Factoring: Wie Zahnarztpraxen Liquidität sichern und Umsätze steigern
Mathias LeyerÜber 30 % aller Zahnarztpraxen nutzen bereits das Factoring. Andere hadern zum Teil mit Vorurteilen oder auch Widerständen: „Factoring ist zu teuer!“ „Das brauche ich nicht!“ „Es wird von meinen Patienten nicht akzeptiert!“ In diesem Beitrag beleuchtet Gesundheitsökonom Mathias Leyer die fünf entscheidenden Vorteile und zeigt auf, worauf es beim Factoring ankommt, um den größten Benefit für die eigene Praxis zu erzielen.
Fünf Vorteile, die das Factoring der Zahnarztpraxis bietet
1. Sicherheit und Schutz vor Forderungsausfällen
Der wohl wichtigste Vorteil des Factorings ist der Schutz vor möglichen Forderungsausfällen durch nicht zahlungsfähige oder zahlungsunwillige PatientInnen. Das ist besonders wichtig bei hohen Rechnungen für Zahnersatz, wo die zahntechnischen Leistungspositionen den größten Anteil des Rechnungsbetrags ausmachen. Hier würde im Worst-Case-Szenario die Praxis nicht nur auf den eigenen Kosten, sondern auch auf den Auslagen für das Dentallabor sitzen bleiben.
Für einen 100 %-igen Forderungsausfallschutz sind zwei Dinge zwingend zu berücksichtigen:
Zahnarztpraxen, die sich für das Factoring interessieren, sollten bei den Anbietern darauf achten, dass es sich auch um ein „Echtes Factoring“ handelt.
100 % Schutz vor Forderungsausfällen besteht nur, wenn das Ankaufsprozedere von der Praxis auch strikt eingehalten wird.
Was ist Factoring?
Beim Factoring werden die Forderungen gegenüber Patienten an einen speziellen Finanzdienstleister, den Factorer, abgetreten. Dieser sorgt für eine Auszahlung des Rechnungsbetrags an die Zahnarztpraxis und übernimmt diverse Aufgaben, wie beispielsweise das Mahn- und Rechnungswesen bis hin zur gerichtlichen Forderungsbetreibung.
2. Bessere Liquidität durch schnellen Ausgleich offener Rechnungen
Factorer bieten der Zahnarztpraxis in der Regel verschiedene Möglichkeiten der Auszahlung an. So kann auf Wunsch und gegen eine entsprechende Gebühr die Forderung auch zeitnah ausgezahlt werden. Für die Zahnarztpraxis bedeutet das im Allgemeinen mehr Planungssicherheit bei ihren Einnahmen. Genauso profitieren Zahnärzte, die ein starkes Wachstum anstreben und/oder neue Investitionen tätigen möchten und somit zusätzliche finanzielle Mittel benötigen, vom sofortigen Zugang zu ihren Forderungen.
3. Ratenzahlung als attraktive Service-Leistung
Ein weiterer Vorteil von Factoring ist die Möglichkeit der Teilzahlung. Auf Wunsch können PatientInnen so den Rechnungsbetrag in monatlichen Raten bequem bezahlen. Oftmals auch in Kombination mit einer zinsfreien Laufzeit.
Damit bieten Zahnarztpraxen ihren Patienten nicht nur eine besondere Service-Leistung an, sondern sie tragen Sorge dafür, dass ihre Patienten in Sachen Finanzierung nicht alleine gelassen werden. So wird verhindert, dass Patienten aus finanziellen Gründen auf eine geplante oder gewünschte Behandlung verzichten.
4. Bis zu 30 % mehr Praxisumsatz
Der offensichtlich größte Vorteil von Factoring besteht allerdings darin, dass Zahnarztpraxen mit dem Angebot der Teil- bzw. Ratenzahlung deutlich höhere Honorarumsätze erzielen können.
Die Erfahrung zeigt: Praxen, die in der Kommunikation die Wünsche ihrer Patienten berücksichtigen und Begehrlichkeiten wecken, sowie in der Beratung die Möglichkeiten einer Teil-/Ratenzahlung konsequent ansprechen, generieren bis zu 30 % mehr Umsatz.
5. Zeitersparnis und Entlastung der Praxisorganisation
Der fünfte Vorteil besteht darin, dass der Factorer das Mahn- und Rechnungswesen der Praxis übernimmt. Mit dem Auslagern entfallen die damit verbundenen bürokratischen Aufgaben. Das erspart der Praxis einen nicht unerheblichen Verwaltungsaufwand und entlastet die humanen Ressourcen. Vorteilhaft ist eine integrierte Schnittstelle zwischen Factorer und Praxisverwaltungssoftware.
Darüber hinaus ist der Factorer auch erster Ansprechpartner bei Rückfragen zur Rechnung sowie bei Erstattungsproblemen mit Krankenkassen und Beihilfen.
Was Zahnarztpraxen über das Factoring noch wissen sollten
Factoring ist eine käufliche Dienstleistung
Natürlich fallen beim Factoring für die Zahnarztpraxis entsprechende Kosten an. Diese sind jedoch in Relation zu den fünf genannten Vorteilen gut zu verkraften. Darüber hinaus besteht noch die Möglichkeit, die Factoring-Kosten in die Kalkulation zahnärztlicher Behandlungen mit einzubinden. Sei es durch die Erbringung zusätzlicher Leistungen, durch Steigerungssätze bei der GOZ, etc.
Zum Factoring gibt es keine Alternative
Es gibt zwar diverse Dienstleister, die Finanzierungen und Teilzahlungsmodelle für Patienten anbieten, allerdings berücksichtigen diese kein Factoring.
Die Gewährung eines Praxis-Kredits ist ebenfalls keine Alternative. Das geht deutlich zu Lasten der Liquidität und im Worst-Case-Szenario bleibt die Praxis auf allen Kosten – inkl. der Rechnung ihres Dentallabors – sitzen.
Was Patienten über das Factoring wissen sollten
Die Zahnarztpraxis benötigt in punkto Factoring eine schriftliche Einverständniserklärung ihrer Patienten. Ferner sollten diese wissen, dass fortan die Rechnungsstellung von einem externen Partner-Unternehmen erfolgt. Verbunden mit dem persönlichen Nutzen: Mehr Zeit für die eigenen Patienten und die Behandlung.
Fazit
Echtes Factoring bietet der Zahnarztpraxis zahlreiche Vorteile. Schutz vor Forderungsausfällen, bessere Liquidität, dank der Ratenzahlungsmöglichkeit bis zu 30 % mehr Praxisumsatz sowie eine spürbare Entlastung der Praxisorganisation.
Das Ankaufsprozedere ist strikt einzuhalten und die Kosten für das Factoring sind von der Zahnarztpraxis unternehmerisch zu kalkulieren und in das Angebot mit einzubinden.
Mathias Leyer
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