Erfolgreiches Praxismarketing bei der Existenzgründung
Christian FinkeEgal ob Sie eine Praxis übernehmen oder neu gründen, Marketing ist ein essenzieller Baustein für den Erfolg – mit Corporate Design, Logo, Website, Google-Sichtbarkeit und Social Media. Aber worauf kommt es wirklich an – und wann? Wir möchten Ihnen 15 Tipps für Ihr Praxismarketing an die Hand geben, um bei der Existenzgründung in ruhigem Fahrwasser voll durchzustarten.
Tipp 1: Fangen Sie rechtzeitig an
Die Kosten für das Marketing gehören bereits in die Finanzierung. Dazu sollten Sie bereits Ihr Vorhaben mit einem Marketing-Spezialisten besprochen haben, um die Kosten abwägen zu können. Für den richtigen Zeitpunkt bedeutet das in der Regel:
Bei Praxisübernahme: 3 bis 6 Monate vor Eröffnung.
Bei Neugründung: Eher 6 bis 9 Monate vor Eröffnung.
Gerade bei einer Neugründung ist es von enormer Bedeutung, das Marketing rechtzeitig ins Rollen zu bringen. Sie möchten schließlich am Tag der Eröffnung bereits die ersten Patienten empfangen und nicht erst Wochen nach dem eigentlichen Start.
Und auch für Übernahmen ist das wichtig, da erfahrungsgemäß viele Patienten durchsaniert sind und einige verloren gehen, da sie sich möglicherweise eine neue Praxis suchen.
Tipp 2: Ohne eine gute Positionierung ist alles nichts
Erfolgreich ist derjenige, der weiß, was er zu bieten hat – und dies auch kommuniziert. Stellen Sie sich die Fragen: Was mache ich anders als die anderen Praxen in der Gegend? Was macht mich besonders? Denken Sie an Ihr Alleinstellungsmerkmal. Was macht Ihr Behandlungskonzept aus? Schreiben Sie es auf und kommunizieren Sie es verständlich – praxisintern und über Ihr Marketing an die Patienten.
Tipp 3: Betrachten Sie die gesamte Patientenreise (patient journey)
Der Kontakt mit einer Praxis beginnt nicht erst im Behandlungsstuhl und endet auch nicht mit dem Verlassen der Praxis. Schon vor der Terminvereinbarung gibt es oft über zehn Kontaktpunkte. Das können Google-Bewertungen sein, eine persönliche Empfehlung, die Website, Social Media, eine Anzeige oder ein Plakat.
Jeder dieser Schritte beeinflusst die Entscheidung des potenziellen Patienten. Eine durchdachte Patientenreise berücksichtigt all diese Berührungspunkte. Sie sorgt dafür, dass Informationen verständlich sind, Abläufe logisch wirken und Erwartungen erfüllt werden. Wenn Sie Praxismarketing ganzheitlich denken und die gesamte Patientenreise im Blick behalten, schaffen Sie Vertrauen nicht punktuell, sondern entlang des gesamten Weges – und vor allem nachhaltig.
Tipp 4: Professionelle Fotos setzen Ihre Praxis in Szene
Bilder transportieren mehr als Worte. Gerade in der Gründungsphase entscheidet Authentizität über Vertrauen, sonst verpufft der Vorteil des Neuen. Verzichten Sie daher möglichst auf Stockfotos (gekaufte Bilder aus dem Internet) und Fotos vom Nachbarn, Freund oder Familienmitglied. Setzen Sie auf ein professionelles Fotoshooting mit einem Fotografen, der sich mit Praxen- und People-Fotografie auskennt. So schaffen Sie Vertrauen und Neugier – und das gewinnt Patienten.
Tipp 5: Eine gute Domain ist die halbe Miete
Wenn Sie eine Praxis gründen, ersuchen Sie eine namensunabhängige Domain wie „zahnarzt-musterstadt.de“. Das hat Vorteile bei der Suchmaschinenoptimierung und lässt Spielraum für Wachstum und den Praxisverkauf. Wenn Sie eine Praxis übernehmen, vereinbaren Sie unbedingt mit dem Abgeber, dass Sie die Praxisdomain(s) übertragen bekommen – auch wenn diese nicht namensunabhängig ist. Die Historie und das Vertrauen von Google in die Domain sind wichtig für Ihren künftigen Praxiserfolg.
Tipp 6: Ihre Praxis-Website soll Patienten für Sie gewinnen
Die Praxis-Website ist das Aushängeschild Ihrer Praxis. Sie bildet oft den ersten Kontaktpunkt zwischen Ihrer Praxis und neuen Patienten. Hier fließen die Positionierung, das Corporate Design, Ihre Spezialisierungen und Leistungen sowie Ihre Persönlichkeit zusammen. Eine gute Praxis-Website soll nicht nur informieren, sondern Sie bestmöglich verkaufen. Nutzen Sie die Expertise einer spezialisierten Agentur, die das vereint.
Tipp 7: Google Business Profil einrichten und optimieren
Für die lokale und regionale Auffindbarkeit ist Ihr Google Business Profil von großer Bedeutung. Viele Patienten geben in die Suchmaschine einfach „Zahnarzt in der Nähe“ oder „Zahnarzt {Stadt}“ ein, und genau bei diesen Suchanfragen möchten Sie erscheinen. Wenn Sie eine Praxis übernehmen, vereinbaren Sie die Übertragung des Profils mit dem Abgeber. Sonst laufen Sie Gefahr, den Zugriff nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen zu bekommen.
Tipp 8: KI sollte unterstützen, nicht ersetzen
KI ist nicht mehr wegzudenken. KI kann Prozesse erleichtern, Texte strukturieren oder Ideen liefern. Sie kann helfen, Zeit zu sparen und den Blick zu weiten.
Verzichten Sie aber darauf, Texte einfach mit KI zu schreiben. Mit gutem Prompting geht das, braucht dann aber auch jemanden, der die KI richtig benutzen kann. Ansonsten haben Sie denselben Einheitsbrei.
Tipp 9: Erreichbarkeit ist das A und O
Erreichbarkeit ist ein stiller, aber entscheidender Faktor für Zufriedenheit. Lange Wartezeiten am Telefon oder fehlende Rückmeldungen schaden der Praxis nachhaltig. Es ist deshalb wichtig, diese Abläufe von der Existenzgründung an bewusst zu gestalten und nicht zu vernachlässigen. Patienten erwarten keine Perfektion, aber Verlässlichkeit. Wenn das Personal nicht ausreicht oder es Engpässe gibt, ergänzen Sie Ihre Erreichbarkeit mit KI-Telefonassistenten, einer Online-Terminvereinbarung und einer Online-Rezeption.
Tipp 10: Nutzen Sie Online-Terminvergabe-Tools
Eine moderne Praxis ohne Online-Terminvergabe ist heute undenkbar und für viele Patienten ist die Möglichkeit der Online-Terminbuchung längst selbstverständlich. Außerdem entlastet sie das Praxispersonal. Wichtig für Sie als Existenzgründer ist dabei nicht die Technik allein, sondern die optimale Einbindung in den Praxisalltag und die PVS. Doctolib, Dr. Flex oder eine andere Lösung? Das ist Ihnen überlassen. Alle Lösungen bieten Vor- und Nachteile. Wichtig ist, dass Sie auf Online-Terminvergabe setzen.
Tipp 11: Marketing kommt nicht von Marke
Es gibt Agenturen, die Ihnen ein großartiges Markenkonzept versprechen, so dass die Praxis von allein gut läuft. Das ist aber ein Trugschluss. Ein gutes Corporate Design und tolle Fotos auf einer teuren Website sind noch kein Garant für den Erfolg. Fragen Sie sich, was Sie möchten: Erfolg oder reine Schönheit. Erfolg wird durch Schönheit begünstigt, aber „nur schön“ reicht nicht. Für erfolgreiches Praxismarketing spielen viele verschiedenen Maßnahmen zusammen, innerhalb derer die „Marke“ lediglich ein Teil der Maßnahmen ist.
Tipp 12: Marketing ist nicht nur online
Digitale Sichtbarkeit ist heute unverzichtbar, ersetzt jedoch nicht jegliche klassische Maßnahmen wie eine vernünftige Praxis-Beschilderung und Printmaterialien wie Flyer in der Praxis zur Verkaufsförderung von Wunschleistungen. Insbesondere in kleinen Städten erweisen sich auch Sponsoring und soziales Engagement als sinnvoll, da Sie hierdurch Nähe zeigen. Gerade, wenn Sie selbst nicht aus der Region kommen sollten.
Wer Online- und Offline-Marketing zusammendenkt, sorgt für Wiedererkennbarkeit und ein konsistentes Bild, unabhängig davon, wo der erste Kontakt entsteht.
Tipp 13: „Kein Bock auf Social Media“ ist auch keine Lösung
Social Media ist präsent, schnell und emotional. Und ja, es kann auch nerven, beschönigt falsche Ideale und macht etwas Arbeit. Dennoch ist es wichtig, als Praxis auch hier präsent zu sein. Sie müssen nicht überall aktiv sein und jedem Trend hinterherrennen. Es geht auch nicht um tausende Follower, sondern um Emotion, Reichweite und einen Effekt, der dadurch entsteht. Wenn Sie Social Media gezielt einsetzen, können Sie Patienten zu Wunschleistungen gewinnen sowie Personal, das zu Ihnen passt. Ohne sich zu verbiegen.
Tipp 14: Nutzen Sie Marketing für Patienten- und Personalgewinnung
Marketing wirkt nicht nur nach außen, sondern auch nach innen. Der gleiche Auftritt, der Patienten anspricht, prägt auch die Wahrnehmung als Arbeitgeber. Wenn Sie klar kommunizieren, wofür die Praxis steht, erleichtern Sie beiden Zielgruppen die Entscheidung. Es lohnt sich immer, diese Perspektiven nicht zu trennen. Ein glaubwürdiger Auftritt spart Erklärungen, stärkt das Teamgefühl und unterstützt langfristig die Stabilität der Praxis.
Tipp 15: Verstehen Sie Marketing als laufenden Prozess
Marketing endet nicht mit der Eröffnung und auch nicht nach den ersten Monaten oder Jahr(en). Erwartungen verändern sich, Märkte entwickeln sich weiter und auch die eigene Praxis ändert sich. Es kommen neue Menschen, neue Ideen, neue Behandlungen, neue Geräte. Wer Marketing als einmaliges Projekt betrachtet, muss regelmäßig neu ansetzen. Wer es als Prozess versteht, entwickelt Strukturen, die mitwachsen. Kleine Anpassungen ersetzen dann große Korrekturen und sorgen für Kontinuität im Außenauftritt.
Grafik: Finke Praxismarketing
Fazit: ganzheitlicher Blick für gelungenes Praxismarketing
Praxismarketing entfaltet seine Wirkung selten in einzelnen Maßnahmen. Es zeigt sich vielmehr im Zusammenspiel vieler Entscheidungen, die den Praxisalltag prägen. Ein ganzheitlicher Blick hilft dabei, den roten Faden nicht zu verlieren. Das PRIME-Konzept – Praxismarketing. Individuell. Messbar. Erfolgreich. – versteht Marketing deshalb als verbindendes Element zwischen Praxisentwicklung, Personalgewinnung und wirtschaftlicher Stabilität. Es geht nicht nur darum, gefunden zu werden, sondern darum, die richtigen Patientinnen und Patienten anzusprechen, als Arbeitgeber glaubwürdig aufzutreten und Strukturen zu schaffen, die langfristig tragen.
Gerade bei Existenzgründungen und Übernahmen zeigt sich der Wert dieses Ansatzes: Wenn Positionierung, Kommunikation und Organisation zusammengedacht werden, entsteht Klarheit. Messbarkeit sorgt dabei nicht für Kontrolle, sondern für Orientierung.
Sie macht sichtbar, was wirkt, und gibt Sicherheit bei Entscheidungen. So wird Marketing vom Einzelprojekt zum stillen Begleiter einer erfolgreichen Praxisentwicklung.