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Geldanlage
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Portfoliomanagerin Stefanie Dyballa von der KSW Vermögensverwaltung AG in Nürnberg

Es gibt sie wieder, kalkulierbare Rendite zum Inflationsausgleich – sind Staatsanleihen und Co. jetzt ein „Muss“ für sicherheitsbewusste Anleger?

Dyballa: Anleihen können ein interessanter Baustein für den Vermögensaufbau sein, aber es kommt sehr darauf, von welchen Anleihen wir reden. Tatsächlich ist es so, dass es nach einer langen Phase von quasi Null- bis Negativzinsen jetzt wieder eine Reihe von festverzinslichen Angeboten gibt, die eine Realrendite ermöglichen. Aber dabei ist es wichtig, Risiken im Blick zu behalten und genau zu kalkulieren, ob sich tatsächlich die Preissteigerungen durch Zinserträge kompensieren lassen, auch nach Abzug von Kosten und Steuern. Zudem ist das Inflationsumfeld und das Zinsniveau dynamisch, was Anleger gerade bei längeren Laufzeiten einkalkulieren sollten.

Haben Sie Sorgen vor einer ausufernden Inflation?

Dyballa: Hyperinflation ist nach den deutschen Erfahrungen in den 1920er Jahren hierzulande immer ein Thema. Aber insgesamt haben sich die Notenbanken durch eine ganze Reihe von seit damals etablierten Sicherheitsvorkehrungen viel besser aufgestellt. Zudem sehen wir zwar einige Probleme in der globalen Wirtschaft, aber sowohl in Deutschland, der EU und den USA ist das Wachstum positiv und wir sind ganz anders aufgestellt als vor hundert Jahren. Wirklich Angst vor völlig aus dem Ruder laufenden Preisen müssen deutsche Anleger eher nicht haben. Aber das heißt nicht, dass Inflation nicht situativ ein Problem sein kann. Das reicht von den hierzulande von einem Hoch zum anderen springenden Benzinpreisen bis zum Beispiel Türkei, wo wir deutlich zweistellige Teuerungsraten in den letzten Jahren gesehen haben.

US-Staatsanleihen galten lange Zeit als sicherer Hafen und bringen momentan bei 10 Jahren Laufzeit um die 5 Prozent Rendite pro Jahr, da können Anleger doch eigentlich nichts falsch machen, oder?

Dyballa: Ganz so einfach ist es leider nicht und auch nicht völlig ohne Risiko. Bei US-Staatsanleihen spielt für Anleger aus dem Euro-Raum zum Beispiel der Wechselkurs eine ganz entscheidende Rolle. Wertet der Dollar etwa wie im letzten Jahr ab, kann das unter dem Strich stärker wirken als die Zinsgewinne. Zudem könnte das Zinsniveau angesichts der immer weiter steigenden Verschuldung der USA auch noch höher klettern. Das führt dann bei längeren Laufzeiten automatisch zu sinkenden Kursen, was einen vorzeitigen Ausstieg verteuert. Insgesamt hat die Politik des amtierenden Präsidenten bisher eher dazu geführt, dass das Vertrauen in den Dollar und die US-Staatsanleihen gesunken ist.

Sind hier deutsche Staatsanleihen die bessere Alternative?

Dyballa: Grundsätzlich liegen einige deutsche Staatsanleihen wieder leicht über dem Inflationsniveau und können gut als konservativer Baustein in einem Depot eingesetzt werden, gerade im Vergleich zu US-Staatsanleihen. Aber Anleger sollten hier bedenken, dass der Aufschlag auf die Inflation eher gering ist oder anders ausgedrückt, die Realverzinsung ist überschaubar. Als Teil eines breit aufgestellten Vermögens kann so etwas natürlich zur Diversifikation eingesetzt werden, aber es ist kein besonders wachstumsstarker Baustein. So etwas ist sicher kein Allheilmittel für Vermögen, denn sollte die Inflation noch etwas anziehen, wie wir es nach der Coronazeit erst vor Kurzem erlebt haben, kann das gerade bei länger laufenden Papieren problematisch werden.

Welche Fehler sollten gerade Anfänger bei Anleiheninvestments generell vermeiden?

Dyballa: Neben den schon angesprochenen Währungs- und Zinsänderungsrisiken, unterschätzen viele das Emittentenrisiko. Also den Fall, dass der Herausgeber eines festverzinslichen Wertpapiers zahlungsunfähig wird und ein Teil des investierten Geldes weg ist oder auch ein Totalverlust droht. Das kann auch bei Staatsanleihen passieren, wie etwa die Beispiele Griechenland oder Chile zeigen.

Rekorde bei der Staatsverschuldung etwa in den USA oder geopolitische Verschiebungen mit Folgen für die Wechselkurse, sollten gerade bei längeren Laufzeiten einkalkuliert werden. Bei in Euro lautenden Anleihen besteht für Anleger aus dem Euroraum kein entsprechendes Fremdwährungsrisiko. Aber auch hier sollten sie sich nicht von hohen Renditeversprechen blenden lassen. Es hat Gründe, warum Frankreich angesichts eines hohen Schuldenbergs und trotzdem nicht wirklich sinkender Staatsausgaben gerade bei längeren Laufzeiten deutlich höhere Zinsen als Deutschland bieten muss.

Wie nutzen Profianleger Anleihen?

Dyballa: Hier lautet das Leitmotiv wieder einmal: Diversifikation. Wir nutzen Anleihen zum Beispiel als Gegengewicht zu Aktien, um Schwankungen ein Stück weit auszugleichen. Auch wenn Kunden eine regelmäßige Entnahme anstreben, setzen wir Renten und Co. ein. Dazu mischen wir zum Beispiel verschiedene Laufzeiten, um das Zinsänderungsrisiko abzufedern, aber trotzdem einen durchgehenden Chashflow zu ermöglichen. Das heißt, wir können mit einem Teil der Anleiheninvestments stets auf dynamische Entwicklungen kurz- bis mittelfristig reagieren.

Zudem schauen wir uns nicht nur festverzinsliche Papiere von Staaten an, denn die haben derzeit starke Konkurrenz. Gerade die Unternehmensanleihen manches großen Techkonzerns rund ums Thema KI bieten zum Beispiel derzeit oft interessante Rendite-Risiko-Relationen für eine gut ausdiversifizierte Depotstruktur.

Inflation, Zinsen, Schulden – wie hängt das zusammen?

Wenn Waren und Dienstleistungen teurer werden, verliert Geld an Kaufkraft. Um diese Inflation oder anders ausgedrückt den Geldwertverlust zu verlangsamen, können Zentralbanken den Leitzins erhöhen. Kurz gesagt erhöht das den Preis zu dem Banken Geld verleihen können und das bremst den Konsum und die Wirtschaft, wodurch die Preise im besten Fall langsamer steigen und die Inflation zurückgeht. In solchen Phasen müssen erfahrungsgemäß auch die Herausgeber neuer Anleihen in der Regel mehr bieten, damit Investoren ihnen Geld leihen und mindestens einen Inflationsausgleich dafür bekommen.

Warum sind die weltweit gestiegenen Staatsschulden in solchen Situationen ein Problem?

Grundsätzlich verteuern anziehende Leitzinsen es in der Regel für Staaten Geld zu leihen. Das brauchen diese aber nicht nur, um neuen Projekte zu verwirklichen, sondern auch um auslaufende Anleihen neu zu finanzieren. Ein steigendes Zinsniveau führt also unter dem Strich dazu, dass die Zinslast insgesamt deutlich steigt – Geld, das dann im Haushalt bei Schulen oder Straßen fehlt. Eine echte Zwickmühle, denn theoretisch hilft Inflation sogar, dass Schulden weniger stark ins Gewicht fallen, was gut für die Staaten klingt. Aber eine zu schnelle Geldentwertung führt auch dazu, dass klassische Sparer bestraft werden und die alltägliche Lebensführung immer schwieriger wird, was schlecht für die Bürger ist und im Extremfall zum volkswirtschaftlichen Kollaps führen kann. Hier eine gute Balance zu wahren, ist die Aufgabe der nicht umsonst möglichst von der Politik unabhängigen Notenbanken.

Quelle:

V-Bank

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