Wirtschaftsnachrichten für Zahnärzte | DENTAL & WIRTSCHAFT
Praxisführung
Inhaltsverzeichnis

Der Wandel vom Praxisinhaber zur coachenden Führungskraft ist kein Automatismus, sondern muss eine bewusste unternehmerische Entscheidung sein. Wer das volle Potenzial seines Teams freisetzen will, muss aktiv Verantwortung abgeben, neue Kommunikationsformen lernen und Raum für Entwicklung schaffen. Wer sich als Führungskraft weiterentwickelt, stärkt nicht nur das Team, sondern auch die eigene Praxis – und schafft gleichzeitig attraktive Perspektiven für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung. Wie kann die Entwicklung vom Inhaber zu Coach gelingen und welche konkreten Hebel können wirklich etwas verändern?

Der ganze Weg ist ein Prozess, der Zeit und Übung erfordert. Gerade im demografischen Wandel und im Wettbewerb um gute Fachkräfte braucht es moderne Führungspersönlichkeiten, die Orientierung geben und gleichzeitig Entwicklung ermöglichen. Entscheidend ist dabei ein Mindset-Shift: weg von Kontrolle, hin zu Vertrauen und Kommunikation.

Führungskompetenz ausbauen – bei sich selbst und im Team

Führung beginnt bei einem selbst. Wer ein Team nicht nur anleiten, sondern auch stärken will, sollte sich zuerst mit seiner eigenen Rolle als Führungskraft auseinandersetzen. Was brauchen meine Mitarbeitenden von mir? Wo muss ich das Ruder in die Hand nehmen und wo kann ich loslassen? Praxisinhaber bewegen sich heute in einem Spannungsfeld zwischen medizinischer Tätigkeit, wirtschaftlicher Verantwortung und der Aufgabe, ein ganzes Team zu führen. Persönliches Führungscoaching oder Supervision durch erfahrene Spezialisten helfen dabei, blinde Flecken zu erkennen, das eigene Kommunikationsverhalten zu reflektieren und in herausfordernden Situationen souveräner zu agieren.

Praxisnahe Fortbildungen zu Teamkommunikation oder Konfliktlösung können wertvolle Impulse geben. Diese Tools helfen dabei, die eigene Führungsrolle nicht nur zu erfüllen, sondern aktiv mitzugestalten.

Wer bei mittleren bis größeren Praxen außerdem gezielt Teamleitungen aufbaut und das mittlere Management stärkt, etabliert ein stabiles Führungssystem, das auch bei Abwesenheit oder Veränderung stabil bleibt. Je klarer die Rollen verteilt sind, desto verlässlicher funktionieren Abläufe und Entscheidungswege.

Klare Strukturen für das Praxisteam schaffen

Struktur gibt Sicherheit. Der coachende Inhaber versteht Prozesse und Strukturen nicht als Kontrollelemente, sondern als Ermöglichung. Seine Rolle ist es, Hindernisse zu identifizieren und gemeinsam mit dem Team Lösungen zu erarbeiten. So schafft er ein Umfeld, in dem das Team selbstständig und effizient arbeiten kann. Bei Fragen und Unsicherheiten kennt Ihr Team die Zuständigkeiten und weiß, wer wofür verantwortlich ist. Fest definierte Rollen und Aufgaben – vor allem auf Leitungsebene –, Geschlossenheit bei der internen Kommunikation und ein strukturiertes Qualitätsmanagement geben Orientierung.

Digitalisierung kann bei Aufbau und Stärkung klarer, effizienter Prozesse gezielt unterstützen: Ob smarte Terminvergabe, automatisierte Abrechnung oder digitale Dokumentation. Praxissoftware kann Arbeitsabläufe um ein Vielfaches erleichtern, wenn sie sinnvoll eingesetzt wird. Auf diese Weise wird ein Arbeitsumfeld geschaffen, das Stabilität bietet und dennoch positive Veränderung zulässt. Mit erfahrungsbasierten Prozessanalysen können gemeinsam mit Ihrem Team tragfähige Strukturen entwickelt werden, die im Alltag funktionieren und langfristig entlasten.

Teamarbeit in der Zahnarztpraxis stärken – Verantwortung und Vertrauen fördern

Vertrauen macht Teams stark. Heute bedeutet Führung nicht mehr, alles allein zu entscheiden, sondern gemeinsam produktive Lösungen zu finden. Der Inhaber wird zum Coach, der mit gezielten Fragen statt mit Anweisungen arbeitet – und so sein Team dazu befähigt, eigene Lösungen zu entwickeln. Dieser Vertrauensvorschuss ist die Grundlage für echte Eigenverantwortung, die aus einer transparenten, offenen Kommunikationskultur heraus entsteht. Das bedeutet: Der Inhaber hört aktiv zu, stellt offene Fragen und nimmt die Perspektiven des Teams ernst. Konstruktives Feedback ersetzt Kritik – und gemeinsame Reflexion wird Teil des Führungsalltags. So entsteht ein Dialog auf Augenhöhe, der Vertrauen schafft und Zusammenarbeit stärkt. Um Potenziale gezielt zu erkennen und zu stärken, braucht es zudem regelmäßige Entwicklungsgespräche mit Raum für individuelle Ziele, Wünsche und Feedback.

Ein Coach erkennt: Die Entwicklung der Mitarbeitenden ist eng mit dem langfristigen Erfolg der Praxis verknüpft. Es gilt, individuelle Stärken gezielt zu fördern – sei es durch Weiterbildungen, Mentoring oder gezielte Projektverantwortung. Auch Fehler werden nicht als Rückschläge gesehen, sondern als wichtige Lernchancen verstanden.

Fazit: Der Weg vom Inhaber zum Coach lohnt sich

Zahnmedizin wird an Universitäten gelehrt, Führung meist nicht – dabei ist gerade Letzteres entscheidend für eine langfristige Praxisentwicklung. Klare Strukturen, offene Kommunikation und eine gelebte Entwicklungskultur sorgen nicht nur für zufriedenere Mitarbeitende, sondern auch für ein stimmiges Miteinander. Das spüren auch die Patienten. Der Weg vom Inhaber zum Coach zahlt sich aus: Wer Verantwortung teilt, Entwicklung ermöglicht und Orientierung gibt, schafft ein resilientes Team und eine Praxis, die aus sich selbst herauswächst. Dabei bleibt der Inhaber stets auch Richtungsgeber – durch Haltung, Klarheit und das eigene Verhalten als Führungskraft, das sich über alle Ebenen hinweg entfaltet und das Team nachhaltig prägt.

Jonas Kock

Als Inhaber und Geschäftsführer der Praxisberatung KOCK CONSULTING GmbH entwickelt Jonas Kock maßgeschneiderte Strategien für Heilberufler. Er verfügt über fundiertes Spezialwissen in den Bereichen Praxisbewertung, Kooperationsmodelle und betriebswirtschaftliche Praxisführung.

info@kock-consulting.de

Stichwörter