Adjuvante antimikrobielle Therapie bei Periimplantitis – Herausforderung Resistenzentwicklung?
Prof. Dr. med. dent. Clemens WalterProf. Dr. Clemens Walter fasst eine aktuelle Studie zusammen, die untersuchte, wie empfindlich Bakterien aus Plaque-Proben von zehn Patienten mit Mukositis und Periimplantitis gegenüber drei klassischen Antibiotika waren.
Antibiotika bei Periimplantitis
Die Therapie periimplantärer Läsionen stellt – nach wie vor – eine Herausforderung dar. Insbesondere dann, wenn eine – zunächst ja noch reversible – periimplantäre Mukositis bereits zu einer Periimplantitis exazerbiert ist, ist es schwierig und nicht mehr sicher vorhersagbar, inwiefern der Entzündungsprozess noch zu stoppen ist. Die derzeit diskutierten Optionen reichen von klassischen Therapieverfahren mit Handinstrumenten und Ultraschall, zu moderneren elektrolytischen Verfahren oder der Verwendung von Schmelzmatrixproteinen und Lasern. In vielen Fällen gelingt es damit jedoch nicht den entzündungsbedingten Knochenabbau aufzuhalten. Wenn nicht schon initial die Entscheidung für ein konsequentes chirurgisches Verfahren gefallen ist, kommen häufig dann doch derartige Maßnahmen zum Zuge. Neben den verschiedenen technischen oder prothetischen kausalen Faktoren sollte in der Therapie einer Periimplantitis unbedingt berücksichtigt werden, dass es sich hierbei um eine zumeist opportunistische Infektion mit Mikroorganismen der Mundhöhle handelt. Eine wesentliche Komponente in der Therapie periimplantärer Läsionen ist daher (immer) die Dekontamination der Oberfläche des Implantates. Es ist demzufolge naheliegend und auch gut durch wissenschaftliche Studien bestätigt, dass adjuvante antimikrobielle Maßnahmen unterstützend zur mechanischen Instrumentierung in Betracht gezogen werden. Vor dem Hintergrund des erwarteten Keimspektrums kommen daher häufig die klassischen systemischen Antibiotika Amoxicillin, Metronidazol und Clindamycin zum Einsatz. Doch wie verhält es sich mit der Empfindlichkeit der Bakterien gegenüber diesen Wirkstoffen? Dieser ausgesprochen relevante Punkt wurde kürzlich in einer kleinen Pilotstudie adressiert.
Querschnittsuntersuchung: Empfindlichkeit der Bakterien gegenüber Antibiotika
In dieser Querschnittsuntersuchung wurden zehn Patienten mit mindestens einem implantologischen Misserfolg, der eine Explantation des Implantates erforderte, rekrutiert. Vier Patienten wiesen eine Mukositis und sechs Patienten eine Periimplantitis auf. Nach Explantation und Maßnahmen zur Prävention einer Superinfektion wurde die Plaque entnommen und kultiviert. Die Testungen zur Empfindlichkeit der isolierten Plaque-Proben erfolgten mittels eines Agar-Disk-Diffusionsassays. Hierbei werden die Bakterien auf einer Agar-Platte mit aufgelegten Antibiotika-Disks ausplattiert. Die Plättchen enthielten die antibiotischen Wirkstoffe Amoxicillin, Metronidazol und Clindamycin in den entsprechenden Konzentrationen. Der Parameter, welcher dann die Empfindlichkeit der Bakterien gegenüber den Antibiotika beschreibt, ist die Größe des Hemmhofes in dem kein bakterielles Wachstum um die Disk mehr detektiert werden kann.
Resistenz gegenüber zwei Antibiotika detektiert
In zehn von zehn Proben wurde eine Resistenz gegenüber den Antibiotika Amoxicillin und Metronidazol detektiert. Das bedeutet, es lag bakterielles Wachstum bis zum Rand der Disk vor. Demgegenüber waren in allen Proben deutliche Hemmhöfe um die mit Clindamycin präparierten Disks, indikativ für eine Empfindlichkeit gegenüber diesem Wirkstoff, sichtbar.
Wichtig: Entwicklung von Antibiotika-Resistenzen verzögern
Es handelt sich hier zwar um eine sehr kleine Studie, es geht aber um die schwierige Therapie eines Krankheitsbildes mit zunehmender Prävalenz. Zudem kommen die Daten aus Lateinamerika, einer Region mit recht hohem Antibiotikaverbrauch und folglich hohen Todesraten, die mit antimikrobieller Resistenz in Zusammenhang stehen. Sie sind daher – glücklicherweise – nicht eins zu eins auf deutsche Verhältnisse, mit eher restriktiver ärztlicher Verschreibung derartiger Medikamente, übertragbar. Die Ergebnisse sind interessant, weisen sie doch auf eine besorgniserregende Entwicklung hin. Alle hier nach standardisierten Labormethoden untersuchten bakteriellen Proben wiesen eine Resistenz gegenüber den in implantologischen Kontexten verwendeten systemischen Antibiotika Amoxicillin und Metronidazol auf. Gegenüber dem antimikrobiellen Medikament der zweiten Wahl Clindamycin bestand jedoch weiterhin eine Empfindlichkeit. Bei der Verschreibung dieses Wirkstoffes sind allerdings die gefürchteten Nebenwirkungen Enterokolitis und Darminfektion mit Clostridium difficile oder auch eine toxisch-epidermale Nekrolyse zu bedenken. Auch unser Berufsstand ist in der Pflicht, wenn es darum geht, die Entwicklung von Resistenzen gegenüber antimikrobiellen Wirkstoffen durch die strenge Berücksichtigung wissenschaftlich belegter Indikationen und eine verantwortungsvolle Rezeptierung zu verzögern.
Quelle:Secundino I, Palacios-Castañon Y, Zambrano-Pérez N, Sant-iago-Martínez MP, Zermeño-Loredo MT, Reyes-Martínez JE,Nizet V. Amoxicillin and metronidazole resistance of bacteria isolated from dental implants with peri-implant diseases: a pilot cross-sectional study. Access Microbiol. 2026 Feb 11;8(2):000946.v3.
Prof. Dr. med. dent. Clemens Walter
14197 Berlin