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Geldanlage

Gute Stimmung an den Börsen? Das war einmal. Derzeit belasten immer wieder Dinge wie Lieferengpässe, Energiepreisschock und Inflationsangst die Märkte. Gleichzeitig wachsen die Staatsschuldenberge vielerorts in schwindelerregende Höhen, was ganz grundsätzliche Zweifel am Geld- und Finanzsystem schürt. Zudem sieht so mancher Experte den 2025 noch wirkenden Hype rund um die rentable Anwendung künstlicher Intelligenz inzwischen deutlich kritischer und manche warnen vor einem Platzen der KI-Blase, die zum ganz großen Crash führen könnte.

Also auf keinen Fall mehr Aktien kaufen? „Die aktuellen Kursrückgänge sind zunächst Ausdruck erhöhter Unsicherheit, nicht zwangsläufig der Vorbote eines großen Crashs“, erklärt Michael Craatz, Finanzfachmann beim unabhängigen Vermögensverwalter Hansen & Heinrich AG am Standort Frankfurt am Main. Ohne Frage ist auch das Stimmungsumfeld etwa durch die spürbaren Folgen des Irankriegs für die globalen Handelsströme nicht optimal. Aber das ist noch lange kein Grund, sich von den Börsen abzuwenden: „Historisch haben Kapitalmärkte viele politische Krisen vergleichsweise schnell verarbeitet, weshalb Phasen erhöhter Nervosität für langfristig orientierte Anleger häufig eher Chancen als Warnsignale darstellen“, sagt Craatz.

Zauberformel: Investieren und Zeit mitbringen

Denn ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass kriegerische Konflikte und politische Probleme langfristig immer wieder überwunden werden konnten. „Wer eine gute Strategie hatte, bei der Auswahl von Aktien auf Qualität achtete und genug Zeit mitbrachte, der konnte bisher Schwankungen in aller Regel einfach aussitzen“, weißBurkhard Wagner, Vorstand bei der PARTNERS VermögensManagement AG aus München. Natürlich können einzelne Unternehmen auch in Krisen scheitern, Pleite gehen und zum Totalverlust führen. Wer aber breit gestreut in den Markt investiert, konnte bisher stets die Verluste wieder ausgleichen. Selbst in den großen Börsentälern der letzten Jahrzehnte, wie der Finanzkrise in Folge der Lehmann-Pleite, hat sich der Markt nach spätestens sieben Jahren erholt.

Den richtigen Moment für einen Einstieg zu erwischen, ist für Profis gar nicht die entscheidende Frage. „An der Börse ist Zeit tatsächlich meist wichtiger als der perfekte Einstiegszeitpunkt“, bestätigt Michael Craatz, denn „wer langfristig investiert bleibt und nicht versucht, kurzfristige Marktbewegungen zu timen, profitiert statistisch deutlich stärker vom langfristigen Wachstum der Unternehmen und der Weltwirtschaft.“

Besser staffeln als abwarten!

Auf lange Sicht wird es immer unwichtiger, wann mit dem Investieren gestartet wird, das zeigen etwa Berechnungen des Deutschen Aktien Instituts. Wer in den letzten 50 Jahren irgendwann begonnen hat, monatlich einen festen Betrag in die Standardwerte des Deutschen Aktienindex (DAX) zu stecken, musste nur lang genug durchhalten, damit es sich gelohnt hat. Selbst im denkbar ungünstigsten Fall lag die Rendite dann nach zwei Jahrzehnten pro Jahr bei 4,7 Prozent. Hier kommt der Cost-Average-Effekt zum Tragen, denn wer in regelmäßigen Abständen immer die gleiche Summe investiert kauft in Börsentälern mehr Aktien und bei Kursgipfeln weniger. Langfristig fallen dann Kursschwankungen nicht mehr so stark ins Gewicht. Anders formuliert, gerade wenn sich junge Menschen einen ETF-Sparplan einrichten, spielt bis zum Rentenalter die heutige Stimmung am Markt ziemlich wahrscheinlich kaum eine Rolle für den Erfolg der Anlagestrategie.

© VBank

Quelle: www.dai.de (Stand Dezember 2025)

Aber auch wer gerade zum Beispiel 100.000 Euro aus einer Lebensversicherung ausbezahlt bekommen hat und eher für die goldenen Jahrzehnte nach dem Berufsleben plant, kann diese Idee nutzen. „Statt die komplette Summe auf einmal anzulegen, macht es Sinn, das zeitlich zu staffeln und in mehrere Tranchen aufzuteilen, die mit einigen Monaten Abstand investiert werden“, erklärt Burkhard Wagner. Immer nur abzuwarten und das Geld unter dem sprichwörtlichen Kopfkissen oder auf dem kaum verzinsten Girokonto liegen zu lassen, kann sich dagegen mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit rächen. Denn wie jeder momentan wieder ganz offensichtlich an Zapfsäule und Supermarktkasse merkt, das Preisniveau steigt und die Kaufkraft von Erspartem sinkt automatisch ohne einen Ausgleich durch Rendite.

Diesen Effekt sollte niemand unterschätzen, wie ein Rechner auf der Internetseite der Deutschen Bundesbank zeigt. Selbst wenn die Inflation nur bei zwei Prozent im Jahr nahe des erwünschten Stabilitätsziels liegt, können in 20 Jahren fast ein Drittel weniger Waren und Dienstleistungen gekauft werden. Sollte die Geldentwertung eher im Bereich von vier Prozent wie in den letzten Jahren landen, bedeutet das einen Kaufkraftverlust um mehr als 50 Prozent. Das heißt nicht, dass jeder und in jedem Alter immer alles in Aktien stecken muss. Schnell verfügbare Reserven auf einem Tagesgeldkonto sollten immer eingeplant werden. Aber die Erfahrung zeigt, damit allein lässt sich die Inflation nicht ausgleichen und es macht fast immer Sinn, auch potenziell rentablere Anlagebausteine zu nutzen.

Das kostet Abwarten

Wer 100.000 Euro über 20 Jahre unter dem sprichwörtlichen Kopfkissen unverzinst liegen lässt, vernichtet ziemlich sicher jede Menge Kaufkraft. Selbst wenn die Preise nur nahe des Stabilitätsziels der Europäischen Zentralbank um zwei Prozent jährlich anziehen, können in 20 Jahren etwas über 30 Prozent weniger Waren- und Dienstleistung dafür gekauft werden. Entwickelt sich die Geldentwertung dank Zollchaos, Kriegsinterventionen und Handelskonflikten eher so wie in den letzten Jahren im Bereich von vier Prozent, wird die Kaufkraft laut dem Onlinerechner der Deutschen Bundesbank auf 45.638,69 Euro mehr als halbiert.

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Quelle Grafik: Bundesbank: Inflations- und Deflationsrechner | Deutsche Bundesbank

Quelle:

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