese liegen bei ca. 0,19 % pro Jahr; das sind bei 100.000 Euro 190 Euro pro Jahr laufende Gebühren.

Beispiel eines Wertportfolios aus ETF und risikoärmeren Anleihen. Grafik: D. Horvat

Schritt 5: Kaufen Sie Ihr Weltportfolio

Um das Weltportfolio zu kaufen, benötigt man eine Depotbank. Hier haben sich günstige Direktbanken bewährt, wie comdirect, Scalable, Diba etc., die durch ihre günstigen Bewirtschaftungskosten punkten.

Kosten berechnen

Wenn Sie ETFs kaufen, entstehen Transaktionsgebühren wie beim Kauf jedes anderen Wertpapiers auch.
Online-Broker bieten in der Regel zwei Modelle an: variable Kosten oder Flat-Preis. Bei einem variablen
Modell zahlen Sie als Anleger pro Order einen Fixbetrag von z. B. 5 Euro und zusätzlich noch einen prozentualen Anteil, wie etwa 0,25 Prozent des Ordervolumens. Bei einem Flat-Preis werden beispielsweise nur 5 Euro pro Order zuzüglich Fremdspesen fällig.

Bei einem höheren Kapitaleinsatz fallen die Transaktionskosten folglich nicht mehr so ins Gewicht. Als Faustregel haben sich akzeptable Transaktionskosten von etwa 1 Prozent pro Order für ein Volumen von etwa 1.000 Euro bei Aktien und ETFs etabliert.

Schritt 6: Diszipliniertes Rebalancing

Fondsmanager und Vermögensverwalter werden dafür bezahlt, dass sie durch geschicktes Market-Timing [3] und Stock-Picking [4] eine Überrendite gegenüber dem Markt erzielen.

Leider belegen jährliche Studien, dass es nur den wenigsten gelingt, dies umzusetzen. Sie bleiben nach
Kosten deutlich unter der Marktrendite und erwirtschaften für Anleger kaum einen nennenswerten Mehrwert.

Portfolio regelmäßig auf die erfolgte Risikogewichtung prüfen

Das Weltportfolio benötigt dagegen so gut wie kein aktives Eingreifen, denn man will als Anleger die weltweite Marktrendite bei möglichst geringen Kosten erzielen. Allerdings wird sich die Risikogewichtung aufgrund von Marktbewegungen verschieben. Steigt z. B. der Aktienanteil innerhalb eines Jahres, so stimmt dieser nicht mehr mit der vorher festgelegten Risikobereitschaft überein. Somit muss man als Anleger ein jährliches Rebalancing des Portfolios vornehmen.

Dabei werden die Anlageklassen, die stark an Wert gewonnen haben, anteilig verkauft und Anlageklassen, die an Wert verloren haben, zugekauft. Diszipliniertes Rebalancing reduziert langfristig somit die Risiken und erhöht die Renditechancen.

Erfolgreiche Geldanlage: Das Schwierigste kommt zum Schluss

Allerdings gibt es einen Haken bei dieser Art des Investierens. So leicht die Vorgehensweise auch klingen mag, so schwierig ist es, über Jahrzehnte diszipliniert in einem Portfolio zu bleiben. Viele Studien haben bereits belegt, dass Anleger mit einem selbstgebauten ETF-Portfolio am Ende schlechter abgeschnitten haben als Anleger ohne ETFs.

Der Grund: Privatanleger haben ETFs für aktive Anlagestrategien missbraucht, wurden also zum aktiven Fondsmanager. Hier erfahren Sie alles über die drei entscheidenden Fehler der Geldanlagestrategie.
Nur wer diese „Fehler“ umgeht, wird am Ende eine positive Investmenterfahrung machen.

Anmerkungen
[1] Marktkapitalisierung eines Landes ist dabei als der Gesamtwert der in diesem Land an der Börse gehandelten Unternehmen zu verstehen.
[2] Länderallokation: Verteilung des Vermögens auf die verschiedenen Länderdomizile.
[3] Market-Timing: Eine Anlagestrategie, die versucht, durch die Bestimmung günstiger Zeitpunkte für den Ein- und Ausstieg bei einem Wertpapier einen Ertrag zu erzielen.
[4] Stock-Picking: Eine Anlagestrategie, die darauf basiert, Aktien zu erwerben, die sich besser entwickeln als der Gesamtmarkt.

(c) Davor Horvat

Unser Autor:
* Davor Horvat ist Gründer und Vorstand der Honorarfinanz AG. Als Finanzfachwirt (FH) ist er seit 1995 in der Finanzbranche tätig und berät Kunden als unabhängiger Honorarberater. Er ist Autor des Buches „Finanzprophylaxe – Finanzstrategie für Zahnärzte“. www.honorarfinanz-ag.de