3 Fragen an... Markus Heinz, CEO bei Ivoclar Vivadent AG
Carmen BornflethRegelmäßig begrüßen wir Persönlichkeiten aus der Dentalbranche zu einem Kurz-Interview. Heute beantwortet Markus Heinz, CEO bei Ivoclar Vivadent AG, unsere Fragen.
100 Jahre Ivoclar – gleichzeitig verändert sich die Zahnmedizin rasant. Was bedeutet es heute, ein Unternehmen mit dieser Tradition in eine Zukunft zu führen, die von Tempo, Unsicherheit und ständigem Wandel geprägt ist?
100 Jahre Ivoclar stehen für Kontinuität, aber nicht für Stillstand. Unsere Aufgabe ist es, die Stärke eines traditionsreichen Unternehmens mit der Dynamik eines sich schnell verändernden Marktes zu verbinden. Die Rahmenbedingungen werden komplexer: Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, regulatorische Anforderungen und veränderte Patientenerwartungen wirken gleichzeitig auf die Branche ein. Für uns bedeutet Führung deshalb nicht, jedem Trend hinterherzulaufen, sondern Orientierung zu geben und langfristig tragfähige Entscheidungen zu treffen. Innovation muss nicht zuerst kommen – sie muss funktionieren. Als familiengeprägtes Unternehmen denken wir in Generationen und konzentrieren uns darauf, Lösungen zu entwickeln, die unseren Kunden Sicherheit, Stabilität und Vertrauen geben – gerade in Zeiten des Wandels.
Komplexe Regulatorien, Fachkräftemangel, Künstliche Intelligenz und veränderte Patientenerwartungen erhöhen den Druck auf die Branche. Wo setzen Sie an, um aus wachsender Komplexität wieder mehr Einfachheit und Stabilität zu schaffen?
Der Schlüssel liegt darin, Komplexität nicht zu ignorieren, sondern sie intelligent zu managen. Wir sehen unsere Aufgabe darin, Prozesse zu vereinfachen und Workflows so zu gestalten, dass sie im Praxis- und Laboralltag zuverlässig funktionieren.
Dabei denken wir nicht vom einzelnen Produkt aus, sondern vom gesamten Behandlungspfad. Qualität, Effizienz, Wirtschaftlichkeit und Anwenderfreundlichkeit müssen zusammenpassen. Künstliche Intelligenz und digitale Technologien bieten enormes Potenzial, aber nur dann, wenn sie sinnvoll integriert werden.
Unser Ziel ist es, aus vielen Einzelbausteinen einen stabilen Gesamtprozess zu machen, der reproduzierbare Ergebnisse liefert und den Anwender entlastet. Denn Einfachheit entsteht nicht durch weniger Möglichkeiten, sondern durch bessere Integration.
Innovation allein reicht nicht aus. Was muss sich in der Aus- und Weiterbildung von Zahnärztinnen und Zahnärzten verändern, damit neue Technologien und Konzepte tatsächlich in der Praxis ankommen?
Wissen bleibt die Grundlage, aber Wissen allein reicht nicht mehr. Entscheidend ist die Fähigkeit, neue Technologien und Behandlungskonzepte sicher in den Alltag zu übertragen. Deshalb muss Weiterbildung stärker an konkreten Workflows, klinischen Entscheidungen und praktischer Anwendung ausgerichtet sein. Die Frage darf nicht nur lauten: „Was ist neu?“, sondern vor allem: „Wie setze ich es morgen in meiner Praxis oder meinem Labor um?“
Dafür braucht es beispielsweise mehr Hands-on-Formate, digitale Lernangebote, strukturierte Lernpfade und eine enge Zusammenarbeit zwischen den Universitäten, der Industrie und den Anwendern. Innovation entfaltet ihren Wert erst dann, wenn sie reproduzierbar angewendet wird und daraus echte Kompetenz entsteht.