Wirtschaftsnachrichten für Zahnärzte | DENTAL & WIRTSCHAFT
Persönliche Vorsorge

Jahrelang galten berufsständische Versorgungswerke als verlässliche Säule der Altersvorsorge. Stabil, gut finanziert, solide angelegt – so zumindest die weit verbreitete Wahrnehmung unter Zahnärztinnen und -ärzten. Doch die aktuelle Entwicklung zeigt, dass dieses Vertrauen nicht uneingeschränkt gerechtfertigt war. In gleich mehreren Bundesländern mussten Versorgungswerke zuletzt hohe Verluste melden. Die Frage, die sich viele Betroffene nun stellen: Handelt es sich um ein strukturelles Problem, und was bedeutet das für die langfristige Altersvorsorge im zahnärztlichen Bereich?

Nicht nur Berlin: Weitere Versorgungswerke melden Verluste

Fakt ist: Gleich in mehreren Bundesländern stehen Versorgungswerke aufgrund von Fehlinvestitionen unter Druck. Vor allem riskante Unternehmensbeteiligungen und unbesicherte Darlehen führten zu teils massiven Abschreibungen und Verlusten:

Berlin – Zahnärzteversorgung mit massivem Schaden:

Das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin warnte Ende 2025 seine rund 10.000 Mitglieder vor möglichen Rentenkürzungen und höheren Beiträgen. Grund sind offenbar riskante Beteiligungen und ungesicherte Darlehen. Medien berichten über einen Verlust von bis zu einer Milliarde Euro.

Hessen – Millionenverluste durch Immobilienfinanzierungen:
Die Ärzteversorgung in Hessen musste knapp 300 Millionen Euro auf Immobilien-Mezzanine-Finanzierungen abschreiben, insbesondere auf Projekte insolventer Entwickler.

Bayern – Versorgungskammer verliert durch US-Immobilieninvestments:
Besondere mediale Aufmerksamkeit erfährt derzeit die Bayerische Versorgungskammer (BVK), die auch die zahnärztlichen Einrichtungen betreut und der aktuellste bekannt gewordene Fall ist. Sie rechnet nach Fehlinvestitionen in mehrere US-Immobilienprojekte mit Abschreibungen von bis zu 700 Millionen Euro. An einzelnen Geschäften war wohl der US‑Investor Michael Shvo beteiligt, gegen den in den Vereinigten Staaten Klagen laufen. Die BVK betont zwar, dass laufende Rentenzahlungen nicht gefährdet seien, doch politisch und reputativ ist der Schaden jetzt schon erheblich.

Schleswig-Holstein – 64 Mio. Euro Verlust im ärztlichen Versorgungswerk:
Auch hier wurden hochwertige Immobilienprojekte als Anlage ausgewählt, die dann deutlich an Wert verloren haben. Hier fielen bislang Abschreibungen in Höhe von fast 64 Millionen Euro an.

Damit wird klar: Die Herausforderungen reichen weit über Berlin hinaus – und betreffen zunehmend die Struktur der gesamten berufsständischen Altersversorgung.

Was hinter den Verlusten steckt: Muster, keine Zufälle

Die Analyse der verschiedenen Fälle offenbart gemeinsame Ursachen:

Niedrigzinsjahre: Viele Versorgungswerke investierten verstärkt in alternative Anlagen – nicht alle davon mit solider Risikoabsicherung.

Komplexe Immobilienprojekte: Mehrere Einrichtungen waren Berichten zufolge stärker in Projektentwicklungen engagiert als in klassisch konservativen Anlagestrategien.

Governance-Schwächen: In einigen Werken entscheiden ehrenamtliche Vertreter über hochkomplexe Kapitalmarktprodukte – offenbar nicht immer mit ausreichender Finanzexpertise.

Mangelnde Diversifikation: Einige Werke hatten vermutlich zu hohe Klumpenrisiken in bestimmten Assetklassen, Regionen oder Partnergesellschaften.

Eine unmittelbare Gefährdung der laufenden Renten der Zahnärztinnen und Zahnärzte besteht nach derzeitiger Einschätzung trotzdem nicht. Alle betroffenen Einrichtungen betonen, dass sie weiterhin leistungsfähig sind. Die Verluste werden sich vor allem auf die Rendite und damit in erster Linie auf die Entwicklung künftiger Rentenansprüche auswirken.

So können die zukünftigen Rentenansprüche und -steigerungen durchaus durch die aktuellen Ereignisse beeinflusst werden. Mögliche Auswirkungen wären:

  • geringere Rentenanpassungen in den kommenden Jahren

  • höhere Beiträge zur Stabilisierung des Systems

  • strengere Vorgaben für freiwillige Einmalzahlungen

  • Veränderungen bei BU‑ und Hinterbliebenenleistungen

  • weniger Spielraum für Leistungsverbesserungen

Gerade jüngere Zahnärzte, die noch viele Beitragsjahre vor sich haben, sollten die Entwicklungen deshalb aufmerksam verfolgen. Denn sicher ist im Moment nur: Sie werden sich in Zukunft stärker als bisher mit ihrem Versorgungswerk beschäftigen müssen. Geschäftsberichte, Vertreterversammlungen und Transparenzberichte liefern auch heute schon wertvolle Hinweise darauf, wie solide die Anlagepolitik des jeweiligen Versorgungswerks tatsächlich ist.

Die zahnärztliche Versorgung bleibt stabil, aber der Blick hinter die Kulissen wird wichtiger

Die aktuellen Fälle haben jedenfalls sehr deutlich vor Augen geführt, dass auch Versorgungswerke nicht unverwundbar sind. Zwar haben die meisten Einrichtungen weiterhin eine solide Substanz und leistungsfähige Strukturen, doch die Zeit des unreflektierten Vertrauens seitens der Mitglieder dürfte nun endgültig vorbei sein.

Was Sie jetzt tun sollten: Die wichtigsten Schritte

1. Jahresberichte prüfen

Achten Sie auf:

  • Immobilienquote

  • Anteil illiquider Anlagen

  • aktuelle Abschreibungen

  • Entwicklung des Rentenfaktors

2. Mitbestimmung wahrnehmen:

Vertreterversammlungen sind das wichtigste Instrument, Einfluss zu nehmen.

3. Private Altersvorsorge ergänzen:

Stabilität entsteht durch Breite:ETF‑Sparpläne, konservative Immobilien, Basisrente, Zusatz-BU.

4. Einmalzahlungen hinterfragen:

Lohnen sich Einmalzahlungen oder freiwillige Zuzahlungen noch? Hier ist eine individuelle Berechnung wichtig.

5. Praxisstrategie anpassen:

Praxisverkauf, Investitionen und Liquiditätsplanung sollten künftig stärker mit der Entwicklung des Versorgungswerks abgestimmt werden.

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