Wirtschaftsnachrichten für Zahnärzte | DENTAL & WIRTSCHAFT
Branchen-News

Sie haben am diesjährigen Odontathon teilgenommen und an der Challenge „Community-Plattform für Zahnärztinnen“ mitgearbeitet. Welche Erwartungen hatten Sie an das Format und welche eigenen Fragestellungen haben Sie für die Challenge mitgebracht?

Ich wollte vor allem auf andere Kolleginnen treffen, die ähnliche Probleme haben und diese angehen wollen. Außerdem wollte ich hören und sehen, ob ich mit bestimmten Einschätzungen allein bin oder ob andere diese ebenfalls für wichtig halten. Besonders interessiert hat mich auch die Frage, wie eine Community-Plattform für Zahnärztinnen funktionieren kann. Was muss sie bieten und wie muss sie aufgebaut sein, damit sich alle dort wohlfühlen? Als Millennial habe ich möglicherweise ganz andere Ansichten als Kolleginnen, die frisch in der Praxis sind oder Kolleginnen, die bereits etwas gestandener sind.

Welchen Schwerpunkt haben sie in der Challenge gelegt?

Uns war vor allem wichtig, die jungen Kolleginnen einzubeziehen, die durch die Corona-Pandemie oftmals keine Verbindung zu den Verbänden aufbauen konnten, die normalerweise für Zahnärztinnen und Zahnärzte da sind und durch die Kontakte geknüpft werden können. So gibt es heute Zahnärztinnen, die bereits im Berufsleben angekommen sind, aber noch kein eigenes Netzwerk haben, um sich untereinander auszutauschen. Oft wissen sie auch nicht, wie sie beispielsweise in einen Erfahrungsaustausch mit Kolleginnen kommen können. Deshalb war es uns wichtig, vor allem eine Plattform für die jüngeren Zahnmedizinerinnen zu schaffen, gleichzeitig aber auch die erfahreneren Kolleginnen einzubinden, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen an die Jüngeren weitergeben können.

Community-Plattform für Zahnärztinnen

48 Stunden lang ging es beim Odontathon 2026 um innovative Lösungen für die wichtigsten Herausforderungen der Dentalbranche. Die Challenge „Community-Plattform für digitalaffine Zahnärztinnen“ griff ein zentrales Thema auf: die Sichtbarkeit weiblicher Perspektiven in der Dentalwelt und die aktive Vernetzung von Zahnärztinnen.

Welche Ergebnisse kamen dabei raus?

Wir haben direkt vor Ort die Betaversion HerDentalHub aufgebaut. Diese beinhaltet bereits verschiedene Angebote: So können Nutzerinnen sich untereinander vernetzen, chatten und Nachrichten austauschen. Außerdem sehen sie auf einen Blick, welche Veranstaltungen in ihrer Region stattfinden und ob bekannte Kolleginnen ebenfalls dort sein werden. Zusätzlich gibt es einen Bereich, in dem Nutzerinnen gezielt nach Kolleginnen suchen können. Und ähnlich wie in den sozialen Netzwerken können sie Bilder oder Texte hochladen. Der
Mehrwert der Plattform soll über Veranstaltungen und Chats hinausgehen, eine regelmäßige Nutzung attraktiv machen und zu einem echten Community-Gefühl führen.

Ist die Plattform bereits gelauncht und sind schon Nutzerinnen angemeldet?

Die Betaversion haben wir bereits gelauncht. Nun möchten wir die Plattform gerne im Vorfeld der Weltleitmesse der Dentalbranche, der IDS 2027 in Köln, als Vollversion veröffentlichen. Die Idee ist, dass sich die Kolleginnen bereits vor der IDS über die Plattform miteinander vernetzen können. So haben sie die Möglichkeit, sich dann auf der IDS persönlich kennenzulernen.

Ist diese neue Plattform künftig auch für Unternehmen interessant?

Ja, wir möchten auch der Industrie die Möglichkeit geben, mit dieser Zielgruppe in den Austausch zu treten. Unternehmen sollen die Chance haben, mit Zahnärztinnen zusammenzuarbeiten, um neue Angebote zu entwickeln oder bestehende Produkte zu verbessern. Über die Plattform können sie mit den Nutzerinnen interagieren, gezielt nach Kooperationspartnerinnen suchen und Einblicke in aktuelle Projekte und Entwicklungen geben.

Welche Rollen spielen Netzwerke und Communitys wie diese Ihrer Meinung nach für Frauen in der Dentalbranche?

Netzwerke und Communitys sind hier besonders wichtig. Ich nehme es so wahr, dass weibliche Kolleginnen vor einer Entscheidung den Austausch mit anderen suchen. Bevor sie sich eine feste Meinung bilden oder eine Kaufentscheidung treffen, gehen sie oftmals ins Gespräch, reflektieren und lösen Fragestellungen oder Problematiken gemeinsam.

Wie sieht es bei Ihnen aus: Hatten Sie vor dem Studium, während des Studiums oder auch jetzt weibliche Vorbilder oder Mentorinnen in der Zahnmedizin?

Ich muss sagen, dass ich kaum weibliche Vorbilder in der Zahnmedizin hatte. Auch während meines Studiums an der Charité gab es vergleichsweise wenige Professorinnen oder Oberärztinnen. Diejenigen, die ich erlebt habe, waren für mich aber durchaus Vorbilder.

Welche strukturellen genderspezifischen Unterschiede erleben Zahnärztinnen in Ausbildung und Berufsstand? Haben Frauen möglicherweise andere Chancen als Männer?

Ich glaube, der große Unterschied besteht auch heute noch darin, dass Frauen viele Lebensentscheidungen sehr früh mit ihrer beruflichen Planung verknüpfen müssen. Zu Beginn des Studiums muss man häufig schon darüber nachdenken, wie die weitere Lebensplanung aussehen soll. Ähnlich ist es nach dem Studium. Wenn ich die Assistenzzeit absolviere und mich dabei frage, ob ich eine eigene Praxis gründen oder einen Master machen möchte, müssen solche Entscheidungen immer auch vor dem Hintergrund einer möglichen Familienplanung betrachtet werden. Wenn ich beispielsweise eine Praxis gründe und dann schwanger werde, kann ich für eine gewisse Zeit nicht behandeln, während die laufenden Kosten weiter bestehen. Das sind Aspekte, die man in die Planung mit einbeziehen muss. Über solche langfristigen Lebens- und Karriereplanungen wird im Studium kaum gesprochen. Dadurch hat man oft das Gefühl, viele Entscheidungen allein treffen zu müssen. In vielen Fällen fehlt eine Ansprechpartnerin oder eine bereits etablierte Kollegin, die ihre Erfahrungen teilt und zeigt, wie bestimmte Wege in der Praxis funktionieren können.

Was müsste Ihrer Meinung nach passieren, damit Frauen nach der Ausbildung oder im Berufsstart schneller in Verantwortung und vor allem Sichtbarkeit kommen?

Vor allem muss man miteinander kommunizieren und aufzeigen, welche Möglichkeiten und Wege es gibt. Wenn junge Kolleginnen stärker miteinander vernetzt sind, können sie sich austauschen und voneinander lernen. Dadurch entsteht auch ein stärkeres Selbstbewusstsein und sie gewinnen Vertrauen, eigene Ziele und Erwartungen klarer zu formulieren. Gleichzeitig sollte jungen Kolleginnen früh gezeigt werden, welche Möglichkeiten es zur Weiterbildung und persönlichen Entwicklung gibt. Dazu gehören Veranstaltungen, auf denen fachliche Inhalte vermittelt werden, aber auch Angebote, die Themen wie Kommunikation, Karriereplanung oder Vernetzung behandeln.

Sie sind Zahnärztin, Gründerin und bewegen sich auch an der Schnittstelle von Dentalausbildung, Digitalisierung und KI. Welche Unterstützung würden Sie sich für Frauen wünschen, von Arbeitgebern, Hochschulen, Verbänden oder auch Unternehmen wie BFS?

Universitäten sollten aktiv versuchen, mehr Kolleginnen zurück an die Hochschulen zu holen und sie auf ihrem Karriereweg stärker zu unterstützen. Wenn Kolleginnen Oberärztinnen werden, sollte man sie auch darin fördern, weitere akademische Schritte zu gehen und beispielsweise Professuren zu übernehmen. Dieser Weg sollte als Möglichkeit stärker sichtbar gemacht werden.

Auch im Praxisalltag sollte man Kolleginnen mehr zutrauen. Ich habe häufig erlebt, dass Zahnärztinnen beim Berufseinstieg etwas zurückhaltender sind und oft nicht mit derselben Selbstverständlichkeit auftreten wie manche männlichen Kollegen. Deshalb ist es wichtig, ihnen Vertrauen entgegenzubringen und zu zeigen, dass man ihnen die Aufgaben zutraut. Statt ihnen direkt etwas abzunehmen, sollte man sie ermutigen, Dinge selbst auszuprobieren und Verantwortung zu übernehmen.

Vonseiten der Industrie würde ich mir mehr Informationsangebote für junge Kolleginnen und Kollegen wünschen. Viele Unternehmen bieten Informationen für Studierende an, doch sobald die Assistenzzeit beginnt, verschwinden viele dieser Angebote. Erst wenn die Assistenzzeit abgeschlossen ist und Themen wie die Niederlassung relevant werden, treten die Unternehmen wieder verstärkt in Erscheinung. Dabei wären gerade in dieser Phase gezielte Orientierungshilfen sinnvoll. Es sind häufig genau diejenigen, die später den Wunsch haben, sich selbstständig zu machen oder eigene Entscheidungen zu treffen.

Was macht für Sie die weibliche Perspektive in der Dentalbranche aus, beispielsweise in der Führung und Teamkultur, aber auch in der Kommunikation mit Patientinnen und Patienten?

Meiner Erfahrung nach stehen bei weiblichen Kolleginnen oftmals soziale Komponenten im Vordergrund. Sie gehen dabei beispielsweise auf die Menschen im Team ein, kennen deren Hintergründe und Bedürfnisse. Sie beschäftigen sich mit Fragen wie: Braucht jemand Unterstützung? Müssen wir miteinander sprechen und gemeinsam Lösungen finden? Fühlt sich die Person im Team wohl? Durch dieses Interesse an der eigenen Person bekommen die Mitarbeitenden ein Gefühl von echter Wertschätzung. Das wirkt sich meiner Erfahrung nach auch positiv auf die Mitarbeitendenbindung aus. Ähnlich ist es im Umgang mit Patientinnen und Patienten: Benötigen sie aufgrund ihrer persönlichen Situation besondere Unterstützung, sind sie häufig darum bemüht, gemeinsam einen Weg zu einer guten gesundheitlichen Versorgung zu finden.

Was würden Sie jungen Frauen mitgeben, die heute in die Dentalbranche starten? Sei es im Studium, in der Praxis, im Labor, in der Industrie oder in der Gründung?

Dass sie selbstbewusst in die Branche hineingehen. Auch wenn sie es vielleicht heute noch nicht so wahrnehmen: Sie sind die Mehrheit der kommenden Generation in der Zahnmedizin. Ihre Stimme ist wichtig und ihre Perspektiven sind wertvoll. Vor allem sollten sie Vertrauen in sich selbst haben. Sie können sehr viel mehr erreichen und bewegen, als sie vielleicht selbst glauben. Deshalb würde ich jungen Frauen mitgeben, mutig zu sein, sich einzubringen und ihren eigenen Weg zu gehen. Ihre Ideen, Erfahrungen und Stimmen werden einen wichtigen Beitrag zur Zukunft der Dentalbranche leisten.

Vielen Dank für das Gespräch.

Über BFS

BFS health finance ist ein deutscher Finanzdienstleister mit Sitz in Dortmund und über 500 Mitarbeitenden. Das Unternehmen bietet neben Factoring auch Consultinglösungen wie Abrechnungsberatung, Prozessoptimierung, externe Abrechnungsservices, Existenzgründungspakete und digitale Services an.

Quelle:

https://meinebfs.de

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