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Praxis

Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (apoBank) stellte 400 Heilberuflern Fragen rund um den Praxis- bzw. Apothekenverkauf und wollte wissen, wie sie den Prozess der Abgabe ihrer Niederlassung bewerten würden. Die eine Hälfte der Befragten stand vor der Aufgabe ihrer Praxis oder Apotheke, die anderen 200 hatten ihre Niederlassung in den letzten Jahren abgegeben.

Die Gegenüberstellung gibt ein Bild über die Erwartungen der Noch-Inhaber und die tatsächlichen Erfahrungen der ehemaligen Selbständigen.

Praxisabgabe geht zügig vonstatten

Im Vergleich läuft der Abgabeprozess grundsätzlich schneller als gedacht: Während die Schätzungen im Vorfeld bei 2 Jahren und 4 Monaten liegen, sind es im Schnitt 8 Monate weniger, die die befragten Ex-Inhaber für den Verkauf benötigt haben.

Nach der Abgabe steigt gut die Hälfte (55 %) sofort aus, die anderen entscheiden sich für einen sanften Übergang in den Ruhestand und bleiben durchschnittlich noch 20 Monate gemeinsam mit ihrer Nachfolge im Dienst.

Nachfolgesuche, Wertermittlung und Planung weniger mühsam als gedacht

69 % der befragten Noch-Inhaber vermuteten, dass es besonders schwierig werden würde, einen geeigneten Interessenten zu finden. In der Praxis gestaltete sich dieser Punkt tatsächlich leichter als gedacht, nur 37 % haben tatsächlich diese Erfahrung gemacht. Insgesamt hat gut die Hälfte an eine zuvor unbekannte Person abgegeben, 24 % an einen Kollegen und 9 % an ein Familienmitglied. Auch das persönliche Netzwerk kann hilfreich sein und hat bei 14 % zum Erfolg geführt.

Für die Mehrheit (67 %) derjenigen, die die Abgabe bereits hinter sich haben, stellte sich die Wertermittlung als wenig problematisch heraus. Auch die organisatorische Planung des Abgabeprozesses wird im Nachhinein als weniger mühsam bewertet wie zuvor befürchtet (14 % versus 29 %).

Investitionen vor der Praxisabgabe lohnen sich

Der Erlös aus dem Verkauf bereitet im Vorfeld 53 % der Befragten Bauchschmerzen. 36 % der Noch-Inhaber gaben an, dass bei der Nachfolgersuche das beste Angebot entscheidend sein wird. In Wirklichkeit mussten 44 % derjenigen, die den Verkauf schon hinter sich hatten, bei den eigenen Preisvorstellungen tatsächlich auch Abstriche machen.

Wer einen guten Verkaufspreis erzielen möchte, sollte vorab noch einmal in die Tasche greifen und die Zahnarztpraxis auf Vordermann bringen: Jeder Zweite entschied sich vor dem Verkauf für Investitionen – und die Mehrheit (60 %) ist sich einig, dass sich diese mehr als gelohnt haben. Dabei handelte es sich meist um Maßnahmen zur Digitalisierung, die Anschaffung neuer Geräte oder die Modernisierung der Räumlichkeiten.

Mangel an Interessierten und höhere Verkaufspreise machen Investorenangebote verlockend

Sollte sich niemand für die Übernahme interessieren, sind 59 % bereit, die eigene Praxis an einen Investor zu verkaufen. Auch ein höheres Kaufangebot wäre für 41 % ein Argument für eine Investorenlösung. 21 % schließen eine solche Option aber aus. Bei denjenigen, die den Verkauf bereits abgewickelt haben, käme ein Verkauf an einen Investor für mehr als die Hälfte gar nicht in Frage.

„Die Ergebnisse zeigen, dass viele Inhaber mit Blick auf die Abgabe einen Berg an Herausforderungen erwarten. Die gute Nachricht ist: Dieser Berg ist im Nachgang doch etwas kleiner, als zunächst befürchtet“, sagt Daniel Zehnich, Bereichsleiter Gesundheitsmarkt und Beteiligungen bei der apoBank. „Wir sehen aber auch, dass jeder zehnte Niedergelassene seine Praxis oder Apotheke ohne Nachfolge schließt. Die Gründe sind vielfältig – mal handelt es sich um eine Praxis auf dem Dorf, mal um eine Apotheke mit zu geringem Ertrag. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, sich rechtzeitig mit dem Thema Abgabe zu beschäftigen und diese aktiv vorzubereiten, hierfür gibt es entsprechende Börsen, Seminare, Leitfäden und auch professionelle Beratung. Auf jeden Fall sollte die Instandhaltung und Modernisierung auch vor der Abgabe nicht vernachlässigt werden.“

Erlös aus der Praxisabgabe taugt nur bedingt als Altersvorsorge

Viele planen laut der Umfrage ein, dass der Erlös aus dem Praxis- bzw. Apothekenverkauf zu ihrer Altersvorsorge beiträgt: Für 55 % der Noch-Inhaber soll der Ertrag aus dem Verkauf der eigenen Niederlassung sogar vor allem zur Finanzierung des Ruhestands dienen. Dass dieser Plan nur zum Teil aufgeht, zeigen die Antworten der ehemaligen Inhaber: Nur 24 % konnten mit dem Erlös die Altersvorsorge im größeren Umfang bestreiten.

Spielt das veränderte Umfeld eine Rolle bei der Beurteilung der Praxisabgabe?

Bei den Umfrageergebnissen ist zu berücksichtigen, dass die Gruppe der 200 Befragten, die den Verkauf schon hinter sich hatte, diesen Prozess innerhalb der letzten zehn Jahre vollzogen hat, also teilweise auch zu einem Zeitpunkt, als das allgemeine berufspolitische und gesellschaftliche Umfeld sich anders darstellte. Die aktuellen Umbrüche in der Berufspolitik und im Gesundheitswesen allgemein sind möglicherweise mit ein Grund, dass die Erwartungen der Noch-Inhaber pessimistischer ausfallen als das Fazit der Befragten im Ruhestand.

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Quelle: apoBank