Wirtschaftsnachrichten für Zahnärzte | DENTAL & WIRTSCHAFT
Zahnmedizin
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Hintergrund

Die Gestaltung der implantatgetragenen Restauration beeinflusst nicht nur das ästhetische Ergebnis, sondern möglicherweise auch die periimplantäre Gewebestabilität. Entscheidend ist dabei, wie die Restauration aus dem Implantat beziehungsweise Abutment heraus in die spätere Kronenform übergeht.

Dieser Übergangsbereich bestimmt, wie stark und in welcher Form das periimplantäre Weichgewebe durch die prothetische Kontur gestützt und ausgeformt wird. Fachlich werden hierfür vor allem der restaurative Emergenzwinkel und das Emergenzprofil beschrieben. Der Emergenzwinkel bezeichnet den Winkel zwischen der Implantatlängsachse und der äußeren Kontur der Restauration. Das Emergenzprofil beschreibt dagegen den Verlauf dieser Kontur als gerade, konkav oder konvex.

Klinisch relevant ist, ob diese Gestaltungsmerkmale mit marginalem Knochenverlust, periimplantärer Entzündung und dem Auftreten einer Periimplantitis im Langzeitverlauf assoziiert sind.

Material und Methoden

Atieh et al. führten eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-analyse entsprechend aktueller methodischer Standards durch. Eingeschlossen wurden Beobachtungsstudien mit Implantatrestaurationen, die seit mindestens drei Jahren in Funktion waren. Verglichen wurden Emergenzwinkel von mehr als 30° mit Winkeln von höchstens 30° sowie konvexe mit geraden oder konkaven Emergenzprofilen. Primärer Endpunkt war die Veränderung des periimplantären marginalen Knochenniveaus; zusätzlich wurden klinische Parameter und die Prävalenz von Periimplantitis untersucht. Insgesamt wurden vier Studien mit 397 Patienten und 912 Implantaten eingeschlossen. Die Nachbeobachtungszeiten lagen zwischen 3,8 und 10,9 Jahren.

Ergebnisse

Implantate mit einem Emergenzwinkel von höchstens 30° zeigten tendenziell geringere Veränderungen des marginalen Knochenniveaus als Implantate mit einem Winkel von mehr als 30°. Der Unterschied war in der Gesamtanalyse jedoch nicht signifikant. Bei Implantaten ohne Platform-Switching zeigte sich ein signifikanter Vorteil zugunsten eines Emergenzwinkels von höchstens 30°. Bei Implantaten mit Platform-Switching war kein entsprechender Zusammenhang erkennbar. Ein Emergenzwinkel von mehr als 30° war signifikant mit einer höheren Periimplantitisprävalenz assoziiert.

Deutlicher war der Zusammenhang beim Emergenzprofil: Konvexe Profile waren signifikant häufiger mit Periimplantitis verbunden als gerade oder konkave Profile.

Klinische Schlussfolgerungen

Der Emergenzwinkel allein war in der Gesamtanalyse nicht eindeutig mit einem stärkeren marginalen Knochenverlust verbunden. Gleichzeitig war ein Winkel von mehr als 30° jedoch signifikant mit einer höheren Periimplantitisprävalenz assoziiert. Die klinische Bewertung darf sich daher nicht allein auf Veränderungen des marginalen Knochenniveaus beschränken. Besonders relevant erscheint das Emergenzprofil. Konvexe Konturen waren häufiger mit Periimplantitis verbunden als gerade oder konkave Profile. 

Für die klinische Praxis ist deshalb weniger ein isolierter Grenzwert als vielmehr die Gesamtgestaltung der Restauration entscheidend. Die prothetische Kontur sollte dem periimplantären Weichgewebe ausreichend Raum lassen und eine wirksame häusliche sowie professionelle Plaquekontrolle ermöglichen. Eine ausgeprägte konvexe Kontur kann die Zugänglichkeit erschweren und dadurch Plaqueretention und periimplantäre Entzündung begünstigen.

Die Ergebnisse sollten aufgrund der geringen Zahl eingeschlossener Studien, der ausgeprägten Heterogenität und des teilweise erhöhten Verzerrungsrisikos vorsichtig interpretiert werden. Emergenzwinkel, Emergenzprofil, Implantat-Abutment-Verbindung, Retentionsart und Reinigungsfähigkeit sollten daher gemeinsam beurteilt werden.

Quelle:

Atieh MA, Shah M, Ameen M, Tawse-Smith A, Alsabeeha NHM. Influence of implant restorative emergence angle and contour on peri-implant marginal bone loss: A syste-matic review and meta-analysis. Clinical Implant Dentistry and Related Research. 2023;25(5):840–852. doi:10.1111/cid.13214.

Prof. Dr. Clemens Walter

Prof. Dr. med. dent. Clemens Walter

Abteilung für Parodontologie, Oralmedizin und Oralchirurgie Charité Centrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
Prof. Dr. med. dent. Clemens Walter erhielt seine Approbation im Jahr 2000. Von 2001 bis 2003 absolvierte er das Postgraduiertenprogramm in Parodontologie und Implantologie an der Charité Berlin. Die Promotion erfolgte 2005. Von 2010 bis 2021 war er Leiter des Weiterbildungsprogrammes Parodontologie an der Universität Basel, wo er 2012 habilitierte. 2016 wurde er Außerordentlicher Professor an der Universität Basel, 2021 übernahm er den Lehrstuhl für Zahnerhaltung, Parodontologie, Endodontologie, Präventive Zahnmedizin und Kinderzahnheilkunde, Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Universitätsmedizin Greifswald. Prof. Walter arbeitet in der Zahnarztpraxis Asta Fritzke in Greifswald und ist als Titularprofessor an der Abteilung für Parodontologie, Orale Medizin und Orale Chirurgie, Charité-Universitätsmedizin Berlin tätig. Foto: privat
Aßmannshauser Straße 4–6
14197 Berlin

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