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Auch die anschließende prothetische Versorgung folgt diesem biologischen Ansatz: Auf eine aktive Wiedereröffnung des Zahnfleisches („Freilegung“) durch einen zweiten chirurgischen Eingriff kann (meist) verzichtet werden. Gleichzeitig bleibt das Implantatinnere während der Einheilphase zweiteiliger Systeme steril und wird nicht manipuliert. In vielen Fällen kann die gesamte Behandlung auf ein bis zwei Sitzungen reduziert und die prothetische Versorgung deutlich beschleunigt werden.

Das Verfahren habe ich seit 1994 weiterentwickelt – es ist jetzt seit mehr als 30 Jahren klinisch etabliert und wird weltweit von zahlreichen erfahrenen Implantologen erfolgreich angewendet. Aufgrund seines schonenden Vorgehens wird MIMI häufig auch als die „Schlüsselloch-Technik der Implantologie“ bezeichnet.    

Maximale Schonung des Periosts

Sowohl chirurgisch als auch prothetisch steht dabei die maximale Schonung der den Knochen versorgenden Knochenhaut (Periost) sowie der biologischen Breite im Vordergrund. Die Erhaltung des Periosts besitzt im Konzept eine zentrale Bedeutung, da dieses maßgeblich für die Ernährung und langfristige Stabilität des periimplantären Knochens verantwortlich ist. MIMI kann nicht nur bei Spät- und Sofortimplantationen eingesetzt werden, sondern auch bei schmalen Kieferkämmen sowie bei Sinuslift-Indikationen. Damit eignet sich das Verfahren für den überwiegenden Teil der implantologischen Behandlungen in der täglichen Praxis. 

Grundlage des chirurgischen Vorgehens ist die CNIP-Navigation (Cortical Navigated Implantation Procedure).

© Champions Implants

Die PSG sind Position- und Stop-Guides in Einem. Immer wieder sterilisier- und einsetzbar bei verschiedenen Patienten. Durch die jeweils drei Durchmesser bei den drei Hauptbohrer-Größen sind Implantat-Parallelitäten, korrekte Implantatabstände und spätere Kronendurchmesser und -positionen während der Kavitäten-Aufbereitung leicht ermittelbar.

Diese Form der Navigation wird uns gewissermaßen „kostenlos“ von der Natur zur Verfügung gestellt. Zum Einsatz kommen konische Dreikantbohrer, die im Niedrigdrehzahlbereich arbeiten. Nach dem Durchtritt durch die Kortikalis – mit maximal 250 U/min – erfolgt die weitere Aufbereitung der Spongiosa mit lediglich 50 bis 70 U/min. Aufgrund ihrer Geometrie und der geringen Drehzahl verbleiben die Instrumente innerhalb der spongiösen Knochenstruktur und folgen deren Verlauf, anstatt kortikale Begrenzungen zu perforieren – sozusagen als natürliche Navigation. 

Bei korrekter Anwendung des Low-Speed-Verfahrens und regelmäßigen Knochen-Kavitäten-Kontrollen (KKK) mittels einer dünnen, flexiblen und ausreichend langen Metallsonde lässt sich das Implantatbett sicher und gezielt auch lappenlos aufbereiten. Im weicheren Knochen (D3 und D4) liefert der jeweils verwendete Kondensatordurchmesser wertvolle Informationen über die vorhandene Knochenqualität. Der Kondensator, der eine Primärstabilität von etwa 30 Ncm ermöglicht, gibt gleichzeitig Hinweise auf den optimalen Implantatdurchmesser. Entscheidend für die Implantatauswahl ist somit nicht allein die präoperative Anatomie oder die DVT-Diagnostik, sondern insbesondere die tatsächlich vorhandene Knochenqualität, die sich intraoperativ zeigt.

© Champions Implants

Die minimal-invasiv inserierten Champions (R)Evolution Kavitäten-Aufbereitungen und Implantationen mit jeweils äquigingivalem Abschluss des scanbaren Schuttles, der auch als Gingivaformer fungiert, dauerten etwa 20 Minuten. Die Abformung erfolgte in diesem Fall analog, auch die Bissnahme durch die Shuttles ohne Dekontaminationen der Implantaninnenkörper.

© Champions Implants

Die dritte, „prothetische“ Navigationshilfe sind die CHAMPIONS GUIDES (für Ober- und Unterkiefer). Sie sind als Schablone abrechenbar (GOZ), wiederverwendbar, sterilisierbar und pro Patientenfall gut verform- und einsetzbar.

Fazit

Chirurgie – und damit auch die zahnärztliche Implantologie – wird auf absehbare Zeit ein handwerkliches Fachgebiet bleiben. Moderne digitale Verfahren können wertvolle Unterstützung leisten, ersetzen jedoch nicht die klinische Erfahrung, das chirurgische Verständnis und die manuelle Fertigkeit des Behandlers. MIMI verfolgt dabei bewusst einen biologisch orientierten und praxisnahen Ansatz. Das Verfahren benötigt keine komplexe technische Infrastruktur und kann mit überschaubarem apparativem Aufwand in den implantologisch tätigen Praxisalltag integriert werden. Die CNIP-Navigation im Low-Speed-Verfahren nutzt natürliche anatomische Strukturen als Orientierung und ermöglicht mit vergleichsweise einfachen Hilfsmitteln eine sichere Implantatbettaufbereitung. Das MIMI-Verfahren mit seiner lappenlosen Chirurgie und der natürlichen CNIP-Navigation wurde bereits 2013 mit dem „Best Innovation in Medicine Award“ (SENSUS, Dubai) ausgezeichnet.

Dr. Armin Nedjat

Armin Nedjat ist Experte für Implantologie & Implantatprothetik CIPC, Diplomate ICO. Er ist CEO der Champions-Implants GmbH und Präsident des deutschen Vereins innovativ-praktizierender Zahnmediziner/innen e.V.Entwickler des MIMI®I-Konzeptes und des Champions® Implantatsystems, welche seit der Gründung 2006 in über 4.000 Kliniken und Zahnarztpraxen angewendet werden.

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