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Zahnmedizin
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Forschung zu Ultraschall-Untersuchungen in der parodontalen Diagnostik

Die Möglichkeiten der Darstellung embryonaler Strukturen mit einem modernen Ultraschallgerät im Rahmen einer Schwangerschaftsuntersuchung sind beeindruckend und vielen werdenden Eltern wohl schon einmal aufgefallen. Wer gar bereits mehrere Kinder hat, konnte möglicherweise gar Zeuge der sprunghaften Entwicklung zu immer sensibleren Detailaufnahmen werden. Mittlerweile besteht mit Hilfe ausgefeilter Algorithmen die Möglichkeit sehr natürlich anmutende und realistische dreidimensionale Eindrücke des sich entwickelnden Kindes, z. B. des Gesichts, darzustellen. In dieser hochempfindlichen Entwicklungsphase müssen Schädigungen, der sich rasch teilenden Zellen unbedingt vermieden werden, da Wachstumsstörungen und Krebs die Folge sein können. Es besteht daher die Notwendigkeit nicht invasiver bildgebender Diagnostik, die ohne ionisierende (Röntgen-)Strahlung auskommen muss.    

Auch im Bereich der parodontalen Diagnostik beschäftigt man sich spätestens seit Mitte der 80er Jahre wissenschaftlich mit Ultraschall-Anwendungen. Bisher konnten jedoch keine praxisreifen Geräte zur breiten Anwendung zur Verfügung gestellt werden. Eine aktuelle französische Studie stellte kürzlich ein neues Gerät vor und hat untersucht, ob hochfrequenter intraoraler Ultraschall (HF-US, ≥ 20 MHz) zur nicht-invasiven Charakterisierung von parodontalen Geweben geeignet ist.

Pilotstudie: Test von intraoralem Ultraschallsystem

Es handelt sich hierbei um eine Pilotstudie mit 13 erwachsenen Probanden, die unterschiedliche parodontale Zustände, i.e. gesund, Gingivitis, Parodontitis, aufwiesen. Mit Hilfe eines recht grazilen Kopfes (Durchmesser 8 mm, Länge 15 mm) und einem hochfrequenten intraoralen Ultraschallsystem wurden Aufnahmen der parodontalen Strukturen vorgenommen und auf einem mobilen Endgerät über eine App dargestellt. Die Ultraschallbilder wurden quantitativ anhand ihrer Echogenität über die Pixel-Dichte analysiert und mit klinischen Parametern verglichen.

Ergebnisse: Darstellung von Gewebe und Strukturen

Es konnten wiederkehrende echogene Muster und hochauflösende Darstellungen der dentalen und der parodontalen Gewebe und Strukturen generiert werden. Während sich Schmelz (starkes Signal) und entzündetes Gewebe (schwaches Signal) deutlich – anhand unterschiedlicher durchschnittlicher Graustufen – unterschieden, wiesen Zement, Bindegewebe, Knochen und Epithel teilweise auch überlappende Signaturen auf. Ein erkennbarer Zusammenhang bestand zwischen der Echogenität und den klinischen Parametern Sondierungstiefe, Attachmentlevel, Bluten auf Sondierung und Furkationsbefall. Darüber hinaus konnten entzündetes und gesundes Gewebe differenziert und supragingivale bzw. subgingivale mineralisierte Ablagerungen detektiert werden. Während die herkömmliche Sondierung durchschnittlich 6 Minuten betrug, dauerte die Ultraschall-Untersuchung etwa 19 Minuten.

Potential von intraoralem Ultraschall in der Zahnarztpraxis

Die hier vorliegende Studie zeigt grundsätzlich, dass hochfrequenter intraoraler Ultraschall durchaus das Potenzial hat, ein nicht-invasives Instrument zur Erkennung parodontaler Strukturen und etwaiger Entzündungen zu werden. Allerdings ließen sich hier noch nicht alle Strukturen nur anhand von Graustufen klar voneinander abgrenzen.

Dieser Nachteil lässt sich aber vermutlich durch die Berücksichtigung weiterer Gewebeparameter wie Textur, Morphologie oder räumliche Orientierung schon in naher Zukunft kompensieren. Darüber hinaus wird die Implementierung von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen aus einem rasch wachsenden Datenvolumen sicher auch zur Entwicklung praxisreifer Geräte beitragen. Vorteile wie frei von ionisierender Strahlung, Schmerzfreiheit, Detektion früher entzündlicher Veränderungen oder 3D-Darstellung liegen auf der Hand und würden für die initiale Diagnostik, Aufklärung und Monitoring nach Therapie sehr hilfreiche Ergänzungen zu den bisherigen Methoden darstellen.

Quelle:

Estrade L, Delpierre A, Rimbaud V, Denis F, Gaël Y. Roche-fort GY, Renaud M. High-frequency intraoral ultrasonogra-phy for periodontal tissue characterization: a pilot studyexploring echogenic signatures and inflammation detection. BMC Oral Health (2025).

Prof. Dr. Clemens Walter

Prof. Dr. med. dent. Clemens Walter

Abteilung für Parodontologie, Oralmedizin und Oralchirurgie Charité Centrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
Prof. Dr. med. dent. Clemens Walter erhielt seine Approbation im Jahr 2000. Von 2001 bis 2003 absolvierte er das Postgraduiertenprogramm in Parodontologie und Implantologie an der Charité Berlin. Die Promotion erfolgte 2005. Von 2010 bis 2021 war er Leiter des Weiterbildungsprogrammes Parodontologie an der Universität Basel, wo er 2012 habilitierte. 2016 wurde er Außerordentlicher Professor an der Universität Basel, 2021 übernahm er den Lehrstuhl für Zahnerhaltung, Parodontologie, Endodontologie, Präventive Zahnmedizin und Kinderzahnheilkunde, Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Universitätsmedizin Greifswald. Prof. Walter arbeitet in der Zahnarztpraxis Asta Fritzke in Greifswald und ist als Titularprofessor an der Abteilung für Parodontologie, Orale Medizin und Orale Chirurgie, Charité-Universitätsmedizin Berlin tätig. Foto: privat
Aßmannshauser Straße 4–6
14197 Berlin

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