Wirtschaftsnachrichten für Zahnärzte | DENTAL & WIRTSCHAFT
Praxis
Inhaltsverzeichnis

1. Die erste Begegnung

Wenn ein Kleinkind das erste Mal in die Praxis kommt, ist vieles neu: der große Stuhl, die fremden Geräusche, Menschen mit Masken und vieles mehr. Umso wichtiger ist es, den ersten Zahnarztbesuch zu einem positiven Erlebnis zu machen. Kinder erleben den Besuch nicht rational, sondern emotional – eine warme Begrüßung, in die Hocke gehen, um Augenkontakt auf Augenhöhe herzustellen und ein freundliches Lächeln sind oft wirkungsvoller als jede Erklärung. Statt „Bitte auf den Stuhl setzen“ könnte es in einer direkten Ansprache vielleicht heißen: „Magst du mal auf unseren Zauberstuhl klettern? Der kann sich drehen wie ein Karussell.“

Kommunizieren Sie mit den Eltern, dass sie ihre Kleinkinder gerne zur Kontrolluntersuchung der Eltern mitbringen dürfen. So können die Mini-Menschen ganz entspannt zuschauen und erleben, dass ein Zahnarztbesuch nichts Schlimmes ist. Wichtige Voraussetzung: Auch Mama und Papa bleiben gelassen! Getreu dem Motto: „Entspannte Eltern, entspannte Kinder.“

2. Instrumente werden Freunde

Um die unfreundlichen Bröckelmonster im Zahn zu vertreiben wird der Rosenbohrer zum „Bagger“, oder zur „kitzelnden Zahnbürste“. Durch spielerische Begriffe verlieren die Instrumente ihren Schrecken – so die Theorie. Besonders hilfreich ist es, dem Kind jedes Gerät vorher zeigen, anfassen lassen, eventuell auch kurz an der Hand demonstrieren.

Ein paar bewährte Begriffe aus der „Zahnarzt-Kindersprache“:

  • Mundspiegel = Licht-Löffel oder Zahnspiegel für kleine Entdecker

  • Sonde = Zauberstab

  • Sauger = Zahnstaubsauger oder Schlürfi-Schlürf

  • Luft-Wasser-Spritze = Dusche für deine Zähnchen

  • Luft-Düse = Feenstaub

  • (Oberflächen-)Anästhesie = Zaubersaft, Zaubertropfen

  • Bohrer = Bagger

  • Füllmaterial = Zauberpaste oder Zuckerglasur für tapfere Ritterzähne

  • Watterolle = Wolkenwatte

  • Matrize = Tortenring

  • Kinderkrone = Prinzessinnenkrone, Zahn-Haus

3. Behandlung als Abenteuer oder Handwerk

Nachdem Ihr kleiner Patient auf dem Stuhl Platz genommen hat, empfiehlt es sich auf Ablenkungstechniken zurückzugreifen. Geben Sie ihm ein Kuscheltier, zum Beispiel ein Krokodil mit weit geöffnetem Mund mit sichtbaren Zähnen, in die Hände. Dies gibt dem Kind zum einen ein vertrautes Kuscheltier-Gefühl und zum anderen können Sie daran Ihre Behandlung demonstrieren und dem Kind die einzelnen Behandlungsschritte erklären. Beziehen Sie das Kind in die Behandlung und in Entscheidungen mit ein – dadurch fühlt es sich ernst genommen und aktiv beteiligt. Lassen Sie das Kind mitmachen, soweit es geht, beispielsweise beim Halten des Saugers oder beim Halten eines Spiegels und zählen der Zähne. Fragen Sie, welche Geschmacksrichtung es bei der Oberflächenanästhesie (Zaubersaft) lieber hätte und lassen Sie das Kind vorab mitfühlen, indem Sie Ihre Behandlungsschritte an der Hand oder dem Arm des Kindes demonstrieren.

Aus der Kinderpsychologie ist bekannt, dass Kinder in Behandlungssituationen häufig Angst vor Kontrollverlust haben. Es ist daher empfehlenswert, vor Beginn der Behandlung ein „Code-Wort“ oder eine Handbewegung zu vereinbaren, mit der das Kind jederzeit eine Pause einfordern kann. Dies stärkt das Sicherheitsgefühl und fördert eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Die eigentliche Untersuchung oder Behandlung lässt sich als kleines Abenteuer oder Baustelle sprachlich verpacken:

  • „Schau mal hier, ich hole meine Superlupe raus und du machst deinen Mund ganz weit auf, wie ein brüllender Löwe!“

  • „Wir bauen deinem Zahn jetzt eine Ritterrüstung, damit keine Zucker-Krümelmonster mehr hineinkommen!“

  • „Wir rühren jetzt ein bisschen Zement an und bauen ein Dach auf deinen Zahn, damit er vor Regen und Sturm geschützt ist.“

Ihrer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Tipp aus der Kinderpsychologie:

Vereinbaren Sie vor der Behandlung mit dem Kind ein „Code-Wort“ oder eine Handbewegung, sodass das Kind jederzeit eine Pause einfordern kann. Das stärkt Vertrauen und Sicherheit – für beide Seiten.

4. Abschluss mit Zauberworten

Nach der Behandlung ist Lob besonders wichtig – ehrlich, kindgerecht und mit kleinen Ritualen: „Du hast das großartig gemacht! Deine Zähne danken dir, dass du so schön mitgemacht hast. Jetzt möchten sie sich ausruhen – und du bekommst einen kleinen Zahnhelden-Stempel.“

Eine Belohnung in Form von einer kleinen Überraschung aus der berühmten Schatzkiste rundet das positive Erlebnis ab – und der nächste Termin wird mit weniger Scheu erwartet.

Fazit: Kinderzahnheilkunde ist weit mehr als zahnärztliches Fachwissen – sie braucht vor allem Geduld, Fantasie und Freude am Umgang mit kleinen Persönlichkeiten. Wer es schafft, den Praxisbesuch in ein angenehmes Erlebnis zu verwandeln, leistet nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Mundgesundheit, sondern prägt die Haltung zum Zahnarztbesuch ein Leben lang.

„Tell-Show-Do“–Prinzip

  • Erklären Sie Ihr Vorgehen spielerisch.

  • Zeigen Sie dem Kind die verwendeten Geräte und Instrumente.

  • Beziehen Sie das Kind mit ein und lassen es mitmachen.

Tanja Schütt, ZMV, Korrespondentin und Autorin bei LAFRENTZ  Abrechnungsservice & Seminare in Fehmarn

Tanja Schütt

ZMV, Korrespondentin und Autorin, LAFRENTZ Abrechnungsservice & Seminare
Foto: ©Lafrentz Abrechnungsservice/Photoroom

t.schuett@dental-lafrentz.de

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