Berliner Versorgungswerk der Zahnärzte verlangt rund 82 Millionen Euro von Wirtschaftsprüfern
Marzena SickingLaut rbb24 Recherche fordert das Versorgungswerk der Zahnärzte Berlin rund 82 Millionen Euro Schadenersatz von Wirtschaftsprüfern. Hintergrund sind mutmaßliche Fehlprüfungen früherer Investitionen.
Das Berliner Versorgungswerk der Zahnärzte (VZB) fordert einem Bericht von rbb24 zufolge erstmals Schadenersatz von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Grundlage sind Unterlagen, die der rbb‑Redaktion nach eigenen Angaben vorliegen. Die geforderte Summe beträgt rund 82 Millionen Euro. Die betroffene Prüfergesellschaft hat die Vorwürfe dem Bericht zufolge bislang nicht kommentiert.
VZB beziffert Schadenersatzforderung auf knapp 82 Millionen Euro
Nach Angaben von rbb24 Recherche geht es um einen Betrag von 81.998.924,42 Euro. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hatte den Jahresabschluss 2023 des VZB geprüft und testiert.
Dem Bericht zufolge wirft das VZB den Prüfern vor, ihrer gesetzlichen Prüfpflicht nicht ausreichend nachgekommen zu sein. Konkret gehe es um fehlende Hinweise auf frühere Investitionen und Darlehensvergaben, deren Rechtmäßigkeit aus Sicht des VZB zweifelhaft gewesen sein soll. Die Darstellung basiert auf Dokumenten, die rbb24 Recherche nach eigener Aussage einsehen konnte.
Das Berliner Versorgungswerk (VZB) in Kürze
Pflichtversorgung für Zahnärzte in Berlin, Brandenburg und Bremen
Finanzierung über Mitgliedsbeiträge und Kapitalstock
Versorgungswerk befindet sich in umfassender Neuordnung
Aussagen zu möglichen Auswirkungen auf laufende oder zukünftige Renten stehen weiterhin aus.
Vorwürfe: Unzureichende Prüfung früherer Anlagen
Das Versorgungswerk vertritt demnach die Auffassung, dass eine ordnungsgemäße Jahresabschlussprüfung Unregelmäßigkeiten hätte erkennen können. Wären diese festgestellt und an die zuständigen Gremien kommuniziert worden, wären weitere Zahlungen in bestimmte Anlagen möglicherweise unterblieben. Ob sich diese Darstellung in einem möglichen Gerichtsverfahren bestätigen lässt, bleibt abzuwarten. Eine unabhängige Bewertung liegt derzeit nicht vor.
Keine inhaltliche Stellungnahme der Prüfer – Hinweis auf Berufsrecht
Bereits im Januar 2026 sei eine erste Zahlungsaufforderung an die Prüfergesellschaft versendet worden. Nachdem diese unbeantwortet geblieben sei, habe das VZB laut Bericht im Februar nachgemahnt.
Auf Anfrage von rbb24 äußerte sich die Gesellschaft demnach nicht zu den konkreten Vorwürfen. Sie verwies lediglich darauf, dass die Weitergabe mandats- oder auftragsbezogener Informationen berufs- und strafrechtlichen Vorgaben unterliege.
Hintergrund: Das VZB steht finanziell seit längerem unter Druck
Das Versorgungswerk der Zahnärzte Berlin (VZB) ist die Pflichtversorgungseinrichtung für Zahnärztinnen und Zahnärzte in Berlin, Brandenburg und Bremen. Die Renten werden aus Kapitalanlagen und Mitgliedsbeiträgen finanziert.
In den vergangenen Jahren war das VZB durch Finanzprobleme in die Schlagzeilen geraten:
Ende 2025 informierte die neue Führung über notwendige Beitragserhöhungen.
Der Sanierungsbedarf wurde als erheblich beschrieben.
Aussagen zu möglichen Auswirkungen auf laufende oder zukünftige Renten stehen weiterhin aus.
Der jetzt bekannt gewordene Schadenersatzanspruch sei ein weiterer Schritt in der laufenden Aufarbeitung.