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Praxis

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie, aber auch das Mindset der neuen Generation von Arbeitnehmern haben viele Einstellungen gegenüber dem Arbeitgeber verändert. „Der erste Fehler, den immer noch viel zu viele Unternehmen machen, ist, sich der neuen Welt des Online-Marketings und seinen Möglichkeiten zu verschließen“, so Robin Münchbach*, Gründer und Geschäftsführer der Online-Agentur Oglero GmbH. Er erläutert fünf Gründe, die eine Personalsuche heutzutage schwierig machen können.

Grund 1: Kein Online-Marketing

Eigentlich ist es logisch: Die Welt wird immer digitaler, vor allem junge Menschen verbringen täglich mehrere Stunden auf Plattformen wie Instagram oder Facebook. Als Unternehmen, das neue Mitarbeiter gewinnen will, auf solchen Plattformen nicht präsent zu sein, ist aus unternehmerischer Sicht für die Zukunft „Selbstzerstörung“.

Grund 2: Online-Marketing „self made“

Unternehmen versuchen oft, ihr Online-Marketing in Eigenregie anzupacken. Es ist zwar gut, wenn kleine und mittlere Unternehmen erkennen, dass die Zukunft sowohl bei der Kunden- als auch bei der Mitarbeitergewinnung im Online-Marketing liegt. Es ist aber nicht unbedingt ratsam, auf eigene Faust digital in die Öffentlichkeit zu gehen. Online genug gute Inhalte für potenzielle Mitarbeiter zu produzieren, ist nicht zu unterschätzen. Viele Unternehmen fügen sich mit ihren Online-Auftritten ungewollt einen Imageschaden zu oder sie investieren in Eigenregie ohne viel Erfolg Zeit und Geld. Je nach Intention und Intensität der Online-Marketing-Aktivitäten kann es sinnvoll sein, mit einem professionellen Partner zusammenzuarbeiten, statt „self made“ lange selber zu experimentieren.

Grund 3: Online-Marketing wird missverstanden und falsch eingesetzt

Online-Marketing kann auch für kleine und mittlere Unternehmen viel leisten, wenn es richtig eingesetzt wird. Es ist von Vorteil, dort präsent zu sein, wo sich die Zielgruppe aufhält – aber das ist nicht der eigentliche Punkt, so Robin Münchbach. Online-Marketing ist wie ein Werkzeug: Es nur zu besitzen oder rudimentär zu nutzen, wird keinen Unterschied machen. „Stellen Sie sich vor, eine Plattform wie Facebook oder LinkedIn ist wie ein großer, unbekannter Ozean. Durch den richtigen Einsatz von Online-Marketing können Sie dafür sorgen, dass aus dem Ozean ein kleiner, überschaubarer Pool wird, in dem sich grundsätzlich nur die Kandidaten befinden, die Sie auch wirklich ansprechen wollen“, sagt er.

Online-Marketing hat deutlich geringere Streuverluste bei der Ansprache potenzieller Bewerberinnen und Bewerber und ist damit effizienter und langfristig auch kostengünstiger als eigentliche Akquise, die in der Regel auch viele Menschen anspricht, die man gar nicht haben will.

Grund 4: Langweilige Werbeanzeigen wie jede andere Praxis auch

Bei der Mitarbeitergewinnung über Social MediaLaut ist Robin Münchbach einer der Hauptgründe für den ausbleibenden Erfolg die Vergleichbarkeit mit anderen Arbeitgebern. War das Schalten von Anzeigen vor einigen Jahren noch eine Besonderheit, die nur von wenigen Unternehmen genutzt wurde, ist es heute oft Standard. Es reicht also nicht mehr aus, eine 08/15-Anzeige auf Facebook zu schalten. Da es täglich immer mehr Social Media Anzeigen gibt, die mit dem gleichen Wording um potenzielle Mitarbeiter werben, verschwindet man wieder in der Unsichtbarkeit, wenn man es nicht wirklich verstanden hat, sich positiv von´der Masse abzuheben.

„Im Jahr 2023 reicht es einfach nicht mehr, den kostenlosen Obstkorb im Büro, 30 Tage Urlaub oder die Förderung eines Job-Bikes anzupreisen, sie sind langweilig“, so Robin Münchbach. Für die Menschen wird es immer wichtiger, sich mit ihrem Arbeitgeber identifizieren zu können. Vor allem junge Menschen wollen nicht mehr nur arbeiten gehen, weil man arbeiten muss. Das „Wie“ und vor allem das „Warum“ ist wichtiger denn je. Um in einem Meer von Anzeigen auf Instagram, Facebook oder LinkedIn noch herauszustechen, muss genau das vermittelt werden. Das erfordert einen ganzheitlichen und vor allem langfristigen Ansatz.

Grund 5: Kein langfristiges Denken

Der abschließende Grund dafür, dass im Jahr 2023 kaum bis keine passenden Mitarbeiter gefunden werden, ist laut Robin Münchbach, dass die meisten Unternehmen noch nicht verstanden haben, dass
Mitarbeitergewinnung eine langfristige Marketingaktivität ist. So wie über Jahre hinweg eine Praxis gegenüber dem Patienten am Markt aufgebaut wurde, sollte sie heute auch eine Marke gegenüber ihren potenziellen Mitarbeitern werden.

Viele Unternehmen schalten unüberlegt und ohne langfristigen Plan eine Anzeige, weil man das heutzutage „eben so macht“, anstatt sich mit einer langfristigen Strategie einen Namen als DER Arbeitgeben in der eigenen Region aufbauen zu wollen. Eine gute Anzeige, in der sich der potenzielle Bewerber angesprochen und verstanden fühlt, ist nur einer von vielen kleinen Mosaiksteinen dieser langfristigen Strategie.

Langfristiges Online-Marketing mit der richtigen Strategie kann, so Münchbach, auch im Jahr 2023 noch die Chance bieten, sich langfristig einen positiven Ruf als Arbeitgeber aufzubauen.

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*Robin Münchbach ist Gründer und Geschäftsführer der Oglero GmbH, einer Online-Agentur für die Rekrutierung von Mitarbeitern in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Mit individuellen Ansätzen im Online-Marketing, eigens entwickelten Methoden im Bewerbungsprozess sowie eigenen Softwarelösungen unterstützt Oglero seine Kunden.