So funktioniert eine erfolgreiche Entnahme-Strategie für 2026
Dipl. Kfm. Martin StrombergViele Zahnärztinnen und Zahnärzte managen ihr Privatleben direkt aus der Praxis: Was gerade reinkommt, wird entnommen – den Rest regelt der Steuerberater. Solange die Praxis läuft wie geschmiert, scheint das gut zu funktionieren. Doch schon kleine Schwankungen bei Personal- oder Laborkosten können Liquidität, Nerven und den langfristigen Vermögensaufbau schnell belasten. Der entscheidende Hebel liegt in einem klaren System: Praxis und Privat strikt trennen, Entnahmen planbar gestalten und das Vermögen gezielt aufbauen.
Die Kernidee lautet: Zuerst die Praxis stabilisieren (Cash Puffer), dann den Privatbereich planbar bedienen – niemals andersherum.
Häufige Fehler
Privat über die Praxis „nachfinanzieren“.
Steuerersparnis vor Liquidität.
Produkte anstelle von Regeln.
Vermischung von Praxis und Privatleben.
Es ist sinnvoll, Bausteine zu definieren, nach denen man systematisch vorgeht.
Baustein 1: Entnahme‑Policy (in 30 Minuten festgelegt)
Ziel: Ein stabiler, kalkulierbarer Privat‑Cashflow, der die Liquidität der Praxis nicht gefährdet.
Fixe monatliche Entnahme: Auf Grundlage des tatsächlichen Haushaltsbudgets und der Vorsorgebausteine.
Jahresanpassung: Einmal jährlich (Herbstgespräch), nicht ad hoc.
Bonus‑Schiene: Zusatzleistung nur bei Übererfüllung (z. B. wenn 3 Monate in Folge Cash‑Puffer ≥ Zielkorridor).
No‑Gos: Sonderentnahmen dürfen nur erfolgen, wenn sie gegenfinanziert sind (Steuern, Tilgung, Invest).
Formel: Entnahme entspricht Haushaltsbudget + Vorsorgequote + Vermögensquote. Nur nach Jahresreview erfolgt eine Anpassung.
Baustein 2: Der Liquiditätskorridor der Praxis
Legen Sie einen Mindest‑Puffer fest (z. B. 3 - 6 Monatsfixkosten) sowie einen Ziel‑Puffer (z. B. 6 - 9 Monate). Entnahmen stoppen oder verringern, sobald der Mindestpuffer nicht mehr eingehalten wird. Bonus‑Entnahmen erfolgen nur, wenn der Ziel‑Puffer nachhaltig gehalten wird.
Schnelle Erfolge in der Praxis: Terminarchitektur strukturieren (weniger No-Shows), Material und Labor monatlich überprüfen, Investitionen mit −20 % Auslastung / +10 % Kosten einer Stress-Test-Analyse unterziehen.
Beispielrechnung Entnahme‑Policy mit Sicherheitsnetz (2026)
Ist‑Situation: Personalkosten steigen, Labor volatil. Praxis‑Puffer: 4 Monatsfixkosten. Privatbedarf: 8.000 Euro netto/Monat. Zusätzlich: 1.500 Euro Vorsorge & Vermögensaufbau.
Entnahme: 9.500 Euro/Monat (8.000 Euro Lebenshaltung + 1.500 Euro Vorsorge/Vermögen).
Bonus: +5.000 Euro einmalig nur, wenn drei Monate in Folge Puffer ≥ 7 Monate.
Stressfall: Puffer fällt auf 2,5 Monate – Entnahme temporär -1.500 Euro; Bonus gestrichen; Praxis‑Kostenrunde binnen 30 Tagen.
Effekt: Privat bleibt planbar, Praxis behält Handlungsfähigkeit – Investitionen bleiben möglich.
Baustein 3: Vier Privat‑Töpfe (automatisiertes Befüllen)
Lebenshaltung (Monatskonto)
Rücklagen (6 - 9 × Monatskosten)
Vorsorge (Versorgungswerk und private Bausteine)
Vermögen: (systematisierte, langfristige Anlage).
Automatisierung: Daueraufträge am ersten Banktag: Entnahme in Töpfe. Monatliches Review: 15 Minuten Aufwand.
Baustein 4: Investment‑Regeln statt Produkt‑Zapping
Ziel: Wofür legen Sie Geld an (Rente, Bildung, „Freiheitskonto“)?
Allokation: Sicherheitsbausteine im Vergleich zum Marktrisiko, deutliche Bandbreiten.
Regeln: Sparrate ist fix, Rebalancing erfolgt jährlich, kein Market‑Timing.
Abgleich: Passt die private Strategie zur Praxis‑Realität (Tilgungen, Geräte, Expansion)?
Baustein 5: Praxisimmobilie, Geräte und Exit
Praxisimmobilie: Getrennte Kostenrechnung (Miete an die Praxis zum Marktpreis, Instandhaltung privat).
Geräte: Business‑Case (Amortisation und Cash‑Wirkung); private Entnahme bleibt unberührt.
Exit/Nachfolge: Struktur frühzeitig klären (Asset‑ versus Share‑Deal), steuerliche Auswirkungen, Tilgungsstände und Cashflow im Ruhestand berücksichtigen.
Fragen, die Ihre Entnahme‑Policy beantworten muss
Wie hoch ist mein tatsächlicher Privatbedarf (inkl. Vorsorge)?
Wie lege ich die Mindest‑ und Ziel‑Puffer der Praxis fest?
Welche Bonus‑Kriterien lösen Zusatzauszahlungen aus?
Welche No‑Gos verhindern Ad‑hoc‑Entnahmen?
Wie werden Steuern und Tilgungen berücksichtigt?
Wie oft und mit wem führe ich das Review durch (InhaberIn, Steuerberater, externer CFO)?
Schlussfolgerung: Entwickeln Sie ihre eigene Entnahme-Policy
Diese Vermögensstrategie fokussiert auf klaren Entnahmeregelungen und einer deutlichen Trennung von Privatleben und beruflicher Praxis. Um für 2026 vorbereitet zu sein, bietet es sich an bis zum Jahresende 2025 eine eigene Entnahme-Policy zu entwickeln, um ihre vier Privat-Töpfe durch Daueraufträge einzurichten.