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Geldanlage

Krieg, Krisen, Chaos – lange stiegen die Börsen trotzdem, dann schienen sie nervös zu werden. Können Anleger trotzdem noch einsteigen oder folgt jetzt der große Crash?

Wagner: Tatsächlich waren die Märkte bisher relativ resilient, aber zuletzt scheinen die in vielen Medien immer stärker betonten Sorgen zu überwiegen. Außerdem spürt jeder Einzelne derzeit besonders an der Tankstelle, aber auch schon im Supermarkt, dass man sich wieder weniger für sein Geld kaufen kann, nachdem sich die Inflation gerade beruhigt zu haben schien. Das ist natürlich ein schwieriges Umfeld, aber aus meiner Perspektive lässt sich daraus nicht ableiten, ob es genau jetzt der richtige oder falsche Moment ist, um an der Börse zu investieren. Historisch betrachtet gab es immer wieder Krisen und darauffolgende Kurstäler. Wer aber genug Zeit mitbrachte, konnte das selbst bei einem denkbar ungünstigen Einstiegszeitpunkt stets aussitzen.

Aber teilen Sie nicht die großen Sorgen, wie den Crash des KI-Booms, die ausufernden Staatsschulden oder kriegerische Eskalationsgefahr?

Wagner: Wir erwarten nicht den kurz bevorstehenden Untergang des Abendlands oder des Finanzsystems. Natürlich gibt es Probleme und die dürfen auch nicht unterschätzt werden. Aber ein Blick zurück zeigt, dass heute vielleicht unüberwindbar scheinende Schwierigkeiten in ein paar Jahren gar nicht mehr so bedeutsam sein könnten. Denken Sie an die Lehmann-Pleite 2008, damals befürchteten viele Anleger die Kernschmelze des Finanzsystems und die damalige Kanzlerin Angela Merkel und ihr Finanzminister Peer Steinbrück versicherten den Sparern vor laufender Kamera, dass ihr Geld auf den Sparkonten sicher ist. Inzwischen ist das auch nur noch eines von vielen Ereignissen, die die Märkte zwar bewegten, aber letztlich hat sich alles wieder stabilisiert und in Qualitätsaktien langfristig investiert zu sein war keine schlechte Wahl trotz der Schwankungen.

An der Börse ist es wichtiger Zeit mitzubringen, statt den richtigen Zeitpunkt zu erwischen – stimmt diese Anlegerregel?

Wagner: Tatsächlich ist es gut erforscht, dass es in der Vergangenheit in den allermeisten Fällen langfristig wichtiger war, eine gute grundsätzliche Anlagestrategie, statt das richtige Timing zu haben. Außerdem hat niemand – auch noch so erfahrene Börsenprofis – eine Glaskugel, die Kursbewegungen zuverlässig vorhersagen könnte. Natürlich macht es Sinn, sich Unternehmen vor einem Investment sehr gut anzusehen, sofern man direkt in ausgewählten Aktien investieren möchte. Anhand von Fundamentaldaten lässt sich ein Stück weit einschätzen, ob der Kurs gerade relativ teuer ist oder die Bewertung noch Luft nach oben bietet. Aber auch hier gilt, letztendlich wird niemand den perfekten Zeitpunkt für einen Ein- oder Ausstiegstieg erwischen, egal wie gut die Analyse ist. Schließlich bietet sich auch immer die Möglichkeit, in gemanagte Anlageprodukte, Fonds und ETF zu investieren.

Wie bekämpfen Sie das Gefühl, etwas zu verpassen – also die „Fomo“?

Wagner: Manche kennen noch die Börsenlegende André Kostolany und der riet mal, dass niemand einer Straßenbahn hinterherlaufen solle, denn bald kommt sowieso die nächste. Wer schon länger im Geschäft ist weiß, Chancen im Aktienmarkt gibt es immer wieder und nur weil alle gerade in etwas investieren, ist das noch kein wirklich guter Grund, das auch zu machen, ohne überzeugt zu sein. Wir können heute weltweit in tolle Unternehmen investieren und über ETFs sogar in sonst kaum zugängliche Märkte, da fehlt es nicht an Möglichkeiten. Ohne Frage verändert sich unsere Welt gerade technologisch enorm und in vielen Bereichen wird sich irgendwann die Spreu vom Weizen trennen. Das von Kostolany ebenfalls empfohlene Erfolgsprinzip, Aktien zu kaufen, sich schlafen zu legen und sie einfach ewig zu halten, ist deswegen wohl nicht mehr in jedem Fall zukunftsträchtig.

Viele haben eher das Problem, dass sie nicht investieren, weil sie ganz sicher nichts falsch machen möchten – ist das eine gute Strategie?

Wagner: Grundsätzlich ist Sicherheit bei Anlageentscheidungen ein wichtiger Aspekt und zu befürworten. Aber vor allem deutsche Anleger neigen besonders dazu, dem nächsten „0,5-Prozent-mehr“ Lockangebot für Tages- oder Festgeldgeld hinterherzujagen, obwohl damit in der Regel auf Dauer noch nicht mal die Inflation ausgeglichen werden kann. Viele Sparbuch-Fans denken noch immer, dass eine Investition in Qualitätsaktien gleichzusetzen ist mit dem Besuch eines Spielcasinos. Gleichzeitig haben sie aber immer das neueste Smartphone, fahren stolz brandneue Automodelle oder nutzen alltäglich IT-Dienstleistungen. Aber in die dahintersteckenden Unternehmen zu investieren, scheuen sie sich, obwohl das in der Vergangenheit langfristig oft eine gute Idee war. So langsam wächst jedoch eine neue Generation heran, die verstärkt die Chancen solcher Investments sieht und das in ihre Anlagestrategie einbaut.

Angenommen jemand bekommt 100.000 Euro aus einer Lebensversicherung ausgezahlt, wie könnte dieses Geld investiert werden, ohne Angst vor dem richtigen Timing zu haben?

Wagner: Zunächst ist es wichtig zu klären, wann dieses Geld gebraucht wird oder anders formuliert, den Investitionshorizont abzustecken. Wenn in wenigen Monaten oder im nächsten Jahr größere Ausgaben für eine Hausrenovierung anstehen, ein Auto gekauft werden soll oder ein Kredit fällig wird, dann bleibt für diesen benötigten Anteil Tages- oder Festgeld oder kurzlaufende Anleihen solider Bonität die richtige Wahl. Steht ein Teil der Summe langfristig zur Verfügung, kann ein Einstieg in den Aktienmarkt gestaffelt werden. Also etwa, jetzt ein Drittel, in drei oder sechs Monaten nochmal und dann in einem Jahr der Rest. Durch so eine Staffelung werden Sie zwar nie den optimalen Einstiegszeitpunkt treffen, aber eben auch nicht den denkbar schlechtesten. Letztendlich sollte man mit dieser Herangehensweise vermeiden, zwar das Richtige zu tun, jedoch zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

Breite Investmentideen

Mit passiven, börsengehandelten Indexfonds (ETFs) können Anleger zu vergleichsweise geringen Kosten in Unternehmen auf der ganzen Welt investieren. Grundsätzlich gilt, wenn gleichzeitig auf viele Aktien gesetzt wird, fallen Einzelrisiken nicht mehr so stark ins Gewicht. Wer den Gedanken einer breiten Diversifizierung konsequent beachtet, streut Investments zum Beispiel auch über verschiedene Regionen und Währungsräume, um Klumpenrisiken zu vermeiden

Name

ISIN

Laufende Kosten

Kurzbeschreibungen

Vanguard FTSE All-World (USD)

IE00BK5BQT80

0,19 %

Weltweite Aktienmischung, US-Anteil ca. 58,5 Prozent

iShares Core MSCI World (USD)

IE00B4L5Y983

0,20 %

Weltweite Aktienmischung, US-Anteil ca. 67,8 Prozent

Amundi Core Stoxx Europe 600 - (EUR)

LU0908500753

0,07 %

Europäische Aktienmischung

iShares Core MSCI Europe (EUR)

IE00B4K48X80

0,12 %

Europäische Aktienmischung

Xtrackers MSCI Emerging Markets (USD)

IE00BTJRMP35

0,18 %

Schwellenländer Aktienmischung

iShares Core MSCI EM IMI UCITS (USD)

IE00BKM4GZ66

0,18 %

Schwellenländer Aktienmischung

Quelle: onvista.de, Stand 18.3.26

   

Bitte beachten Sie: Diese Tabelle dient nur der beispielhaften Darstellung und ist keine Anlageempfehlung!

Quelle:

VBank

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