Zahnputzverhalten: Neue Studien zeigen deutliche Defizite trotz regelmäßiger Mundhygiene
Marzena SickingNeue Analysen zeigen: Trotz regelmäßigen Putzens bleibt bei der Mehrheit der Bevölkerung etwa die Hälfte der Zahnfleischränder von Plaque bedeckt. Auch DMS‑6 und Laborstudien bestätigen große Lücken in der Putztechnik.
Regelmäßiges Zähneputzen gehört zu den am konsequentesten ausgeführten Gesundheitsverhalten im Alltag. Dennoch reinigen viele Menschen ihre Zähne nicht ausreichend effektiv – insbesondere am Zahnfleischrand. Das zeigen aktuelle Laborstudien sowie die bevölkerungsrepräsentative Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS‑6), die erstmals das Putzverhalten im großen Maßstab analysiert hat.
Mehrheit putzt regelmäßig – aber nicht wirkungsvoll genug
Laut Prof. Dr. Renate Deinzer, Medizinpsychologin an der Universität Gießen, zeigt die große Mehrheit der Bevölkerung grundsätzlich ein vorbildlich regelmäßiges Putzverhalten. Gleichzeitig erreiche aber ein Großteil beim Zähneputzen keine weitgehende Plaquefreiheit.
Laborstudien mit über 1000 Probandinnen und Probanden zeigen: Selbst nach bestmöglichem Putzen bleibt an etwa der Hälfte der Zähne Plaque am Zahnfleischrand zurück. Dieser Bereich sei vielen Menschen offenbar nicht als besonders wichtig bekannt, so Deinzer. Viele konzentrierten sich weiterhin auf Kauflächen, die in der Kindheit oft im Mittelpunkt der Putzinstruktion stehen.
Unsicherheit bei Innenflächen und fehlende Systematik
Videoanalysen belegen, dass vielen Menschen eine systematische Vorgehensweise fehlt. Mundbereiche werden unregelmäßig gewechselt, Innenflächen werden häufig ausgelassen. Laut Deinzer gelingt vollständige Plaquekontrolle selbst hochmotivierten Personen nur nach gezielter Schulung – etwa durch zahnärztliches Personal. Ohne Anleitung bleiben oft schwer zugängliche Flächen ungeputzt.
Bevölkerungsstudie DMS‑6 bestätigt Laborbefunde
Die DMS‑6 untersuchte erstmals das Zahnputzverhalten repräsentativ auf Bevölkerungsebene. Das Ergebnis deckt sich mit den Laboranalysen:
Über Alters‑, Geschlechts‑ und Bildungsgruppen hinweg bleibt nach gründlichem Putzen etwa die Hälfte der Zahnfleischränder von Plaque bedeckt.
Die Defizite treten sowohl bei Handzahnbürsten als auch bei elektrischen Bürsten auf.
Besonders im Molarenbereich ist die Plaquelast höher.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schließen daraus, dass Verbesserungen der Putztechnik nicht nur einzelne Gruppen, sondern die Gesamtbevölkerung betreffen.
Videoanalyse des Putzverhaltens – KI soll künftig unterstützen
Im Rahmen der DMS‑6 wurden erstmals Videoaufnahmen des Putzverhaltens erstellt. Die Auswertung ist technisch anspruchsvoll: Rund sechs Stunden werden pro Video benötigt. Das Team arbeitet daher an sensorbasierten Zahnbürsten und KI‑gestützten Analysegeräten, um Putzmuster automatisiert erfassen und individuelle Schwachstellen schneller identifizieren zu können.
Konsequenzen für die Praxis: PZR mit gezielter Instruktion
Für Zahnärztinnen, Zahnärzte und Prophylaxeteams ergeben sich konkrete Hinweise:
Vor einer PZR sollten Patientinnen und Patienten idealerweise selbst putzen.
Anschließendes Anfärben macht individuelle Schwachstellen sichtbar.
Instruktionen sollten sich auf genau diese Defizite beziehen – insbesondere am Zahnfleischrand.
Auch störende Faktoren wie überstehende Kronenränder oder lockere Füllungen müssen berücksichtigt werden, da sie effektive Hygiene erschweren können. Langfristiges Ziel der Forschung sei es, effektives Zähneputzen zu einer stabilen Gewohnheit zu machen, so Deinzer.
Quelle:idw online