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Zahnmedizin
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Hintergrund

Schmelzmatrixproteine (SMP) werden seit mittlerweile 30 Jahren in der chirurgisch orientierten Zahnmedizin eingesetzt. In Deutschland sind sie kommerziell erhältlich in Form von Straumann®-Emdogain® (EMD, StraumannGroup, Basel, Schweiz). Die erste wissenschaftlich geprüfte Indikation bestand in der Förderung der Regeneration, des durch parodontale Entzündungsreaktionen abgebauten Zahnhalteapparates, im Rahmen chirurgischer Eingriffe.

Ging man anfangs davon aus, dass die als Hauptbestandteile wirksamen sogenannten Amelogenine, mehr oder weniger solitär auf die Bildung des azellulären Fremdfaserzementes und des entsprechenden Faserapparates während der Zahnentwicklung wirken, zeigen aktuelle Forschungsergebnisse vielfältige Effekte auf eine breite Palette unterschiedlicher Zellen. Darüber hinaus zeigen Studien die Expression entsprechender Gene in verschiedenen Zellen bzw. Organen, auch ausserhalb der Mundhöhle. Diese Erkenntnisse führten in den letzten Jahren zu einer Erweiterung des Indikationsspektrums. So werden SMP/EMD unter anderem auch von einigen Kollegen in der – oftmals recht herausfordernden – Periimplantitis-Therapie eingesetzt. Eine aktuelle Übersicht hat die verfügbaren Daten dazu einmal analysiert.

Methodik

Die Ergebnisse zum potenziellen Nutzen einer adjuvanten Verwendung von SMP/EMD in der Periimplantitis-Therapie wurden von einer koreanischen Arbeitsgruppe zusammengetragen. Es wurde ein systematischer Review entsprechend der aktuellen Qualitätsstandards konzipiert. Die Autoren suchten gezielt nach Randomisierten kontrollierten Studien (RCT), die SMP/EMD im Rahmen chirurgischer oder nicht-chirurgischer Periimplantitis-Therapie im Vergleich zu einer Kontrolle eingesetzt haben. Stichtag für einen möglichen Einschluss war die Publikation bis zum 30. November 2024.

Ergebnisse

Die Forscher konnten fünf Studien, darunter drei Studien zur chirurgischen und zwei zur nicht-chirurgischen Periimplantitis-Therapie, mit einem Nachbeobachtungszeitraum von drei Monaten bis fünf Jahren einschließen. Die Arbeiten kamen aus verschiedenen Ländern und Arbeitsgruppen, wiesen einige Unterschiede im Studiendesign aber ein eher geringes Risiko für systematische Verzerrungen auf. Insgesamt standen die Daten von 167 therapierten Patienten nach der jeweils maximalen Studiendauer zur Auswertung zur Verfügung. Es wurden verschiedene Metaanalysen differenziert nach Studien-dauer und Art der Therapie durchgeführt. Analysiert wurden die Studienendpunkte Sondierungstiefenreduktion, marginaler Knochengewinn und Veränderungen hinsichtlich des Blutens auf Sondieren. Die vielfältigen Analysen zeigen positive Trends hinsichtlich Vorteile der SMP/EMD-Verwendung auf. Statistisch signifikante Unterschiede bestanden zwischen Test und Kontrolle aber eher nicht.    

Klinische Schlussfolgerungen

Für die Therapie periimplantärer entzündlicher Läsionen existieren zahlreiche klinische Protokolle, unter anderem auch mit adjuvanter SMP/EMD-Verwendung. Ihr Einsatz in diesem Kontext ist biochemisch durch die differenzierten Effekte von SMP auf zahlreiche Entzündungsparameter und die vielschichtige Regulation der Geweberegeneration, inklusive des Knochenstoffwechsels, gut nachvollziehbar. 

Diese Fähigkeiten werden mittlerweile klinisch und wissenschaftlich – auch außerhalb der Zahnmedizin – gut bestätigt, vor allem hinsichtlich der Förderung der (frühen) Wundheilung nach parodontologischen und implantologischen Eingriffen mit Erfolg genutzt. Dies unter anderem auch bei Patienten mit erwartbarer eingeschränkter Wundheilung. Der wesentliche Effekt scheint dabei vor allem im SMP-Einfluss auf Blutgefäße, die entsprechenden Zellen und die Angiogenese zu liegen. Die Bildung neuer Blutgefäße ist ein Schlüsselvorgang im Rahmen der komplexen Vorgänge der Wundheilung.    

Die hier vorliegenden Metaanalysen reflektieren auf eine noch sehr kleine Anzahl und auch nur sehr vorsichtig vergleichbarer Studien zur chirurgischen oder nicht-chirurgischen Periimplantitis-Therapie. Sie zeigen einige interessante Potentiale von SMP/EMD bezüglich relevanter klinisch-radiologischer Parameter, nach mittleren Beobachtungszeiträumen. Das sollte in klinischen Untersuchungen, idealerweise mit etablierten therapeutischen Protokollen und längeren Laufzeiten, auch weiterverfolgt werden.    

Quelle:

Song HJ, Jang KJ, Han SH, Kim NJ, Park WJ, Park JB. Evaluation of Long-Term Outcomes of Enamel Matrix Deri-vative in the Treatment of Peri-Implant Disease: A Systema-tic Review and Meta-Analysis. Bioengineering (Basel). 2025 Nov 25;12(12):1296. x

Prof. Dr. Clemens Walter

Prof. Dr. med. dent. Clemens Walter

Abteilung für Parodontologie, Oralmedizin und Oralchirurgie Charité Centrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
Prof. Dr. med. dent. Clemens Walter erhielt seine Approbation im Jahr 2000. Von 2001 bis 2003 absolvierte er das Postgraduiertenprogramm in Parodontologie und Implantologie an der Charité Berlin. Die Promotion erfolgte 2005. Von 2010 bis 2021 war er Leiter des Weiterbildungsprogrammes Parodontologie an der Universität Basel, wo er 2012 habilitierte. 2016 wurde er Außerordentlicher Professor an der Universität Basel, 2021 übernahm er den Lehrstuhl für Zahnerhaltung, Parodontologie, Endodontologie, Präventive Zahnmedizin und Kinderzahnheilkunde, Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Universitätsmedizin Greifswald. Prof. Walter arbeitet in der Zahnarztpraxis Asta Fritzke in Greifswald und ist als Titularprofessor an der Abteilung für Parodontologie, Orale Medizin und Orale Chirurgie, Charité-Universitätsmedizin Berlin tätig. Foto: privat
Aßmannshauser Straße 4–6
14197 Berlin
DVT regio 46, ausgeprägter mesialer und distaler periimplantärer Knochendefekt

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