Wirtschaftsnachrichten für Zahnärzte | DENTAL & WIRTSCHAFT
Zahnmedizin
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Hintergrund der Studie zu Schienungen bei Parodontitispatienten

Bei einer Parodontitis kommt es – per definitionem – zu einem Verlust der zahntragenden Gewebe. Für die Wahrnehmung des Patienten läuft dieser entzündliche Prozess oft lange unbemerkt ab. Häufig sucht der Patient erst dann die zahnärztliche Praxis auf, wenn bereits eine erhöhte Zahnbeweglichkeit gegebenenfalls ohne oder mit zusätzlich einschränkenden Zahnstellungsänderungen besteht. Spätestens jetzt ist bei vielen PatientInnen die orale Lebensqualität beeinträchtigt.

Die neue Klassifikation parodontaler und periimplantärer Erkrankungen berücksichtigt erhöhte Zahnbeweglichkeit als mögliches Kriterium für die Definition einer mastikatorischen Dysfunktion bei Parodontitispatienten mit Stadium IV. Der Patient wünscht die Wiederherstellung der Kaufunktion und wieder «feste Zähne». Auch nach adäquater Therapie der ursächlichen Entzündung verbleibt allerdings, insbesondere bei weit fortgeschrittenen klinischen Situationen, bei vielen Patienten die erhöhte Zahnbeweglichkeit. Daher sind weitere Maßnahmen, wie zum Beispiel Schienungen erforderlich, um die Patientin oral zu rehabilitieren und/oder dem Patientenwunsch nachzukommen.

Im Rahmen des Leitlinienprozesses der Europäischen Gesellschaft für Parodontologie (EFP) sollte die wissenschaftliche Evidenz bezüglich des Nutzens dentaler Schienungen in der Parodontitistherapie zusammengetragen und analysiert werden. Hierzu wurde durch eine internationale Arbeitsgruppe bestehend aus Mitarbeitern der Charité-Universitätsmedizin Berlin, der Universität Bonn und der Universität Basel eine systematische Übersichtsarbeit durchgeführt.

Methodik

Die systematische Literatursuche in elektronischen Datenbanken fand für den Zeitraum von 1965-2001 statt. Unter Berücksichtigung der strengen Ein- und Ausschlusskriterien konnten von anfänglich 1.515 Treffern nach den entsprechenden Screenings lediglich noch zwei retrospektive Fallserien aus deutschen Universitäten für die Fragestellung bezüglich der Effekte von Schienungen von Zähnen eingeschlossen werden (Sonnenschein et al., 2017, Graetz et al. 2019). Da die Studien sich in zahlreiche zahlreichen Parameter Parametern unterschieden, mussten für eine entsprechende entsprechende Zusammenfassung einige Anpassungen Anpassungen durchgeführt und mit den Studienautoren abgeglichen werden. Es wurden chirurgisch chirurgisch therapiert therapierte Zähne ausgeschlossen und der Beobachtungszeitraum auf die 2- bzw. 3-Jahres-Daten nach nicht chirurgischer Therapie Therapie beschränkt.

Ergebnisse der Studie

Unter den oben genannt genannten Prämissen konnten die Ergebnisse von 72 Patienten (n=24 Patienten, Sonnenschein et al., 2017;n= 48, Graetz et al. 2019) und gesamthaft 311 geschienten Zähnen (n= 94 und n= 211) im Vergleich zu 1.385 Zähnen (n=306 und n=1.079) ohne Schienung analysiert werden.

In dem hier berücksichtigen Untersuchungszeitraum gingen insgesamt 26 Zähne verloren, wobei die Zahnverlustraten sich nicht wesentlich zwischen geschienten und ungeschienten Zähnen unterschieden (8,4% vs. 10,1%). Auch hinsichtlich des Verlustes an klinischem Attachment bestand kein wesentlicher Unterschied zwischen den Gruppen. Schienungsfrakturen oder ein Lösen des adhäsiven Verbundes wurde für 25,6% der Patienten nach drei Jahren in einer der Studien und bei 75,3% der Patienten nach bis zu 32,4 Jahren in der zweiten Studie berichtet.

Klinische Schlussfolgerungen

Im Gegensatz zur klinischen Realität und den Bedürfnissen vieler parodontal erkrankter PatientInnen ist relativ wenig hochstehende Evidenz aus klinischen Studien zu den Effekten von Zahnschienungen vorhanden. Aus den hier zusammengetragenen Daten lässt sich vorsichtig schlussfolgern, dass das Schienen von Zähnen keine positiven oder negativen Effekte auf die Zahnverlustraten oder den klinischen Attachmentlevel aufweist. Es wurden unterschiedliche Schienungsverfahren mit unterschiedlichen Werkstoffen unter Berücksichtigung der Schmelz-Ätz-Technik vorgenommen. Entsprechend der Datentreten bei vielen Patienten Schienungsfrakturen oder Verlust des adhäsiven Verbundes auf. Es muss daher in der täglichen Praxis damit gerechnet werden, dass hin und wieder Schienungsreparaturen vorgenommen vorgenommen werden müssen. müssen. Direkte Direkte Daten zu Veränderungen der oralen Lebensqualität durch Schienungen sind nur begrenzt begrenzt vorhanden. vorhanden. Indirekte Indirekte Evidenz Evidenz aus Studien Studien und Übersichtsarbeiten Übersichtsarbeiten zur oralen Lebensqualität Lebensqualität zeigt aber, dass der Kaukomfort durch bewegliche Zähne deutlich eingeschränkt ist. Im Umkehrschluss wird daher durch eine Schienung oder eine Verblockung von Zähnen der Kaukomfort und damit die mundbezogene Lebensqualität verbessert.

Prof. Dr. Clemens Walter

Prof. Dr. med. dent. Clemens Walter

Abteilung für Parodontologie, Oralmedizin und Oralchirurgie Charité Centrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
Aßmannshauser Straße 4–6
14197 Berlin

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