Präimplantologische Diagnostik und Planung
Melanie DiwischDie Implantologie stellt heute ein etabliertes und hochdifferenziertes Therapieverfahren in der zahnärztlichen Versorgung dar. In diesem Artikel geht es um die präimplantologische Diagnostik sowie ihre Dokumentation und Abrechnung.
Der langfristige Erfolg implantologischer Maßnahmen ist maßgeblich von einer sorgfältigen präimplantologischen Diagnostik und Planung abhängig. Diese dient nicht nur der medizinischen Risikoabschätzung und Therapieplanung, sondern bildet zugleich die Grundlage für eine rechtssichere Dokumentation und eine korrekte Abrechnung der erbrachten Leistungen.
Insbesondere vor dem Hintergrund zunehmender digitaler Planungsverfahren, dreidimensionaler Bildgebung und navigierter Implantationskonzepte gewinnt die strukturierte Diagnostik weiter an Bedeutung.
Der vorliegende Beitrag beleuchtet die präimplantologische Diagnostik mit Fokus auf bildgebende Verfahren, digitale Planungsprozesse sowie deren abrechnungsrelevante Aspekte.
Zielsetzung der präimplantologischen Diagnostik
Ziel der präimplantologischen Diagnostik ist es, alle anatomischen, funktionellen und systemischen Voraussetzungen für eine sichere Implantation zu erfassen. Dazu zählen insbesondere:
Beurteilung des vorhandenen Knochenangebots (Höhe, Breite, Qualität)
Identifikation anatomischer Risikostrukturen (z.B. Nervus alveolaris inferior, Kieferhöhle, Nachbarzähne)
Einschätzung des Weichgewebes
Erkennung systemischer oder lokaler Risikofaktoren
Grundlage für die Auswahl des Implantatsystems, Durchmesser und Länge sowie der chirurgischen Technik
Vorbereitung einer möglichen augmentativen Maßnahme.
Diese diagnostischen Schritte sind nicht nur medizinisch erforderlich, sondern auch im Hinblick auf die Leistungslegitimation und Abrechenbarkeit essenziell.
Bildgebende Verfahren in der präimplantologischen Diagnostik
Eines der wichtigsten Tools in der präimplantologischen Diagnostik und Planung sind die bildgebenden Verfahren. Hier wird in der Hauptsache zwischen zwei Arten unterschieden - die konventionelle und die dreidimensionale Röntgendiagnostik.
Konventionelle Röntgendiagnostik
Zu den Basismaßnahmen der präimplantologischen Diagnostik zählen weiterhin konventionelle Röntgenaufnahmen wie:
Zahnfilmaufnahmen
Orthopantomogramm (OPG) (bevorzugt)
Diese liefern erste Hinweise auf Knochenhöhe, Nachbarstrukturen und pathologische Veränderungen. Ihre Aussagekraft ist jedoch insbesondere hinsichtlich der vestibulo-oralen Knochendimensionen begrenzt.
Dreidimensionale Bildgebung (DVT)
Die digitale Volumentomographie (DVT) stellt heute den Goldstandard der präimplantologischen Diagnostik dar, insbesondere bei komplexen anatomischen Situationen oder geplanter Augmentation.
Die DVT ermöglicht:
dreidimensionale Beurteilung des Knochenvolumens
exakte Darstellung anatomischer Strukturen
Planung der Implantatposition und Größe in allen Ebenen
Reduktion intraoperativer Risiken.
Auch forensisch ist es empfehlenswert, wenn möglich, eine dreidimensionale Diagnostik durchzuführen. Es ist ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass in einem möglichen Schadensfall eine Unterlassung - dort wo diese Technik möglich ist - rechtlich nicht vertretbar ist.
Ein Behandler wird sich von einem Gericht gegebenenfalls fragen lassen müssen, warum er vorab keine weiterführenden diagnostischen Maßnahmen ergriffen hat. Hierzu gibt es bereits diverse Urteile, die das unterstützen.
Digitale Implantationsplanung und navigierte Verfahren
Auf Basis der dreidimensionalen Bildgebung erfolgt zunehmend eine digitale Implantationsplanung. Hierbei werden DVT-Daten mit intraoralen Scans oder Modellscans kombiniert, um eine prothetisch orientierte Planung zu ermöglichen. Vorteile der navigierten Planung:
präzise Festlegung von Implantatposition, -achse und -tiefe
Verbesserung der chirurgischen Sicherheit
Optimierung des prothetischen Ergebnisses
Reduktion operativer Komplikationen.
Die Planung kann in statische (Bohrschablonen) und dynamische Navigationsverfahren (z.B. Falcon® (Straumann), X-Guide® (Nobel Biocare), Navident (Dentingo) u.a.) unterteilt werden.
Abrechnungsübersicht (zzgl. Materialkosten + Fremdkosten)Beispiel für eine dreidimensionale, präimplantologische Diagnostik mittels digitaler Verfahren:
Abrechnungspositionen | |
0010 | eingehende Untersuchung |
Ä3 | eingehende Beratung |
analog | CMD-Kurzcheck/ Screening alternativ |
8000 | klinische Funktionsanalyse |
8010 | Registrieren der gelenkbezüglichen Zentrallage des Unterkiefers |
8020 | Arbiträre Scharnierachsenbestimmung |
Ä5004 | Panoramaschichtaufnahme der Kiefer |
Ä5370 | Computergesteuerte Tomographie im Kopfbereich |
Ä5377 | Zuschlag für computergesteuerte Analyse |
9000 | Implantatanalyse |
0065 * 4 | optisch elektronische Abformung |
analog | computergestützte Auswertung zur Diagnose/ Planung |
analog | zahnärztlicher Mehraufwand zur Anfertigung einer Bohrschablone |
analog | Erstellung von Planungsfotos zu diagnostischen Zwecken |
BEB | Import von DICOM- und/oder STL-Daten |
analog | Okklusionsprotokoll |
BEB | Anlage von Auftragsdaten |
BEB | Datentransfer |
BEB | Modell-OP / virtuelle Implantation mittels 3D-Software |
0706 | Fotodokumentation |
BEB | Digitale Bissanalyse |
BEB | CAD-Arbeitsmodell * 2 |
BEB | digitale Artikulation |
BEB | CAD-Konstruktion Bohrschablone |
BEB | CAM-3D gedruckte Bohrschablone |
BEB | Bohrhülsen setzen |
6190 | beratendes und belehrendes Gespräch zur Vermeidung von Dysfunktionen |
Dokumentation als Schnittstelle zwischen Medizin und Abrechnung
Eine lückenlose und strukturierte Dokumentation der präimplantologischen Diagnostik ist zwingend erforderlich. Sie wird bei den dynamischen Systemen zum Teil automatisiert durchgeführt.
Sie dient:
der Therapiesicherheit
der rechtlichen Absicherung
der Nachvollziehbarkeit der geplanten Implantat- und Augmentationsmaßnahmen
als Grundlage für eine korrekte Abrechnung.
Fazit
Die präimplantologische Diagnostik ist ein zentraler Bestandteil jeder implantologischen Behandlung. Sie verbindet medizinische Sorgfalt mit wirtschaftlicher und rechtlicher Verantwortung. Moderne bildgebende Verfahren und digitale Planungsmethoden erweitern die diagnostischen Möglichkeiten erheblich, erfordern jedoch zugleich eine präzise Indikationsstellung und Dokumentation, um sowohl medizinisch als auch abrechnungstechnisch korrekt eingesetzt zu werden.