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Geldanlage
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Claus Walter, Freiburger Vermögensmanagement

Herr Walter, empfehlen Sie grundsätzlich eine Beimischung von Gold im Portfolio?

Claus Walter: Gold gilt als Wertaufbewahrungsmittel, mit dem sich die Kaufkraft erhalten lässt. Dazu bot in der Vergangenheit Gold den Vorteil, dass es kaum mit den Aktienmärkten korrelierte und damit gerade in Zeiten hoher Volatilität als Sicherheitsanker dient. Deshalb empfehlen wir immer eine Beimischung von fünf bis zwölf Prozent.

Sie sagen, in der Vergangenheit korrelierte Gold kaum mit Aktien. Hat sich das geändert?

Claus Walter: Ja. Wir haben im vergangenen Jahr einen deutlichen Anstieg des Goldpreises gesehen. Ausschlaggebend dafür war, neben den Käufen der Notenbanken, vor allem die Zuflüsse in Gold-ETCs durch Investoren, worin sich meiner Ansicht nach auch die Sorge vor der ausufernden Staatsverschuldung widerspiegelt. Das Problem daran ist, dass viele dieser Anleger bereit sind, zu verkaufen, wenn es am Markt runter geht. Durch diese gestiegene Korrelation zu den Märkten nimmt die Schutzfunktion von Gold ab.

Deutlich besser als der Goldpreis haben sich Goldminenaktien entwickelt. Sind sie eine Alternative zu physischem Gold?

Claus Walter: Goldaktien bieten einen Hebel gegenüber dem Goldpreis. Goldminenbetreiber produzieren zu bestimmten Kosten. Wenn der Preis für Gold um 20 Prozent steigt, dann steigt der Umsatz um 20 Prozent und der Gewinn verdoppelt sich plötzlich, weil sich die Kosten der Goldförderung dadurch nicht erhöhen. Aber Vorsicht: Dieser Hebeleffekt funktioniert in beide Richtungen.

Das heißt, bei einem sinkenden Goldpreis fallen die Aktien stärker?

Claus Walter: Ja, auch das haben wir schon erlebt. Das heißt, Goldaktien sind sehr volatil und eignen sich deshalb nur für sehr risikofreudige Anleger, die sich intensiv mit der Materie beschäftigen. Als Beimischung im Portfolio zur Absicherung würde ich immer physisches Gold oder physisch hinterlegte Gold-ETCs empfehlen.

Wie ist Ihr Ausblick auf Gold?

Claus Walter: Entscheidend wird sein, was der Nachfolger von Jerome Powell, dem derzeitigen Vorsitzenden der US-Notenbank Fed, macht. Gibt er der Forderung von US-Präsident Trump nach massiven Zinssenkungen nach, dann könnten wir einen Anstieg der Inflation, einen Vertrauensverlust der Anleger in die USA und einen schwachen US-Dollar sehen. Das könnte den Goldpreis in 2026 weiter antreiben. Nach der starken Entwicklung in 2025 ist aber auch eine heftige Korrektur denkbar.

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