Wirtschaftsnachrichten für Zahnärzte | DENTAL & WIRTSCHAFT
Abrechnung
Inhaltsverzeichnis

Der langfristige Erfolg implantologischer Maßnahmen ist maßgeblich von einer sorgfältigen präimplantologischen Diagnostik und Planung abhängig. Diese dient nicht nur der medizinischen Risikoabschätzung und Therapieplanung, sondern bildet zugleich die Grundlage für eine rechtssichere Dokumentation und eine korrekte Abrechnung der erbrachten Leistungen.

Insbesondere vor dem Hintergrund zunehmender digitaler Planungsverfahren, dreidimensionaler Bildgebung und navigierter Implantationskonzepte gewinnt die strukturierte Diagnostik weiter an Bedeutung.

Der vorliegende Beitrag beleuchtet die präimplantologische Diagnostik mit Fokus auf bildgebende Verfahren, digitale Planungsprozesse sowie deren abrechnungsrelevante Aspekte.

Zielsetzung der präimplantologischen Diagnostik

Ziel der präimplantologischen Diagnostik ist es, alle anatomischen, funktionellen und systemischen Voraussetzungen für eine sichere Implantation zu erfassen. Dazu zählen insbesondere:

  • Beurteilung des vorhandenen Knochenangebots (Höhe, Breite, Qualität)

  • Identifikation anatomischer Risikostrukturen (z.B. Nervus alveolaris inferior, Kieferhöhle, Nachbarzähne)

  • Einschätzung des Weichgewebes

  • Erkennung systemischer oder lokaler Risikofaktoren

  • Grundlage für die Auswahl des Implantatsystems, Durchmesser und Länge sowie der chirurgischen Technik

  • Vorbereitung einer möglichen augmentativen Maßnahme.

Diese diagnostischen Schritte sind nicht nur medizinisch erforderlich, sondern auch im Hinblick auf die Leistungslegitimation und Abrechenbarkeit essenziell.

Bildgebende Verfahren in der präimplantologischen Diagnostik

Eines der wichtigsten Tools in der präimplantologischen Diagnostik und Planung sind die bildgebenden Verfahren. Hier wird in der Hauptsache zwischen zwei Arten unterschieden - die konventionelle und die dreidimensionale Röntgendiagnostik.

Konventionelle Röntgendiagnostik

Zu den Basismaßnahmen der präimplantologischen Diagnostik zählen weiterhin konventionelle Röntgenaufnahmen wie:

  • Zahnfilmaufnahmen

  • Orthopantomogramm (OPG) (bevorzugt)

Diese liefern erste Hinweise auf Knochenhöhe, Nachbarstrukturen und pathologische Veränderungen. Ihre Aussagekraft ist jedoch insbesondere hinsichtlich der vestibulo-oralen Knochendimensionen begrenzt.

Dreidimensionale Bildgebung (DVT)

Die digitale Volumentomographie (DVT) stellt heute den Goldstandard der präimplantologischen Diagnostik dar, insbesondere bei komplexen anatomischen Situationen oder geplanter Augmentation.

Die DVT ermöglicht:

  • dreidimensionale Beurteilung des Knochenvolumens

  • exakte Darstellung anatomischer Strukturen

  • Planung der Implantatposition und Größe in allen Ebenen

  • Reduktion intraoperativer Risiken.

Auch forensisch ist es empfehlenswert, wenn möglich, eine dreidimensionale Diagnostik durchzuführen. Es ist ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass in einem möglichen Schadensfall eine Unterlassung - dort wo diese Technik möglich ist - rechtlich nicht vertretbar ist.

Ein Behandler wird sich von einem Gericht gegebenenfalls fragen lassen müssen, warum er vorab keine weiterführenden diagnostischen Maßnahmen ergriffen hat. Hierzu gibt es bereits diverse Urteile, die das unterstützen.

Digitale Implantationsplanung und navigierte Verfahren

Auf Basis der dreidimensionalen Bildgebung erfolgt zunehmend eine digitale Implantationsplanung. Hierbei werden DVT-Daten mit intraoralen Scans oder Modellscans kombiniert, um eine prothetisch orientierte Planung zu ermöglichen. Vorteile der navigierten Planung:

  • präzise Festlegung von Implantatposition, -achse und -tiefe

  • Verbesserung der chirurgischen Sicherheit

  • Optimierung des prothetischen Ergebnisses

  • Reduktion operativer Komplikationen.

Die Planung kann in statische (Bohrschablonen) und dynamische Navigationsverfahren (z.B. Falcon® (Straumann), X-Guide® (Nobel Biocare), Navident (Dentingo) u.a.) unterteilt werden.

Abrechnungsübersicht (zzgl. Materialkosten + Fremdkosten)Beispiel für eine dreidimensionale, präimplantologische Diagnostik mittels digitaler Verfahren:

Abrechnungspositionen

 

0010

eingehende Untersuchung

Ä3

eingehende Beratung

analog

CMD-Kurzcheck/ Screening alternativ

8000

klinische Funktionsanalyse

8010

Registrieren der gelenkbezüglichen Zentrallage des Unterkiefers

8020

Arbiträre Scharnierachsenbestimmung    

Ä5004

Panoramaschichtaufnahme der Kiefer

Ä5370

Computergesteuerte Tomographie im Kopfbereich

Ä5377

Zuschlag für computergesteuerte Analyse

9000

Implantatanalyse

0065 * 4

optisch elektronische Abformung

analog

computergestützte Auswertung zur Diagnose/ Planung    

analog

zahnärztlicher Mehraufwand zur Anfertigung einer Bohrschablone

analog

Erstellung von Planungsfotos zu diagnostischen Zwecken    

BEB

Import von DICOM- und/oder STL-Daten    

analog

Okklusionsprotokoll    

BEB

Anlage von Auftragsdaten    

BEB

Datentransfer    

BEB

Modell-OP / virtuelle Implantation mittels 3D-Software

0706

Fotodokumentation    

BEB

Digitale Bissanalyse    

BEB

CAD-Arbeitsmodell * 2

BEB

digitale Artikulation

BEB

CAD-Konstruktion Bohrschablone

BEB

CAM-3D gedruckte Bohrschablone

BEB

Bohrhülsen setzen

6190

beratendes und belehrendes Gespräch zur Vermeidung von Dysfunktionen

Dokumentation als Schnittstelle zwischen Medizin und Abrechnung

Eine lückenlose und strukturierte Dokumentation der präimplantologischen Diagnostik ist zwingend erforderlich. Sie wird bei den dynamischen Systemen zum Teil automatisiert durchgeführt.

Sie dient:

  • der Therapiesicherheit

  • der rechtlichen Absicherung

  • der Nachvollziehbarkeit der geplanten Implantat- und Augmentationsmaßnahmen

  • als Grundlage für eine korrekte Abrechnung.

Fazit

Die präimplantologische Diagnostik ist ein zentraler Bestandteil jeder implantologischen Behandlung. Sie verbindet medizinische Sorgfalt mit wirtschaftlicher und rechtlicher Verantwortung. Moderne bildgebende Verfahren und digitale Planungsmethoden erweitern die diagnostischen Möglichkeiten erheblich, erfordern jedoch zugleich eine präzise Indikationsstellung und Dokumentation, um sowohl medizinisch als auch abrechnungstechnisch korrekt eingesetzt zu werden.

Melanie Diwisch

Melanie Diwisch

Melanie Diwisch ist Geschäftsführerin und Inhaberin von MeDi-Zahn Praxismanagement. Mit 35 Jahren Berufserfahrung im zahnmedizinischen und MKG-chirurgischen Bereich ist sie bundesweit als Referentin zu Abrechnungsthemen unterwegs und führt mit ihrem Team Weiterbildungen durch.

diwisch@medi-zahn.de

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