Wirtschaftsnachrichten für Zahnärzte | DENTAL & WIRTSCHAFT
Zahnmedizin
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Hintergrund

Aus Patientensicht entscheidet sich der Erfolg eines Einzelzahnimplantats in der ästhetischen Zone häufig nicht primär an der Osseointegration, sondern daran, ob der implantatgetragene Zahn im Lächeln natürlich und unauffällig wirkt. Sichtbare Unterschiede im Weichgewebsverlauf, fehlende Papillen, Volumendefizite oder Farb- und Texturabweichungen der Mukosa können die Zufriedenheit deutlich beeinflussen, auch wenn das Implantat biologisch und funktionell erfolgreich ist. Für Behandler stellte sich daher die Frage, wie periimplantäre Weichgewebsästhetik nachvollziehbar und reproduzierbar bewertet werden kann. Vor der Einführung standardisierter Bewertungssysteme wurden ästhetische Ergebnisse häufig subjektiv beschrieben, was Vergleiche zwischen Studien, Behandlungskonzepten und Behandlern erschwerte. Daraus ergab sich die Notwendigkeit, einen einfachen und reproduzierbaren Score zur Bewertung periimplantärer Weichgewebe zu entwickeln. Der hierfür heute etablierte Pink Esthetic Score (PES) wurde bereits vor etwa 20 Jahren beschrieben und soll im Folgenden kurz vorgestellt und eingeordnet werden.

Material und Methoden

Fürhauser und Mitarbeiter untersuchten 30 Einzelzahnimplantatkronen im Oberkiefer anhand standardisierter intraoraler Fotografien. Die periimplantäre Weichgewebssituation wurde im Vergleich zur natürlichen Referenz mithilfe des neu eingeführten Pink Esthetic Score bewertet. Dieser umfasst sieben Kriterien: mesiale Papille, distale Papille, Weichgewebsniveau, Weichgewebskontur, Volumen-/Konturdefizit des Alveolarkamms im Bereich der Implantatkrone, Weichgewebsfarbe und Weichgewebstextur. Jedes Kriterium wurde mit 0, 1 oder 2 Punkten bewertet, sodass maximal 14 Punkte erreicht werden konnten. Die Fotografien wurden von 20 Untersuchern aus unterschiedlichen fachlichen Gruppen zweimal im Abstand von vier Wochen beurteilt, um die Reproduzierbarkeit des Scores zu prüfen.

Ergebnisse

Die mittleren PES-Werte unterschieden sich zwischen erster und zweiter Bewertung nicht signifikant. Damit zeigte sich, dass der Score grundsätzlich reproduzierbar angewendet werden kann. Die Übereinstimmung war besonders hoch bei eindeutig sehr guten oder eindeutig schlechten ästhetischen Ergebnissen. Bei mittleren Fällen zeigte sich dagegen eine größere Streuung, was auf einen höheren Interpretationsspielraum hinweist. Zwischen den Untersuchergruppen bestanden Unterschiede: Kieferorthopäden bewerteten die Fälle im Durchschnitt kritischer als die übrigen Gruppen.

Klinische Schlussfolgerungen

Mit rund 1.800 Zitierungen zählt diese Arbeit von Fürhauser et al. zu den besonders häufig zitierten Grundlagenpublikationen der ästhetischen Implantologie. Sie etablierte den Pink Esthetic Score als wichtigen ästhetischen Outcome-Parameter, insbesondere bei Einzelzahnimplantaten in der anterioren Maxilla. Besonders einflussreich war die spätere Kombination mit dem White Esthetic Score durch Belser et al., wodurch die PES/WES-Bewertung zu einem verbreiteten Standard für die ästhetische Gesamtbeurteilung implantatgetragener Einzelkronen wurde. Der PES bietet ein einfaches und reproduzierbares Instrument zur Bewertung periimplantärer Weichgewebe bei Einzelzahnimplantaten. Er hilft, ästhetische Defizite nicht nur als Gesamteindruck zu beschreiben, sondern gezielt einzelnen Bereichen wie Papillen, Weichgewebsverlauf, Kontur, Volumen, Farbe oder Textur zuzuordnen und mit objektivierbaren Kriterien zu erfassen. Das Bewertungsschema hat sich nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch als Instrument zur Dokumentation und Qualitätssicherung in der Praxis etabliert.

Quelle:

Fürhauser R, Florescu D, Benesch T, Haas R,Mailath G, Watzek G. Evaluation of soft tissue aroundsingle-tooth implant crowns: the pink esthetic score. Clin Oral Implants Res. 2005 Dec;16(6):639–644

Prof. Dr. Clemens Walter

Prof. Dr. med. dent. Clemens Walter

Abteilung für Parodontologie, Oralmedizin und Oralchirurgie Charité Centrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
Prof. Dr. med. dent. Clemens Walter erhielt seine Approbation im Jahr 2000. Von 2001 bis 2003 absolvierte er das Postgraduiertenprogramm in Parodontologie und Implantologie an der Charité Berlin. Die Promotion erfolgte 2005. Von 2010 bis 2021 war er Leiter des Weiterbildungsprogrammes Parodontologie an der Universität Basel, wo er 2012 habilitierte. 2016 wurde er Außerordentlicher Professor an der Universität Basel, 2021 übernahm er den Lehrstuhl für Zahnerhaltung, Parodontologie, Endodontologie, Präventive Zahnmedizin und Kinderzahnheilkunde, Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Universitätsmedizin Greifswald. Prof. Walter arbeitet in der Zahnarztpraxis Asta Fritzke in Greifswald und ist als Titularprofessor an der Abteilung für Parodontologie, Orale Medizin und Orale Chirurgie, Charité-Universitätsmedizin Berlin tätig. Foto: privat
Aßmannshauser Straße 4–6
14197 Berlin

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