Wirtschaftsnachrichten für Zahnärzte | DENTAL & WIRTSCHAFT
Praxis

Muskelschmerzen beim Kauen oder selbst in Ruhe, Zahnschmerzen oder Kopf- und Nackenschmerzen, ausgelöst von Triggerpunkten: Die Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) lag allzu lange Zeit unter dem Radar der Zahnmedizin. Dabei ermöglicht eine frühzeitig erkannte und umfassend behandelte CMD eine spürbare Linderung für die betroffenen Patientinnen und Patienten. Außerdem stellt die CMD-Therapie für Zahnärzte eine effektive Möglichkeit dar, vor allem Neupatienten von sich zu überzeugen und dauerhaft für die eigene Praxis zu gewinnen, sofern sie nicht bereits von einem anderen Zahnarzt überwiesen wurden.

CMD-Therapie als Chance, wenn klassische Behandlungsfelder schrumpfen

Die CMD-Therapie wird neben der Kieferorthopädie, Prophylaxe, der Parodontologie und Ästhetik dauerhaft zukunftsfähig sein, auch wenn die Mundgesundheit immer besser wird, kariöse Läsionen zurückgehen und die Lebenserwartung mit eigenen Zähnen zunimmt. Hinzu kommt, dass das Gesundheitsbewusstsein steigt – Beschwerden beim Kauen, die frühere Generationen von Patienten noch hingenommen hätten, nehmen Menschen heutzutage bewusster wahr.

Die Patientengruppe für Chirurgie, Endodontie, konservierende und prothetische Zahnheilkunde sowie Implantologie wird dagegen immer kleiner. Gerade vor diesem Hintergrund ist die CMD-Therapie ein wichtiger Bestandteil der Zahnmedizin der Zukunft.

CMD-Patienten werden häufig überwiesen

Neben der klassischen Empfehlung oder der Internetpräsenz der Praxis ist bei CMD-Patienten häufig die Überweisung ein Grund für die Erstterminvereinbarung: Ärztinnen und Ärzte aus der Orthopädie, HNO oder Neurologie überweisen die Betroffenen an Zahnarztpraxen mit CMD-Spezialisierung.

Auch physiotherapeutische Praxen empfehlen ihren Patienten mit entsprechenden Symptomen eine CMD-Diagnostik.

Lohnend für das Portfolio der Zahnarztpraxis

Ökonomisch sind CMD-Therapien für die Zahnarztpraxis lohnend, da es sich dabei überwiegend um Privatbehandlungen handelt, die somit keiner Budgetierung unterliegen. Die nachweislich wirkungsvolle Funktionstherapie ist nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen enthalten. Einzig die einfache Aufbiss-Schiene ohne Funktionsanalyse oder Kiefervermessung – und somit ohne Diagnosebezug – wird von den gesetzlichen Kassen übernommen. Diese wird jedoch bei einer diagnosegerechten Funktionstherapie äußerst selten verwendet.

Erstgespräch für die CMD-Therapie legt Grundlage für dauerhaftes Vertrauensverhältnis

Eine erfolgreiche CMD-Therapie bietet Zahnärzten eine hervorragende Möglichkeit, ein positives Vertrauensverhältnis zu den (neuen) Patienten aufzubauen. Der Grund liegt vor allem im ausführlichen Erstgespräch von rund einer Stunde inklusive ausführlicher manueller Untersuchung. Diese Zeit braucht man meiner Erfahrung nach, da dieser Termin neben der funktionsanalytischen Untersuchung auch schon erste Anleitungen zu Selbsthilfemaßnahmen enthalten sollte.

Die Zeit, die wir uns nehmen, und die für Patienten meist ungewöhnliche Untersuchung des Kiefers und des Kaubewegungsapparates sorgen in der Regel für eine hohe Compliance im Laufe der folgenden CMD-Therapie.

Initialbehandlung und Zusatzindikationen

Die noninvasive Initialtherapie ist sehr reklamationsarm. Im Laufe der Initialtherapie lassen sich zudem „Problempatienten“ erkennen bzw. weitere, eventuell notwendige invasive Folgebehandlungen selektieren. Besonders eventuelle Bisshebungen bzw. restaurativ-prothetischen Maßnahmen sind ökonomisch interessant und erreichen schnell hohe Umsätze.

Aufwand des Zahnarztes für eine CMD-Therapie

Der Aufwand für eine CMD-Diagnostik und eine dreimonatige Initialtherapie liegt für Zahnärzte bei rund vier Stunden Nettobehandlungszeit mit entsprechendem Honorar: für die Erstuntersuchung, vier bis sechs Schienenkontrollen und gegebenenfalls Triggerpunkt-Therapie, Akupunktur, sowie für eine Abschlussuntersuchung.

Davon nimmt die Diagnostik rund 1,5 Stunden und die Abschlussuntersuchung mit Besprechung der eventuell notwendigen Weiterbehandlung zirka 45 Minuten in Anspruch.

Die Weiterbehandlung kann je nach Befund vom weiteren nächtlichen Tragen der Aufbiss-Schiene mit vierteljährlichen Schienenkontrollen, über Botox-Injektionen in die Kaumuskulatur bis hin zu kieferorthopädisch-restaurativ-prothetischen Rehabilitationen reichen.

Zur Abrechnung einer CMD-Therapie und -Diagnostik lesen Sie diesen Beitrag:
Funktionsdiagnostik in der Abrechnung: Basiswissen für die Zahnarztpraxis

Investment der Praxis für das CMD-Angebot

Um zukünftig CMD-Therapien anbieten zu können, gehören zum Investment der Zahnarztpraxis die Weiterbildung für den Zahnarzt, die Anschaffung von Soft- und Hardware für die computergestützte Funktionsanalyse und die Schulung der Praxismitarbeiter, die der Zahnarzt in der Regel selber übernehmen kann.

Foto: (c) Hamdi Kent

Unser Autor:
* Dr. med. dent. Hamdi Kent ist nach seinem Studium der Zahnmedizin an der Universität Erlangen seit 1994 als Zahnarzt tätig und leitet seit 1997 die Privatpraxis Dr. Kent & Kollegen für Zahnmedizin in Bochum. Seine Tätigkeitsschwerpunkte sind neben der Behandlung von CMD-Funktionsstörungen der Kiefergelenke die minimalinvasive ästhetische Zahnheilkunde sowie hochwertiger Zahnersatz.
www.dr-kent.de