Wirtschaftsnachrichten für Zahnärzte | DENTAL & WIRTSCHAFT
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Röntgenaufnahmen gehören in der Zahnarztpraxis zum Alltag. Ob Kariesdiagnostik, Parodontitis-Kontrolle oder Implantologie – ohne technisch einwandfreie Bilder sind verlässliche Befunde kaum möglich. Umso alarmierender ist das Ergebnis des aktuellen TÜV Röntgenreports 2026: In der Dentalmedizin weist jede sechste geprüfte Röntgeneinrichtung Mängel auf. Die Mängelquote liegt bei 16 Prozent – und damit wieder auf dem Niveau von 2022.

Was die Zahlen konkret bedeuten

Die TÜV-Sachverständigen prüften bundesweit 8.144 dentalmedizinische Röntgenanlagen und stellten an 1.333 Geräten insgesamt 1.748 Mängel fest. Die Dentalmedizin stellt damit die größte Gerätegruppe aller geprüften Bereiche dar.

Die Mängel verteilen sich wie folgt: 49 Prozent der Beanstandungen sind „erheblich„, sie müssen zeitnah von Fachpersonal behoben werden. 16 Prozent gelten als „schwerwiegend“: Diese Geräte dürfen bis zur Behebung des Mangels und einer erneuten Prüfung grundsätzlich nicht weiter betrieben werden. Schwerwiegende Mängel umfassen etwa überhöhte Strahlendosen, mangelhafte Strahlfeldbegrenzung oder fehlende Bildqualität. 35 Prozent der Mängel sind „geringfügig" und können von den Betreibern selbst behoben werden.

Speicherfolien als unterschätztes Risiko

Ein Befund, der den Praxisalltag direkt betrifft: Viele Mängel betreffen die Bildgebung selbst. Beschädigte oder unzureichend geprüfte Speicherfolien – mit Kratzern, Knicken oder Verschmutzungen – erzeugen Artefakte auf Röntgenbildern und können die Befundung verfälschen oder erschweren. „In der Dentalmedizin ist eine verlässliche Diagnose nur anhand technisch einwandfreier Bilder möglich", betont Dr. Alexander Schröer, Strahlenschutzexperte des TÜV-Verbands.

Für Praxismitarbeiter, die täglich Röntgenaufnahmen anfertigen und Speicherfolien handhaben, ist das ein konkreter Hinweis: Regelmäßige Sichtkontrollen der Folien sind kein Nice-to-have, sondern ein entscheidender Qualitätsfaktor. Mit dem zunehmenden Einsatz von KI in der Bildauswertung wird die Ausgangsqualität der Aufnahmen noch bedeutsamer: Artefakte können automatisierte Auswertungen verfälschen und die diagnostische Sicherheit beeinträchtigen.

Strahlenschutz: Lücken bei Dosisindikatoren und Schutzmitteln

Neben der Bildqualität zeigt der Report Schwachstellen im Strahlenschutz. Fehlerhafte oder fehlende Dosisindikatoren erschweren die Kontrolle der Strahlenexposition. Mängel bei Patientenschutzmitteln wie Bleischürzen setzen Patienten unnötiger Strahlung aus. Fehlerhafte Expositionsparameter erschweren die Nachvollziehbarkeit der Strahlenbelastung und beeinträchtigen die optimale Geräteeinstellung. „Strahlenschutz ist Voraussetzung für den sicheren Einsatz von Röntgentechnik„, sagt Schröer. „Röntgen ist nur dann sinnvoll, wenn der Nutzen klar überwiegt und Risiken konsequent minimiert werden.“

Unabhängige Prüfungen als Qualitätssicherung

Insgesamt wurden im Rahmen des TÜV Röntgenreports 2026 bundesweit 15.333 Röntgengeräte aller Bereiche geprüft. Die Gesamtmängelquote liegt bei 13 Prozent – ein Prozentpunkt mehr als im Vorjahr. Der TÜV-Verband fordert mehr Qualifizierungsangebote für Betreiber und Servicefirmen sowie einheitlichere Standards bei der Umsetzung regulatorischer Vorgaben zwischen Bund und Ländern.