Wirtschaftsnachrichten für Zahnärzte | DENTAL & WIRTSCHAFT
Praxisführung

In Zeiten, in denen Zahnärzte oft händeringend nach guten Mitarbeitern suchen, sind Umfragen wie der Randstad Employer Brand Research eine begehrte Lektüre für Praxischefs. Seit dem Jahr 2000 ermittelt der renommierte Personaldienstleister im Rahmen einer aufwendigen Studie, welche Faktoren, Beschäftigten bei der Arbeitgeberwahl besonders wichtig sind. Die Ergebnisse für das Jahr 2026 waren eindeutig – und unerwartet.

Stolze 58 Prozent der Beschäftigten in Deutschland gaben bei der aktuellen Erhebung an, die Sicherheit ihres Jobs als wichtigstes Kriterium für einen attraktiven Arbeitgeber anzusehen. Eine angenehme Arbeitsatmosphäre ist für 54 Prozent der Hauptfaktor, 52 Prozent achten vor allem auf eine gute Work-Life-Balance – das Gehalt und sonstige Benefits war nur für 50 Prozent der Befragten das entscheidende Thema.

Die Ergebnisse und ihre Übersetzung in den Praxisalltag

Studienergebnis

Was bedeutet das für die Zahnarztpraxis?

Konkrete Maßnahme

Jobsicherheit

Verlässliche Kommunikation zur wirtschaftlichen Lage und Personalplanung

Jahresgespräch, transparente Dienstplanung

Arbeitsatmosphäre

Führungsverhalten und Teamkonflikte beeinflussen die Bindung

Regelmäßige Teamgespräche, klare Zuständigkeiten

Work-Life-Balance

Planbare Arbeitszeiten und Rücksicht auf private Verpflichtungen

Dienstplan mit Vorlauf, feste freie Tage

Vergütung

Marktgerechte Bezahlung bleibt unverzichtbar

Gehaltsvergleich, transparente Entwicklungsmöglichkeiten

 

Vergütung ist nicht mehr das wichtigste Kriterium für Bewerber

Die Ergebnisse der jüngsten Befragung unterscheiden sich damit deutlich von jenen des Jahres 2025. Damals stand die Vergütung noch unangefochten an erster Stelle der wichtigsten Kriterien bei der Arbeitgeberwahl. 2026 rutschen Gehalt und Benefits dagegen auf Platz 4 ab.

Je nachdem, welcher Generation ein Arbeitnehmer angehört, können sich die Prioritäten allerdings nochmal deutlich verschieben.

Deshalb unterschieden die Forscher zwischen Angaben der älteren Erwerbstätigen, die zwischen 1946 und 1964 geboren sind („Babyboomer“), jenen der Generation X (1965 bis 1980), der Millenials (1981 bis 1996) und der digital Natives (Gen Z, Jahrgänge 1997–2012).

Ältere wollen gut verdienen, Jüngere eine gute Work-Life-Balance

Dabei wird deutlich: Die Arbeitsplatzsicherheit gewinnt mit zunehmendem Alter an Bedeutung. Während die Gen Z das Thema Sicherheit nur zu 47 Prozent auf Platz eins der wichtigsten Kriterien wählt, setzen bei den Babyboomern stolze 74 Prozent hier ihre Prioritäten. Auffallend ist zudem, dass Frauen das Thema mit 62 Prozent wichtiger ist als Männern (53 Prozent).

Eine gute Work-Life-Balance ist hingegen vor allem bei der jüngeren Generation ein Thema: Sie hat bei 53 Prozent der Millenials und 56 Prozent der Gen X – Angehörigen höchste Priorität. Frauen ist sie mit 57 Prozent deutlich wichtiger als Männern (47 Prozent).

Geld ist besonders für die ältere Generation wichtig. Von den Babyboomern gaben sieben von zehn Befragten die Bezahlung als wichtigsten Faktor bei der Arbeitgeberwahl an. Im Vergleich dazu waren es in der GenZ nur vier von zehn. Mit steigendem Bildungsgrad gewinnen finanzielle Aspekte allerdings wieder an Bedeutung: Während nur 37 Prozent der Befragten mit niedrigerem Bildungsstand die Jobwahl vor allem vom Geld abhängig machten, lag die Quote bei den Talenten mit höherem Bildungsstand bei 52 Prozent.

Selbstcheck

Ist ihre Praxis attraktiv? An diesen Fragen erkennen Sie es!

  • Ist das Gehalt in meiner Praxis konkurrenzfähig?

  • Wie kurzfristig ändere ich Dienstpläne?

  • Wie werden Überstunden ausgeglichen?

  • Wie läuft die Einarbeitung?

  • Wie reagieren wir auf Fehler?

  • Gibt es Entwicklungsmöglichkeiten?

  • Wie schnell erhalten Bewerber eine Rückmeldung?

  • Was würde mein Team anonym über mich sagen?

Was Bewerber unter guten Arbeitsbedingungen verstehen

Was bedeutet all das nun für Zahnärzte auf Personalsuche? „Unternehmen sollten die Ergebnisse nicht so lesen, dass Gehalt jetzt zweitrangig wird“, rät Verena Menne, Director Group HR bei Randstad Deutschland. Attraktive Chefs verbänden vielmehr wirtschaftliche Verlässlichkeit mit guten Arbeitsbedingungen. Wer Beschäftigte halten und gewinnen wolle, müsse Stabilität glaubwürdig vermitteln und gleichzeitig bei Vergütung und Work-Life-Balance überzeugen. Gerade im Gesundheitswesen ist das ein hoher Anspruch.

Fünf Maßnahmen, die eine Zahnarztpraxis sofort umsetzen kann

  1. Dienstpläne verbindlich und frühzeitig veröffentlichen

    Warum das attraktiv ist: Planbarkeit ist für Mitarbeiter oft mehr wert als ein einzelner Benefit. Wer private Termine, Kinderbetreuung oder Erholung organisieren kann, erlebt die Praxis als verlässlich.

  2. Mit jedem Mitarbeiter ein 20-minütiges Kurzgespräch führen

    Warum das attraktiv ist: Viele Praxisinhaber glauben, ihre Mitarbeiter zu kennen. Im hektischen Alltag werden Probleme aber häufig erst angesprochen, wenn jemand innerlich bereits gekündigt hat.

  3. Einen klaren Einarbeitungsplan erstellen

    Warum das attraktiv ist: Ein chaotischer Einstieg wird schnell als Zeichen schlechter Organisation oder mangelnder Wertschätzung wahrgenommen. Gerade gute Bewerber achten darauf, wie professionell eine Praxis tatsächlich geführt wird.

  4. Gehalt und Entwicklung transparent besprechen

    Warum das attraktiv ist: „Gutes Arbeitsklima“ ersetzt keine faire Bezahlung. Mitarbeiter wollen nachvollziehen können, nach welchen Kriterien sich ihr Einkommen und ihre Verantwortung entwickeln.

  5. Eine konkrete Teamregel für respektvolle Zusammenarbeit vereinbaren

    Warum das attraktiv ist: Arbeitsatmosphäre entsteht nicht durch einen Obstkorb, sondern durch tägliches Verhalten. Besonders in kleinen Teams wirken Konflikte und schlechte Kommunikation unmittelbar auf die Stimmung und die Patientenversorgung.

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